Church building / Kirchengebäude in Thembalethu

... God has chosen the weak things of the world to confound the things which are mighty; And base things of the world, and things which are despised, has God chosen ... (1Cor 1:27.28) p>p>p>

Samstag, 12. Juni 2010

Sau tot ...

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... heißt ein altes Jagdlied.

Das weiß ich seit 1981, als ich mit meinem damaligen Kollegen Reiner, auf den Tag genau so alt wie ich, in einem VW-"Kübel" langweilige Flughafenaußenstreifen im Kelsterbacher Wald abzuckelte und ihn für seine bevorstehende Jägerprüfung abfragte.
Reiner hatte bald darauf die Prüfung bestanden, die Polizei Ende der Achtziger wegen zu geringer Aufstiegschancen verlassen und ist nun seit Jahren Oberarzt in einem Krankenhaus.

Zu den vielen Schwarzkitteln, die nach seiner bestandenen Prüfung zwischenzeitlich ihr Leben lassen mussten, gesellte sich nun unerwartet das Hausschwein meines Nachbarn Omti. 

Sein Schreckensruf am gvergangenen Donnerstag (ohne Halali) lautete ebenfalls "Sau tot!".

Tatort Schweinepferch

Denn: Am Donnerstag früh bereits entdeckte Smava, dass Omtis gesamter Viehbestand, nämlich die fette Sau, weg war. 
Der Schweinepferch, den er wegen des Gestanks 50 Meter abseits seines Häuschens aus Euro-Paletten (die hier vermutlich Afri-Paletten heißen dürften) baute, war voller Blut. 

Das wohlgenährte Tier der 100kg-Klasse, wurde des nachts vor Ort erlegt, geschlachtet und weggeschafft. Schade für Omti und einmal mehr trauriges Indiz dafür, dass man hier nix ungesichert aufbewahren kann.

Das wusste allerdings auch schon Smavas Sohn Lwazi, als er vor einer Woche knockentrocken und mit Weitblick die Absicht seiner Mutter ein Ferkel zu kaufen und in Omtis Pferch zu halten, kommentierte: "Du fütterst das Schwein für die Diebe".

Recht scheint er zu haben, denn Smavas Ferkel  (siehe Foto rechts), ist noch da. Die Diebe wollen wohl warten, bis es unter Smavas artgerechter Fütterung lohnend für die eigene Schlachtung und den Weiterverkauf geworden ist. 

Also wird jetzt das Ferkel, das ich erst letzte Woche unter seinem protestierenden Gequieke und zum Amusement einiger Townshipbewohner von einer hiesigen "Händlerin" zu Smavas Haus bzw. zum Pferch getragen hatte, an einen sicheren Ort umgesiedelt. 
Wahrscheinlich in ihr Heimatdorf Mnxe in der Traskei unter die fürsorgliche Obhut einer ihrer Schwestern.

Meine eigenen Ambitionen, durch den Kauf eines ebenfalls umgerechnet 15 € teuren Eberferkels mit Smava ganz groß in die Schweinezucht einzusteigen, sind damit radikal zum Erliegen gekommen!

Foto links: Gemeines deutsches Hausschwein. Baugleiches Modell wie das von Omti, welches sich durch Tod und Abwesenheit leider meiner fotografischen Dokumentation entzogen hat.

Freitag, 11. Juni 2010

Nachtrag zu Samis Leblosigkeit. - Testimony in English -

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Nachfolgend ein kurzer Auszug aus einem Skype-Chat. Ich hatte Jeanné aus der Ekklesia-Gemeinde darin gebeten, etwas für den Blog zu schreiben, damit ich es nicht immer bin, der berichtet und dass nicht an Jesus Gläubige sich vorstellen können, dass es real ist, was ich erzähle. Unten in Fettdruck ihre Antwort von vor 10 Minuten. 

[00:33:23] Geo:

Dear Jesusloving, tomatogiving sister!

I wonder, whether you could maybe write a few sentences about the incidence with Sami in Silvertown and Joshuas prayer.
Only if you find some time at work and it does not bother you. Just here in Skype, so that I can copy it into my blog as a testimony.
I'd like to show people the greatness of God and would like to take the opportunity to narrate not only from my point of view.

Your tomatorecieving brother Geo

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[09:11:18] Jeanné Kopp: Dear Tomatoreceiving Brother Geo, I will write your request about 10h00 if it's fine with you. Have a blessed tomatogiving day and let me know wheter we pray tonight or tomorrow night! From your Jesusloving tomatogiving sister Jeanné ;)

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[10:51:20] Jeanné Kopp: 

A Testimony to the name of Jesus Christ:

Last night I, (Jeanné), Joshua and Geo went out, once again to our friends in Silvertown. 


God has such a compassion for these people. 

When entering one of the ground gravel roads, Geo and Joshua saw someone standing against a wall dead still. It was quite dark, so we could’nt see well. As they walked closer to this person, they saw that it was our close friend in Christ, Samuel! 

He was just staring infront of him. Geo then called me and said that there is something wrong with Samuel, because he does not re act to any voice or touch at all. I then walked up to him and put my hand on his heart, then me and my son Joshua rebuked that thing, and suddenly he came out of the blackout, and he threw his arms open, looked a little confused. 

I then put his face in my hands and said to him to look at me, and he recognized me. He couldn’t talk after he came out, so I prayed over his mouth and slowly but surely he could talk again. 

We left him at his house so that he could rest on the bed, came back later, only to find that he is sitting straight up busy reading a book about warfare, and rejoicing with tears in his eyes. 

Isn’t God good. 

He is truly the same yesterday, today and forever!

Donnerstag, 10. Juni 2010

Tomaten! Sami ist leblos. Suppenküche für Silvertown? Patrick betet wie kein Zweiter.


Alle meine Anfechtungen haben sich verflüchtigt. Ich hatte sie zurückgewiesen und die Freude im Heiligen Geist hat wieder die Oberhand gewonnen. Die Angriffspunkte sind nicht mehr! Habe zwar heute Nacht von Essen geträumt, das wars aber auch schon. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Also liege ich hier mit meiner Wärmflasche im Bett und tippe den heutigen Tagesverlauf, während draußen auf der Straße diese grässlichen Vuvuzelas tröten. (Habe erst heute erfahren, dass schon morgen die WM anfängt - Räusper).

Jeanné von der Ekklesia-Gemeinde hatte angeboten, am heutigen Donnerstag Abend mit einem ihrer Söhne nach Silvertown zu kommen, weil sie zwei Einkaufstüten mit Tomaten abzugeben hatte. Gesagt, getan, um 17.50 Uhr, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, waren wir mit ihrem Sohn Joshua, am Sonntag 16 Jahre alt geworden, vor Ort.

Ich bin mit dem kleinen Township schon so vertraut und viele Leute kennen mich, so dass ich es fast nicht für nötig befunden hätte zu beten und Jesus über unseren Einsatz zu stellen. Ich tat es aber dann doch im Auto und konnte sofort die Gegenwart Gottes körperlich spüren.
Immer wieder unfasslich. Wir sollen eben nicht UNSER Ding, sondern SEIN Ding machen!

Es war nun fast Dunkel und wir begannen jeweils eine handvoll Tomaten mit Grüßen von Jesus in die Hütten zu verteilen.

Aus dem Augenwinkel sehe ich am Wegesrand eine rabenschwarze Person am rabenschwarzen Lattenzaun in nunmehr beinahe rabenschwarzer Dunkelheit stehen. Quasi das Gegenteil der ostfriesischen  Flagge: "Weißes Ross auf weißem Grund".
Jedenfalls dachte und sagte ich: "Sami?" Keine Reaktion. Nochmal genau hingesehen - er war es.

Doch mein Freund stand wie eine Statue stocksteif mit offenen Augen komplett regungs- und ausdruckslos da. Er hatte noch eine glühende, milieuüblich mit Telefonbuchpapier gedrehte Zigarette in der linken Hand und reagierte wie ein Komapatient weder auf längeres Zurufen, noch auf intensives Rütteln. Null Reaktion. Absolut Null. Auch seine Haut war eiskalt.

Was war los? Ich wollte Johannes von der Nummernbande holen, der wenige Hütten weiter wohnt, um abzuchecken, ob das eine vielleicht eine Ausfallerscheinung nach Drogenkonsum ist, aber Johannes war nicht zuhause.

Derweil betete der kleine Joshua unerschrocken gegen dämonische Bindungen und SCHNAPP. Sami war wieder da! Von einer Sekunde zur nächsten! Krass.

Er konnte zunächst nicht gut sprechen und wirkte schwächlich: "...Wo bin ich?", aber er war wieder da. Wir stützten ihn, brachten ihn zu seiner Hütte und legten ihn aufs Bett. Seine erste und mehrfach wiederholte Aussage war, noch auf dem Bett liegend:  

"Dänk you Jesus. Hallelujaaaah. Praise Jesus!" 

Wir kümmerten uns eine Weile um ihn, dann gingen wir weiter, versprachen aber, später wiederzukommen. Welch ein Timing Gottes. Der Black-Out muss gerade vor unserem Eintreffen passiert sein, sonst hätte die Kippe nicht noch geglüht.

Wir verteilten nun weiter Tomaten in den Häusern, trafen liebe und dankbare Menschen, und als wir eine Dreiviertelstunde später zu Sami zurückkehrten, saß er auf einem Hocker und las bei Kerzenlicht in Afrikaans ein Buch über geistliche Kampfführung. Als wir die Hütte betraten, sprang er auf, wedelte uns mit erhobenen Händen mit dem Buch zu, deutete euphorisch auf das Gelesene und rief wieder sein Lob zu Jesus und dass der Satan keine Chance hätte. Was für ein Typ der Sami.

Wir beteten noch gemeinsam für eine bessere Arbeitsstelle für ihn, ihm liefen wieder Tränen aus den Augen, er umarmte uns von Herzen und verkündigte uns mit Inbrunst die Größe Gottes.

Sami hatte heute wieder, so wie jeden Tag, Reifen auf der Müllkippe verbrannt und vielleicht giftige Gase eingeatmet. Keine Ahnung, wie schnell oder langsam diese Giftgase wirken, aber er lief  auch heute einige Kilometer beschwerdefrei von der Müllkippe nach Hause, um ein paar Meter vor seiner Hütte einen totalen Black-Out zu erleben - so, wie wir ihn antrafen.

Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass diese Symptome typische Vergiftungserscheinungen waren, aber ich bin kein Experte.

Wie auch immer: Sami berichtete, sein Kopf und seine Lungen seien nach Joshuas Gebet wieder völlig klar und frei. Keine Nachwirkungen. Sehr erstaunlich.

Gerade zu Wochenbeginn wurden alle, die mit mir enger unterwegs sind, z.B. die, die an diesem unvergesslichen Pfingsten (siehe Eintrag vom 23. Mai 2010) mit dabei waren, massiv angegriffen. Ich hatte mich noch gefragt, wieso der alte Sami stets so fröhlich sein kann und ihn gar nix aus der Ruhe bringt. Ob er wohl nie angefochten wird? Heute hatte es ihn aber auch volle Kanne erwischt. Doch Dank Gottes unfassbarem Timing wurde wieder ein grandioser Sieg daraus und wir alle sind gewachsen und wurden gestärkt.

Noch ein Timing Gottes (ich könnte das ja alles selbst nie glauben, wenn ich es von einem anderen lesen würde! :-) ):

In Silvertown bedeutet "Dunkelheit", dass man sich schlecht orientieren kann. Überall liegen auf den matschigen Pfaden Hunde, Holz, Eimer, Krimskrams. In Kopfhöhe hängen zuweilen "unsichtbare" rostige Drähte als Wäscheleinen zwischen den Blechhütten.

Außer von den Feuern vor diesen Häuschen strahlt nirgendwo Licht. Also ist es mangels Taschenlampen nicht leicht, sich fortzubewegen.

Jeanné sagte in dieser Phase des Abends hinter Joshua und mir hergehend, den unspektakulären Satz:  

"Danke, Herr, dass du auf mich acht hast und meine Pfade erleuchtest!".

Ich gebe mein Ehrenwort, dass es wohl deutlich weniger als 10 Sekunden dauerte, bis daraufhin eine Beleuchtungskette über uns und genau diesem matschigen Pfad leuchtete. Wahrscheinlich war es es gerade genau 19.00 Uhr oder sonst eine vorprogrammierte Zeit der Elektrizitätswerke, aber das Timing war genial.
Unmöglich zu inszenieren, sowas.

Gottes Timing hat sich an diesem Abend noch ein weiteres Mal gezeigt:

Ich kenne die Entwicklung einer Suppenküche in Thembalethu in "meiner" Zone Acht durch das Engagement von Smava und anderen Damen, seit 2006.

Seit letzter Woche nun kam mir der Gedanke für die Einrichtung einer Suppenküche in Silvertown. Ganz konkret hatte ich als Ansprechpartnerin eine Frau von dort auf dem Herzen, für die wir an Pfingsten für die Erfüllung mit dem Heiligen Geist gebetet hatten und die daraufhin sofort laut in neuen Sprachen redete und völlig vom Geist Gottes ergriffen war. Wie sich später herausstellte, ist sie die Gattin des zuvor erwähnten Johannes von der Nummernbande.

Als ich sie heute antraf, erklärte ich ihr die Bedingungen: 3 Damen, die sich Jesus verpflichtet fühlen, sich offiziell registrieren lassen, treuhänderisch Essen verwalten und dieses 3-mal wöchentlich für die Bedürftigen zubereiten.

Ihre ebenfalls unfassliche Anwort:  

Ich habe gerade vor wenigen Wochen mit einer Freundin geredet, ob Gott uns nicht wohl jemanden schickt, der uns bei der Eröffnung einer Suppenküche helfen kann?!?

Was sagt man denn hierzu? Jesus hat alles im Blick! Nichts entgeht ihm.

Nebenbemerkung: Um grob den Bedarf über die Bewohnerzahl von Silvertown abzuschätzen, erhielten wir die Antwort, dass -je geschätzt 20 qm großer Blechhütte- üblicherweise 5 Menschen darin wohnen, manchmal aber auch 10 Personen.

Zum Abschluss des Abends trafen wir noch auf den Hausherrn von Samuels Unterkunft, Patrick, geschätzt knapp 30 Jahre alt. Seines Zeichens Gatte von Samis Nichte. Er erzählte uns seine sehr lange Lebens- und Leidengeschichte.

Dass sein Vater die Mutter mit einer Eisenstange erschlug , als er 7 Jahre alt war, ist nur eine, wenn auch besonders tragische Begebenheit.
Nun arbeitet er für einen Hungerlohn jeweils 13 Stunden an 6 Tagen. Es ist ein solcher tiefer Schmerz in den Menschen, da kann ich gut nachvollziehen, dass sie Saufen und Drogenkonsum als einzige Erleichterung in dieser Tristesse wahrnehmen.

Wir haben ihm von der Liebe Jesu erzählt und dessen Ruf: "Komm, Patrick". Dann haben der quicklebendeige Sami, die anderen und ich im Kreis gestanden, uns alle samt Patrick umarmt und für ihn gebetet. Weil ich es auf dem Herzen hatte, bat ich Patrick, dass er jetzt selbst zu Gott beten solle.

WOW. Hat der Mann ein Gespräch mit Gott aus dem Herzen rausgehauen! Mir kam nach dem zweiten Satz bereits eine Gänsehaut (Jeanné auch, wie sie mir später erzählte). Ein minutenlanges (wörtlicher Auszug:)

"Herr, in deinen Fußstapfen will ich wandeln - alle Tage meines Lebens" - Gebet.

Auch wenn ich nicht alles, was er auf Afrikaans sagte, verstand, kann mich dennoch nicht erinnern, sowas von einem inbrünstigen "nimm mich bitte an" schon mal live gehört zu haben. 


Nun ja, es wurde spät, kalt und mir war etwas übel. Weniger wegen des allgegenwärtigen Marihuanageruchs, der die Luft schwängerte, sondern vielmehr von dem beißenden Rauch, der dank der Blecheimerfeuer von beinahe jeder Hütte ausging, so dass einem die Augen tränten. Schließlich wird nicht nur Holz in den Blecheimern verbrannt, sondern alles, was nicht gerade das Gütesiegel "garantiert nicht brennbar" trägt.

Also verabschiedeten wir uns, dankten dem, dem aller Dank gebührt, wunderten uns einmal mehr über seine unvergleichliche Größe und sein Timing und wurden von Sami allerliebst und überschwänglich verabschiedet.

Joshua und Jeanné lieferte ich mit dem für achtzig Euro ölwannengeschweißten Nissan zuhause ab, und wieder ging ein erstaunlicher Tag zu Ende.

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(Beide obigen Fotos mit den brennenden Fässern stammen nicht aus Silvertown, spiegeln aber die Atmosphäre recht gut wieder)

Mittwoch, 9. Juni 2010

Alles hat seinen Preis. Was mache ich denn hier? Der Regenbogen ist da!

Wenn man bedenkt, dass hier Menschen geheilt werden und zu Jesus finden, könnte man den Eindruck gewinnen, alles sei in den Townships einfach immer nur "easy-going". So ist es aber nicht - alles hat seinen Preis.

Denn das ganze Unterfangen ist -wie überall auf der Welt- ein geistlicher Kampf und es gibt Anfechtungen. Beispiel der Einbruchdiebstahl, über den ich am 26. April 2010 berichtet hatte.

Obwohl ich den negativen Dingen keine besondere Aufmerksamkeit schenken möchte, will ich doch wenigstens einmal beschreiben, wie es auch aussieht, um einer Fehlinterpretation meiner Blogeinträge entgegenzuwirken.

Am Sonntag hatte ich einen schwarzafrikanischen Gebetsfreund namens Buyani, 23, über das Fasten befragt. Ich wurde inspiriert, einmal eine Fastenphase auszuprobieren. Er gab mir ein Heftchen mit den biblischen Grundlagen und ich fand darin die deutliche Warnung, dass genau dieses Fasten angefochten werden würde.

Ich begann sogleich mit dem Fasten und wachte doch tatsächlich am Montag früh grundlos mit einer Art depressiven Verstimmung auf. Ein Telefonat in der Frühe war unerbaulich. Beim anschließenden ersten Gespräch mit Smava eröffnete sie mir die erneuten Probleme mit dem jüngsten Sohn, der nun in Kapstadt weilt.
Daneben hörte ich von Problemen und Gebetsersuchen verschiedener Christen aus meinem Umfeld hier.

Da wollte sich schon Bedrückung in mir breitmachen.

Nach einigen Erledigungen fuhr ich dann auf einen Berg über George, um Bibel zu lesen und zu beten.
Es stürmte und regnete. Da fiel mir auf, dass ich mal ein Lesezeichen geschenkt bekam, was jetzt am Innenspiegel des Autos hängt.

Übersetzt: "Möge Gott dir zu jedem Sturm einen Regenbogen senden" Und darunter: "Ich werde dich nicht verlassen, noch von dir weichen." 

Und dann: plötzlich war er da, der schönste Regenbogen, an den ich mich erinnern kann.

(Unterhalb des Regenbogens liegt die Stadt George, die man wegen der Regenwolken und der limitierten Qualität des Handyfotos nicht gut erkennen kann. 
Aber in natura war es ein klasse Anblick.)

Der Regenbogen war ja nach 1.Mo 9 ein Zeichen Gottes für den Bund mit Noah und seinen Nachfahren, also uns:

"Ich schließe diesen Bund mit euch und euren Nachkommen ... Nie wieder werde ich das Leben durch eine Wasserflut vernichten. ...Und als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. ... Und dieser Bogen, sagte Gott zu Noah, ist das Zeichen für den gültigen Bund." 

Kaum sah ich den Regenbogen und auch das Lesezeichen, kam eine SMS mit sehr bedrückendem Inhalt und Gebetsersuchen sowie zeitgleich eine Schreckensnachricht von meiner Familie in Deutschland.

Als ich dann nach Hause fuhr, habe ich am Auto die Ölwanne in Thembalethu an einer breiten Abwasserrinne aufgerissen, so dass das Motoröl austrat.

Tja. da war ich völlig bedient.

Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass der starke Nachtregen an mehreren Stellen in meinen Raum eingedrungen war. Boden nass, Kleider nass. Papiere durchfeuchtet. Der Regen war immer noch stark und ich versuchte erfolglos, die löchrige Plastikfolie auf dem rostigen Wellblech-Flachdach so zu positionieren, dass der Regen draußenbleibt.

So, da saß ich nun. Mir war saukalt, ich hatte Hunger. Das Auto war kaputt. Viele Klamotten waren nass und es regnete unaufhörlich in meinen Raum hinein.

Nun wurde mir die Frage eingeflüstert: "Was machst du denn eigentlich hier? Zuhause hättest du es doch viel schöner!" Ich dachte an den deutschen Sommer, ein Bier beim Grohe, einen Brunch mit Schinken, Käse und Lachs, das wachsende Unkraut im häuslichen Garten und allerlei mehr.

Da war mir wieder bewusst: Man muss aufpassen, dass einen die Gedanken nicht einfangen und die sich als negative Emotionen festsetzen. Vielmehr soll man sich erinnern, dass etwas in der geistlichen Welt geschieht, was wir nicht sehen, hören oder anfassen können, das uns aber nach Epheser 6,11f  mit "feurigen Pfeilen" beschießt und uns vom Weg abbringen will.

Wie schon bei Jesu Versuchung in der Wüste (Lukas 4), ist der Schild des Glaubens und das Wort Gottes die Verteidigungswaffe der Wahl.

In diesen Momenten ist man immer wieder neu zur Entscheidung aufgerufen, wem man Glauben schenkt. Den eigenen Erfahrungen, Gefühlen und den Einflüsterungen des Feindes - oder Gott.
Wem gehen wir nach und lassen über unser Leben herrschen? Unser egozentrisches 'Fleisch' und unsere menschlichen Seele oder dem Geist Gottes, der in uns Christen "wohnt"?

Römer Acht,9: Ihr jedoch steht nicht mehr unter der Herrschaft eurer eigenen Natur, sondern unter der des Geistes, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt.

Ein paar Bibelstellen wurden mir in diesen beiden Tagen wichtig. Unter anderem:

Jakobus 1,2f
Haltet es für reine Freude, meine Geschwister , wenn ihr in verschiedener Weise auf die Probe gestellt werdet. Ihr wisst ja, dass ihr durch solche Bewährungsproben für euren Glauben Standhaftigkeit erlangt. Die Standhaftigkeit wiederum soll zu einem vollkommenen Werk führen: Ihr sollt in jeder Hinsicht zur Reife kommen, zu einer Vollkommenheit, der nichts mehr hinzuzufügen ist.

Römer 5,3f
Aber nicht nur das: Wir sind auch stolz auf die Bedrückungen, denen wir ausgesetzt sind, denn wir wissen, dass wir durch Leiden Geduld lernen; und wer Geduld gelernt hat, ist bewährt, und das wiederum festigt die Hoffnung. Und in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht, denn Gott hat uns mit dem Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat, auch seine Liebe ins Herz ausgegossen. 

1.Korinther 10,13:
Bisher ist noch keine Versuchung über euch gekommen, die einen Menschen überfordert. Und Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht. Er wird euch bei allen Versuchungen den Weg zeigen, auf dem ihr sie bestehen könnt.

Und wie heißt doch gleich wieder die Jahreslosung 2010? Richtig:




Glauben an Gott heißt, ihm zu Vertrauen. Nicht zulassen, dass das Herz sich erschreckt. Also ist die Entscheidung auch hier, immer ihm und seinen Verheißungen zu trauen und diese auch zu Proklamieren. Besonders in Sturm und Regenzeiten.

Für mich war es eindeutig, als ich über die Zusagen Gottes auf dem Berg nachdachte. Sein Bund mit mir steht. Und er wird mich auch nicht verlassen noch von mir weichen. Komme was mag.

Gleiches gilt für dich, wenn du das willst!

P.S.: Danke einmal mehr für alle Gebete. Besonders UK und MM an diesen Tagen!

Montag, 7. Juni 2010

Frei nach Remarque: "Im Süden nichts Neues"

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Es gibt nicht so sehr viel, was dem Leser daheim den Atem rauben könnte.

Ich treffe Bekanntschaften, die ich in den unterschiedlichen Wohngebieten machte, bete mit ihnen und für sie. Hie und da unterstütze ich auch mal praktisch.

Manchmal tun sich auch neue Stätten und neue Menschen auf.

So wie die Menschen aus dem Altenheim von Rosemoor, wo ich mit Sami dessen Mutter Maria einen Tag nach ihrem 96. Geburtstag besuchte.
Bald nach unserem Eintreffen wurden wir im Altenwohnheim von Haus zu Haus gereicht und Sami wurde sogar ein Heiratsantrag von der Dame in der Bildmitte gemacht - den er dankend ablehnte :-).

Oder in Silvertown. Mein 3-saitige Gitarre spielender Freund Johannes's der Standhafte, der von der Nummernbande, berichtete, dass seine Hütte ausgeräubert wurde. Alles weg. Der Widersacher attackiert.

In Silvertown betete ich mit Sami für Elisabeth. Wie mehrfach beschrieben, oft eine tränenreiche Angelegenheit für die Gegenüber.


Elisabeth, die sich auch wieder an mich klammerte, hatte mit feuchten Augen eine ernsthafte und bewegende Aussage gemacht. "Ich brauche Liebe". Dabei meinte sie keineswegs körperliche Liebe, sondern vielmehr das Grundbedürfnis an Beziehungsliebe.
 
In Thembalethu war ich am vergangenen Samstag zu einem Treffen eingeladen, in dem es darum ging, Eltern zu bestärken, ihre Kinder schulisch zu fördern. Eingeladen hatte eine entschiedene Christin der Bildungsbehörde, die sich in ihrer Freizeit um das Bildungsdefizit in den Townships kümmert.
Denn: Nach Abschluss der verschiedenen Grundschulen in Thembalethu schaffen nur 17% der Kinder die Mindestanforderung schulischer Leistungen von 50%. Das heißt, die überwiegende Mehrheit kann am Ende weder richtig lesen, noch schreiben oder rechnen. Erschreckend.
Lehrer sind demotiviert, Kinder hilflos und Eltern nicht in der Lage, zu unterstützen. Wie auch? Intakte Familien gibt es kaum. Annähernd 100% Allein"erziehende".
Bereits im südafrikanischen Landesdurchschnitt liegt die Rate Alleinerziehender bei 80%. Wieviel mehr in den Schlichtwohngebieten. 

Na, und so gehen die Tage mit zahlreichen Begegnungen und in Seiner Gegenwart dahin. Langweilig ist es also nicht.
Zumal ich daneben Einiges über die Jesusnachfolge von anderen lernen kann, die mich umgeben.

Sehr früh übt sich ... gesehen in Thembalethu

Dienstag, 1. Juni 2010

USS Enterprise. Die Agave sticht und Jesus hat dich geschickt.

"Die Townships - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Abenteuer des Geo, der mit seiner 400 Schutzengel starken Begleitung unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Kilometer von der Heimat entfernt, dringt er in Townships vor, die nie ein weißer Mensch zuvor gesehen hat." (Logbuch des Captains, Sternendatum 0989,1)

War heute bis zur Blasenbildung stundenlang zu Fuß in unbekannten Bereichen von Pacaltsdorp (Coloured Gebiet) unterwegs. Scotty's Teleportation hätte mich zwar durch Beamen schneller transportiert, aber da hätte ich einige schöne Begegnungen verpasst.

Zum Beispiel die mit Amanda aus einer kargen Holzhütte am Berghang. Ich sprach sie an, wir unterhielten uns und kamen beim Thema eheliche Treue raus. Sie wunderte sich, dass ich in Thembalethu wohne, meine Frau in Deutschland ist und ich hier dennoch keine Freundin habe. Das fand sie klasse und ermutigte mich. Da war eine starke Verbundenheit mit ihrer unbekannten weißen Geschlechtsgenossin festzustellen. Frauen wollen nicht betrogen werden.

Oder mir wäre nicht so bewusst geworden, dass nach Überwindung des Gangstergrabens, der Thembalethu und NuDawn Park trennt, nicht nur die Hautfarbe und die Spache wechselt, sondern auch die Ballsportart. Bei den Schwarzen in Thembalethu gibt es offenbar nur Fußbälle, bei den Coloureds gegenüber sind fast nur Rugbybälle zu sehen. Da ich immer bei den Kindern oder Jugendlichen auf den Straßen kurz mit von der Partie bin, wenn irgendwo ein Ball zu sehen ist, habe ich mich schon ganz gut mit Werfen und Dropkicks von Rugbybällen angefreundet.
Kinder sind sehr rauh hier. Sie werfen nicht nur mit Steinen aufeinander, sondern sie spielen auch auf Asphaltstraßen Rugby. Das tut beim Zusehen schon weh!

Oder ich hätte den Gartenfreund  Eibi nicht erlebt, den ich beobachtete, als er sehr laienhaft eine Agave beschnitt. Er traktierte die Pflanze mit einer Heckenschere derart ungeschickt, dass er die Blätter mehr abquetschte, als -schnitt. Schrecklich, wie er das Instrument bediente und die Pflanze behandelte!
Mein Sachverstand in botanischen Dingen war ungefragt gefragt und ich schritt spontan mit helfender Hand ein und übernahm Schere, Verantwortung und Pflanze. Schnipp, schnapp, Aaaua! Mein gartentechnischer Hochmut wurde betraft, denn ein böser Stich einer angriffslustigen Blattspitze in den Knöchel des Zeigefingers führte zu signifikanter Blutung sowie zur Schwellung und stundenlang andauernder Versteifung des Fingergelenks.

"Alle Teile der Agave sind giftig ... Deshalb immer Handschuhe tragen!", sagt der Ratgeber. Stimmt, ich kann es bestätigen.

Immerhin konnte ich nach getaner Arbeit ein Glas Wasser von Eibi erhalten. Etwas, was mir zuvor an einer Tankstelle verwehrt blieb. Dort hätte mich die Wasserhahnbenutzung im WC umgerechnet 10 Cent gekostet. Zuviel für mich, der ich mit leeren Taschen und daher exakt 0 Cent Barvermögen auf Entdeckungsreise war.

Interessant war die Begegnung mit der etwa 60 Jahre alten Denise und ihrer gleichaltrigen Freundin mit dem typisch afrikanischen Namen Gertrud Sauer.
Ich unterhielt mich mit den Damen in einer Ansiedlung mit Mittelklasseanwesen in Pacaltsdorp. Denise starrte mich die ganze Zeit ungläubig an, als sei ich eine lila Kuh. Ich habe relativ wenig erzählt. In etwa nur, dass ich in Thembalethu wohne und Menschen begegnen möchte. Das ganze Gespräch dauerte wenige Minuten. Von Denise wusste ich lediglich, dass sie römisch-katholisch ist, aus Port Elizabeth kommt und ihre Tochter am Sonntag Geburtstag hat.

Denise sagte mit diesem verklärten Blick knochentrocken: Jesus hat dich hierher geschickt. 
Ich: Wie kommst du darauf, woher willst du das wissen?
Denise: Ich kann es sehen!

Spannend, denn sie bezog es aufs Sehen und nicht auf das Hören des gesprochenen Wortes. Sie hat mich eingeladen und bat mich, am Sonntag zum Essen zu kommen. Also bin ich nach dem Gottesdienst um 14.00 Uhr dort. Ist das nicht aufregend? Ich lerne hier wirklich eine Unmenge interessanter Leute kennen.

Dann war ich noch 4 Stunden zu Besuch bei Gogo in NuDawn Park und hörte den spannenden Geschichten der Anwesenden zu, was sie alles mit Gott erlebt haben.


P.S. Ich zweifle am Lernvermögen des gemeinen Townshiphundes! Als ich beim Losmarschieren wieder 200 Meter vom Haus entfernt war, seh' ich doch dies treue Tier Flecky wieder an meiner Seite?!? Nix dazugelernt, der Bursche. Musste umkehren und ihn heimbringen.
Ich frage mich an der Stelle: Kann man eigentlich den IQ von Hunden messen? Ja, lautet die Antwort. Z.B. hier.

Flecky habe ich getestet. Das Ergebnis ist wenig überraschend :

Üben, üben, üben!
Na da müsst ihr aber noch mal üben – oder hatte dein Hund einfach einen schlechten Tag? Leider hat er im Intelligenztest weniger Punkte als der Durchschnitt erreicht. Doch keine Panik, dein Hund ist nicht dumm, er muss nur besser gefördert werden. ...


Das Gleiche gilt aber leider auch für das Ersatzherrchen Geo und das Agaven schneiden.

Montag, 31. Mai 2010

Flecky, der Nutzlose. Eine Tiergeschichte.

Flecky ist ein recht ansehnlicher Hund. Reinrassige Townshipzüchtung. Der anerkannte und allseits beliebte Wachhund des Hauses. Er bellt und vertreibt durch Nachstellen gekonnt Kühe, Esel und Schweine, die dem hiesigen Anwesen zu nahe kommen. Brav, Flecky!
Nun ja, beim Einbruch seinerzeit, hatte er ein wenig versagt, da wäre vielleicht mehr dringewesen, aber was solls. Ich trage es ihm nicht nach, ein Hund ist ja schließlich auch nur ein Mensch.

Heute nun, als ich mich zu Fuß in Richtung Zone 9 in Bewegung setzte, war das treue Tier plötzlich an meiner Seite und folgte mir. Alle Versuche, ihn nach 200 Metern nach Hause zu schicken, schlugen fehl. Er wollte mit.

Ich gab auf und dachte mir, dass es vielleicht einen Grund hat, wenn mir nun ein so treuer Wachhund folgt. Möglicherweise könnte ich heute einen entschlossenen Beschützer gut gebrauchen?

Alsdann munter losmarschiert und Flecky blieb, als hätte er seit seiner nie besuchten Welpenschule nix anderes gemacht, 1a an meiner Seite. Aber 1a!

Bloß: als ihm nun die ersten Hunde mit gestelltem Rückenhaar in Feindesgebiet begegneten, die nunmehr ihr Territorium verteidigen wollten, war er der Gejagte des Tages.
Was tut nun der treue Gefolgshund? Er suchte hinter, oder neben MIR Schutz! Eine Stunde ging das so. Überall Hunde, die nun ihn und damit auch mich verjagen wollten. Und Flecky machte keinen Pieps. Auch nicht Wuff oder Wau. Er erwartete, dass ich die Lage jeweils für ihn bereinige.

Ich musste den Ausflug abbrechen, da das sehr anstrengend war, ständig von einem Rudel kläffender Köter umringt zu sein.

Nach einer Stunde waren wir wahrscheinlich beide froh, wieder zuhause zu sein. Er bekam Wasser und hat nach seinem ersten Ausflug in die Zone 9 wohl die Nase voll und ich schlenderte allein und entspannt zu meinem Friseur Delfin aus dem Kongo zum Haare schneiden.

Nächstes Mal soll der Flecky lieber daheim bleiben, aber da wird er wohl auch selbst drauf kommen.

Ist ja kein dummer Hund.

Sonntag, 30. Mai 2010

Wie fängt eigentlich Erweckung an? Ein Wochenende in verschiedenen Townships.

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Freitag, Müllkippe:
Das Foto oben zeigt das Essenfassen auf der Müllkippe. Der fein gekleidete Herr rechts im Bild ist ein Wachmann in Uniform, der mitspeist. Gegessen wird recht grob ohne Besteck und ohne erkennbare "Tischmanieren".
Man bereitet Fleischabfälle zu, die zwei Großmetzgereien täglich abladen. Da liegen dann neben Undefinierbarem auch gerne Leckereien wie z.B. Schafsohren samt Fell auf dem Grill. Geschmackssache halt!  Glücklicherweise wurde ich noch nicht zum Essen eingeladen. Kann sein, dass der Tag kommt, an dem ich aufgerufen bin, "Schafsohren mit Fell auf Roststückchen" zu probieren. Ich berichte dann, wie das schmeckt.

Am Freitag regnete es immer wieder stark und ich hatte gehadert, ob ich zur Müllkippe fahren soll, oder nicht. Schließlich fuhr ich aber, obwohl ich nicht damit rechnete, viele meiner Freunde anzutreffen. So war es dann auch.
Jedoch, ich kam nicht vergebens: Qolisa, der neue Wachmann und ich unterhielten uns über Jesus und den Heiligen Geist. Qolisa wollte stärker ausgerüstet sein, um "Licht in die Finsternis zu tragen". Denn viele Leute seien in der Dunkelheit, meinte er zu recht.
So habe ich für ihn für die Geistestaufe beten dürfen. Qolisa brennt!


Samstag, Township Silvertown:



Am Samstag früh, 10.00 Uhr, war ich für Silvertown angekündigt. Ich holte Jeanné ab, ihre Söhne Ruben und Joshua passten aus persönlichen Gründen. In Silvertown wollte ich gerne mit dem lokalen Pastor des "Lebendigen Brunnens" sprechen und ihm klarmachen, dass ich/wir kein Konkurrenzprogramm für ihn sein wollen, sondern dass es allein um Jesus und um die Menschen in Silvertown geht. Pastor Jakobus, ein gemütlicher Herr mit zurückhaltendem Wesen, lud uns in seine Hütte ein, so dass Jeanné und ich ihn segnen und für ihn und seinen Dienst beten durften.

"Die Kirche" ist wie so oft, also auch hier, das prunkvollste Gebäude im Dorf  - vorliegend handelt es sich um einen Seecontainer. Um Längen besser, als die Blechhütten zum Wohnen.

 
Dann wartete einer von der Nummernbande, Johannes, auf mich. Ich hatte mich tags zuvor bei ihm angekündigt. Er war bedrückt, dass "das Amt" seine Kinder von ihm weggenommen hat. Außerdem war seine Tante verstorben und er verpasste wegen meines Besuchs nun die Beerdigung. Das wollte ich natürlich nicht.
Schließlich und hauptsächlich fällt es ihm schwer, Gottes Liebe für sich als Mörder anzunehmen und wieder in Gottes Schoß zurückzukehren.

Früher war Johannes mal mit Jesus unterwegs, doch als seine Mutter starb, ist er in ein Loch gefallen. Ich habe ihm einige Passagen aus Römer acht gegeben, Jeanné hat sie auf afrikaans vorgelesen und der Geist hat es ihm bezeugt, dass keine Verdammnis in ihm sein braucht und auch, dass ihn nichts mehr von der Liebe Gottes scheiden kann. Außerdem habe ich ihm aus Lukas 15, das Gleichnis vom verlorenen Sohn, quasi an ihm vorgespielt.


Wir haben für ihn gebetet und er hat geweint, wie ein Kind. Der Heilige Geist war auf ihm. Er hat angefangen, in Sprachen zu beten. Dann hat er sich voller Dankbarkeit an mich geklammert - aber superfest.

Er Mörder und was weiß ich sonstwas noch alles - ich Polizist. Eigentlich. Ich habe ihm gesagt, wie sehr ich ihn lieb hab und mich freue, dass wir mal eine Ewigkeit am Tische Jesu sitzen werden. Das meine ich so!

Ehrlich, ich freue mich schon jetzt auf diesen Tag, wenn ich dann alle diese Leute im Himmel wieder treffen werde. Mir ist das irgendwie auch ein Rätsel, aber ich finde diese Kerle wie Johannes irgendwie klasse und sie sind mir auf besondere Weise nah. Diese Menschen sind wertvoll, mehr kann ich nicht sagen.

Es passiert mir in den vergangenen Wochen nun regelmäßig, dass ausgewachsene Männer, aber auch Frauen, mich umklammern und weinen, obwohl wir uns ja relativ wenig kennen.

Nun gut.

Johannes öffnete die Bibel, die ich ihm überlies, irgendwo nach dem Zufallsprinzip und kam bei einem absolut zutreffenden und ermutigenden Stelle für ihn raus, die er uns lächelnd vorlas. Die Stelle weiß ich nicht mehr, aber es ging darum, dass er, Johannes, auserwählt ist und mit Gottes Hilfe standhaft sein wird. Gott ist immer gut!

Ein weiterer Mann namens Johannes kam herzu. Er sagte uns ungefragt, er möchte von Rauschgift frei werden. Ich sagte zum "ersten Johannes", dass er mit uns für seinen Kumpel beten soll. Und WOW: Der erste Johannes hat ihm, wie wir, die Hände aufgelegt und fängt dann voller Leidenschaft an zu beten und zu schluchzen. Er ist in Jesu Leidenschaft für seinen Freund eingetreten.


Foto zeigt v.l.n.r. Johannes, den Schläfrigen, Johannes, den Standhaften und einen Spaßvogel voll süßen Weins.

Dann waren wir vor dem Haus eben dieses "ersten Johannes". Er holte eine defekte Gitarre und spielte leidenschaftlich, aber versonnen Lieder zu Gott. Das hat richtig gut geklungen. Trotz der kläglich alten Klampfe mit nur noch 3 Wirbeln und Saiten. Der Mann war jedoch nicht mehr anzusprechen. In Gesang und Spiel völlig versunken. Ich bot ihm irgendwann an, seine Gitarre zur Reparatur mitzunehmen, aber er hörte mich nicht. Er war in einer anderen Welt. Ich tippe drauf -  nah bei Jesus.


Schwupps wurde ein kleiner Lobpreis-Gottesdienst daraus. Vor dem Zaun standen auch noch Leute!


Später trafen wir die Frau, gegen deren Asthma ich gebetet hatte. Sie war auch irgendwo anders. Als ich mit ihr redete und nachdem sie mir bestätigte, dass das Asthma weg ist, fing sie auf afrikaans an zu singen:  
"Der Geist des Herrn ist auf mir, der Geist des Herrn ist auf mir, die Botschaft zu verkündigen". Immer wieder. Nur diesen einen Satz. Ich bezweifle, dass das eine Strophe aus einem Liederbuch ist - könnte aber natürlich sein. Da das "Lied" nicht so schwer war :-), lernte ich es und wir zwei haben es zusammen im Township geschmettert.
Die Dame, deren Namen ich mir nicht merken konnte, fing nun an zu weinen und sagte, sie wolle nur noch für Gott unterwegs sein.
"Oh, I bin trunken im Geist", hat sie immer wieder gesagt. Und zwar seit dem Gebet am Sonntag durchgängig bis heute, betonte sie. Jeanné betete für sie und sprach in ihr Leben.

Übrigens: Das Phänomen des Trunkenseins im Heiligen Geist, das ja sowohl im Pfingstereignis der Apostelgeschichte, als auch durch Paulus beschrieben wird, habe ich in Deutschland so noch nicht gesehen. Dass Leute beten und nur durch das Gebet oder Lobpreis in einen Zustand voll des Heiligen Geistes geraten, der aussieht, wie Trunkenkeit. In der Ekklesia-Gemeinde in George geschieht das auch immer mal wieder bei einigen. Ich kenne es von mir lediglich als einen Zustand des Beschwingtseins.

Nun gut, wie auch immer, der Ehemann der "trunkenen" Dame hat berichtet, dass seine Angstzustände immer noch weg sind. 

Jeanné betete noch mit anderen Frauen, bei denen ich Tränen gesehen habe und auch feste Umklammerungen. Um was es im einzelnen ging, weiß ich nicht.

Es gibt also eine Gemeinsamkeit, die ich an den Menschen festgestellt habe, mit denen ich zu tun habe: Sie haben  großes Vertrauen, weinen und sie suchen engen Körperkontakt. Diese Leute gingen mehrheitlich durch ein Leben voller Ablehnung. Politisch, sozial und familiär. Während der Apartheidzeit sowieso, aber auch nach der Demokratisierung Südafrikas 1994.  Immer der letzte Dreck. In der Herkunftsfamilie, auf der Arbeit. Seit Generationen und Generationen. Saufen, Drogen, Gewalt.  Immer der gleiche Weg.

Es ist allgegenwärtig, dass Männer und Frauen dermaßen zugedröhnt sind, dass nix mehr geht. So wie bei der Frau reiferen Alters, auf dem Foto. Und die Kleinen wachsen damit auf und sind mittendrin und voll dabei. Sobald sie laufen können, werden sie zum Bierholen eingeteilt. Sie kennen es nur so. Positive Beispiele sind die Ausnahme. (Links ist der Bub mit dem ehemalig steifen Bein, um den es eigentlich auf dem Foto ging).



Samstag, Müllkippe:
Auf der Müllkippe, die wir im Anschluss an den Besuch in Silvertown besuchten, hatten wir auch Begegnungen. Eine will ich schildern:
Ich habe Alicia gefragt, was es Neues gibt. Sie erzählte mir, dass Jesus sie letzte Nacht aufgeweckt hat und sie für ein krankes Baby betete. Das Baby, das sie nicht kennt, sei daraufhin gesund geworden. Ich habe ihr gesagt, dass das genauso ist. Gott hat sie geweckt und ihr Gebet, hat das Kind gerettet.
Ich bin überzeugt, dass vieles in Gebeten von Christen auf der Welt "hinter den Kulissen" bewegt wird, was man nie erfährt.

Samstag, Township Thembalethu:
Nun fuhren wir nach Thembalethu und ich bot Jeanné an, einen befreundeten Pastor mit Namen Schedrach (Name einer der Freunde Daniels aus dem Feuerofen) zu besuchen. Ein geisterfüllter junger Mann, der vor acht Monaten eine Gemeinde in Thembalethu gegründet hatte. Er hat das Herz Jesu für Thembalethu und dessen Kinder und Jugendliche. Ich kenne ihn von Gebetstreffen in Smavas Haus. Wenn er im Gebet loslegt, liegt die Intensität und Leidenschaft weit jenseits dessen, was wir im Westen als Gebet kennen.
Er kam gerade aus einer 40-tägigen Fastenzeit.

Ich nutze notgedrungen oft die Vokabeln "feurig", "hingegeben", "entschieden" usw., aber mir fehlen eigentlich die Superlative, weil ich vieles nicht einfach mit Attributen versehen kann, wie entschieden manche aus meinem Umfeld hier sind. Man bräuchte Videoaufnahmen, um das irgendwie zu verdeutlichen, was ich meine. Da ich das nicht bieten kann, muss ich so einsilbig schreiben :-) .

Jeanné hat eine ausgesprochene prophetische Gabe. Sie sprach zu Schedrach und seinem Co-Pastor, Bulyani, vom Herzen Gottes und beide jungen Männer manifestierten im Heiligen Geist in dem kleinen Häuschen von Schedrach. Nach einiger Zeit gemeinsamen lauten Gebetes, war es irgendwann Bulyani, der sich minutenlang an mich klammerte und weinte. Es ist alles schwer zu beschreiben, aber so war es.
Wir hatten jedenfalls eine sehr intensive Lobpreis- und Gebetszeit.

Nun besuchten wir meine Hauswirtin Smava und Jeanné hat ihr berichtet, wie Gott ihren drogensüchtigen Sohn Ruben nach 4 Jahren Terror seinerseits und Gebet ihrerseits, an einem einzigen Tag komplett umgedreht hat.

Dann zeigte ich Jeanné etwas von Thembalethu und wir gingen zu Fuß, um Menschen zu treffen. Zuerst kam eine Frau zu uns, die aus einer Familie stammt, die seit Generationen trinkt und sie sagte, dass alle ihr vorangegangenen Generationen nach eigenen "dumm geboren" sind. Wir haben für sie in ihrem Haus gebetet und von Jesus erzählt.

Bald darauf waren wir eine ganze Weile in einem "Vorgarten" bei 5 betrunkenen Männern, einem Kleinkind und einer Frau. Bald hatte ich nun den deutlich betrunkenen Lawrence im Arm, weil er sich an mich hängte. Lawrence, den ich nie zuvor sah, drückte sein Bedauern darüber aus, dass damals meine Sachen geklaut wurden. Ich kannte ihn wie gesagt nicht, aber er offenbar mich. Ich bekam Bier angeboten und lehnte dankend ab. Dann warf auch Lawrence demonstrativ seine Bierflasch weit von sich.
Wir erzählten von der Liebe Gottes, die Männer lauschten und waren irgendwie weniger betrunken als vorher, meine ich.

Der Knaller kommt aber noch: Wir besuchten den gelähmten Mbulelo (nächste Woche bekommt er seinen ersten Rollstuhl) und Smavas Freundin Noxolo.
Um ein weiteres Ziel zu haben, wollte ich Maria, eine Xhosa-Frau besuchen, die mich mal zu Gebetstreffen einlud, was aber nie klappte. Als wir kurz vor ihrem Haus waren, kam uns ein junger angekiffter Mann mit zwei hübschen Mädchen entgegen. Er war keck-frech, gebärdete sich arrogant und wollte wissen, warum wir hier als Weiße herumlaufen.

Long story short: Wir fanden uns auf dem kleinen geländerlosen Balkon seiner Wohnung im Obergeschoss wieder. Mit 5 jungen Männern und den erwähnten jungen Frauen. Der einzige Fluchtweg, eine schmale Holztreppe, war durch einen der Männer "besetzt". Taktisch betrachtet, sehr ungünstig für uns, dachte ich kurz. Aber egal. Es ging ja nicht ums Taktieren.

Der junge Mann erzählte freimütig, dass er Drogendealer sei und zeigte uns stolz seine beiden Autos im Hof. Andere Prahlereien und Anzüglichkeiten gegenüber Jeanné folgten. Jeanné redete in sein Leben, ich sprach mit 2 anderen, wovon mir einer gleich sein Herz ausschüttete. Irgenwann bot man uns Limonade an.
Wie ging es aus? Am Ende standen wir zu komplett alle Neune Hand-in-Hand auf dem Balkon und beteten zu Jesus, dass Er in unser Leben kommen und es verändern soll. Unfasslich.
Wir gingen irgendwann, wurden aber freundlich aufgefordert, wiederzukommen!

Ich weiß nicht, wie sich Erweckung anfühlt, aber ich glaube, das, was Jesus hier in den Townships macht, ist der Anfang davon.

Jeanné, die Dame aus der Ekklesia-Gemeinde, die mich heute begleitete, hat mich vielleicht in alledem am meisten verblüfft. Als weiße Frau mit mir mitten rein zu gehen, wo die Menschen Jesus am nötigsten haben, ist höchst erstaunlich und nur durch die Liebe Gottes, die in ihr Herz ausgegossen ist (Röm 5,5), zu erklären. Jeanné hat mir erzählt, dass sie am Folgetag unserer Begegnungen im Township beim Eingießen des Morgenkaffees plötzlich dieses starke Mitgefühl für die Townshipbewohner von Gott erhalten hat. Sie will unbedingt wieder dabei sein.
 
Samstag Abend, Gebetsberg über George.
Und zum Abschluss des Tages ging ich mit Angela und Sheila aus Zimbabwe, den Xhosas Schedrach und Bulyani, sowie der afrikaansen Jeanné bis 01.00 Uhr zum Beten auf den Parkplatz eines Berges vor George, auf den Outeniquapass.


Die atemberaubenden Szenerie, die sich uns bot, war genau die, die sich Schedrach in einer Vision einen Tag vor unserer Ankuft bot. Als wir losfuhren erzählte er uns davon, als wir oben waren, sagte er "das ist der Ort, den mir Gott gezeigt hat".


Unser Gebetsort, der Parkplatz auf dem Bild zuvor, lag höher und es war dunkel, so dass man das Lichtermeer der Stadt George sehen konnte. Aber man bekommt einen ungefähren Eindruck des imposanten Blicks.

Das Gebet für die Townships der Stadt, wir haben uns alle zu Beginn im Kreis stehend umarmt, war teilweise so intensiv, dass die Leute (ich wie immer nicht) sich Kraft des Heiligen Geistes teilweise auf dem Boden wiedergefunden haben und geweint haben, weil sie, wie die alten Propheten die Last vom Herzen Gottes mittrugen. Auch krass und nicht mit Worten zu beschreiben. Ich versuche es erst gar nicht.

Sonntag Mittag, Township Silvertown:
Nach dem Gottesdienst am Sonntag Morgen, gab ich erst eine Bibel bei Jappie, einem neuen Gotteskind der ehemaligen Nummernbande ab und traf in dort in Silvertown einige Bekannte. Einer wollte einen Zuschuss zu einem TV, eine andere Dame wünscht sich eine 2-Platten Kochstelle. Mal langsam!

Auch die Mutter des Buben mit dem steifen Bein, für den Ruben gebetet hatte, traf ich. Der Junge kann nun frei laufen, wenn auch noch nicht unbeschwert, aber Heilung fließt und er schiebt sogar seine 6 Monate alte Schwester Antolella (glaube so hieß sie), im Puppenwagen umher!


Die Frau auf dem Foto ist nicht tot, sie ist, wie zuvor beschrieben, lediglich stark betrunken. Ich habe mal Bilder gemacht, eigentlich, um die kleine Antonella und den Bruder abzulichten, die Frau ist halt mit drauf und man bekommt einen Eindruck vom Townshipalltag.


Sonntag Mittag, Township Nu Dawn Park:
Später fuhr ich mit 4 Kindern um Alicia nach Nu Dawn Park und traf dort eine ältere Dame namens Eunice.

Sie war leicht angetrunken und ich betete mit der 15 Jahre alten Alicia in ihrem Haus für sie und gegen die Bindungen, die sie gefangen halten.

Ich weiß nicht, ob ich behaupten kann, dass jedes Gebet sofortige Freisetzung bewirkt, aber mindestens bewirkt es in fast allen Fällen, dass die Menschen erkennbar vom Heiligen Geist berührt werden, deshalb oft anfangen zu weinen, sich an mich klammern und ein Maß an Dankbarkeit entgegenbringen, dass für mir aus meinem bisherigen Leben völlig unbekannt ist. Eunice z.B. sagte, ich solle unbedingt wiederkommen, sie wolle mir Blumen schenken, und, und, und. Aber ich will ja gar nix, sondern ich möchte, dass das Leben für diese Menschen einen Sinn bekommt.

Aber auch sie war eine erstaunliche Frau. Sie hat Jesus laut gepriesen, als ich aufbrach.
Oft wundere ich mich über den vorhandenen Glauben an Gott, der auch in schweren Bedingungen vorhanden ist. Nachfolgend  zwei Fotos aus Eunice' Haus. Schlafzimmergebet, Letztes Abendmahl und "Gott ist Liebe".
Auf dem Foto mit den (für unsere Augen) vielen Kutschutensilien an der Wand fällt mir auf, dass es Dinge sind, die ihre Sehnsucht und ihr Harmoniebedürfnis ausdrücken.


Coloured-Leute, die ich kennenlerne, benutzen fast immer eine Unterwürfigkeitsvokabel mir als weißem Mann gegenüber. Melani ist die Gebräuchlichste bei den Coloureds. Heißt in etwa "Boss". Meine erste Amtshandlung ist also stets, zu verdeutlichen, dass ich nicht "Melani", sondern "Geo" bin. Es dauert eine Weile, bis sie das akzeptieren können, weil es ihren Erfahrungshorizont mit Weißen übersteigt, aber wenn diese Mauer durchbrochen ist, ist viel gewonnen. Mit den Worten fängt alles an.  
Eunice nannte mich gar "Vater", was immer das heißen soll ?!? Hat sie einen katholischen Hintergrund oder was? Zudem ist sie geschätzt einiges älter, als ich. Vieles verstehe ich ehrlich gesagt nicht so gut.

Sonntag Nachmittag, Township Lawaaikamp:
Als wir zu siebt plus ein paar Kinder, von der Ekklesia-Gemeinde im Hof einer netten muslimischen Familie aus Somalia (Arbeitgeber von Sheila) saßen und Hähncheneile vom  Kentucky aßen, lief draußen ein Bekannter vorbei, den ich aus Thembalethu kenne. Ein Xhosa namens John. Er begrüßte mich überschwänglich und flüsterte mir irgendwann scheu etwas von umgerechnet einem Euro für Kippen, die er gerne hätte, ins Ohr.
Gold uns Silber hab`ich nicht, aber auch hier habe ich einen Gebetspartner, nämlich Israel aus Zimbabwe, der zu Besuch bei seiner Schwester Sheila war, losgeeist, und wir haben für John "uff de Gass' gebäd". Da kamen prompt schon wieder Schaulustige ...

Die muslimischen Kinder des Hauses, Muhammad, Ismail und Aisha, die in Lawaaikamp zusätzlich eine Koranschule besuchen, kenne ich und wir verstehen uns sehr gut. Auf nachfolgenden Fotos von letzter Woche kicken wir ein wenig im Hof.


Technik sieht aber anders aus! Ich NULL! Ihr Kindermädchen Sheila hält das Bällchen einhundertmal oben!!!  Es stimmt tatsächlich und ihre Körperhaltung lässt ihr Geschick erahnen.



Nachbemerkung: Wie gesagt, es kann wohl sein, dass das, was ich sehe, die ersten Anzeichen einer Erweckung in den Townships ist, die ich miterleben darf. Die hiesige Ekklesia-Gemeinde betet, wie ich höre, seit ihrer Gründung vor 24 Jahren massiv für Erweckung in George. Zwar gibt es 300 Gemeinden in der Stadt, aber weitgehend sind sie kraftlos und religiös. Ich kenne natürlich nur ein paar wenige Gemeinden, aber mein Eindruck geht in die gleiche Richtung. 

Eigentlich ist es doch so, wie die Bibel es vielmals beschreibt. Paulus merkt in seinem ersten Brief an die Korinther, Kap. 2, 4.5 ebenfalls an:

" ... meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft."  

Das sollte uns doch ein Gradmesser sein, dass Gott die Verkündigung bestätigt.

Der Pastor der Ekklesia erhielt vor längerem den Eindruck, dass es vor der Wiederkunft Jesu noch eine letzte Erweckung geben würde, und zwar eine Erweckung der Liebe.

Als ich das hörte, erinnerte mich das doch stark an meine Schweizer Freunde von der Neuen Reformation der Liebe, die einen Weg außerhalb bekannter Gemeindestrukturen, aber innerhalb von Netzwerken in sehr viel engeren, familienartigen Verbünden ihre Jesusnachfolge leben.

Ob mit oder ohne Gemeinde, ist für mich nicht so sehr die Frage. Die Frage ist vielmehr, wie konkret die Jesusnachfolge Gestalt annimmt. Bekanntlich ist nach 1.Kor 13 die göttliche, die agape-Liebe Gottes das entscheidenste Kriterium, da Gott selbst Liebe ist.

Bloß "Kirche spielen" gilt also nicht :-)


Dienstag, 25. Mai 2010

Weitere Kinder Gottes in Silvertown!

Heute folgten wir der Einladung von Mandy aus Silvertown, die sie vergangenen Sonntagmittag ausgesprochen hatte, zu einem Gottesdienst in ihre Hütte zu kommen.

Also kamen "wir". Wir, das waren Jeanné, ihr Sohn Ruben und dessen jüngerer Bruder Joshua (16), genauso entschieden und feurig, wie sein 2 Jahre älterer Bruder. Auch er setzte zum ersten Mal seinen Fuß in ein Township.

Bevor wir um 17.45 Uhr in das kleine Silvertown einfuhren, beteten wir im Auto und Gott war mit uns, das war deutlich zu spüren.

Ich habe Sami zuhause abgeholt und so sind wir dann umhergegangen und haben die Leute, die wir trafen, zu Mandys Hütte zur Evangeliumsverkündigung eingeladen.
Das Meiste hat dieser Ruben gemacht. Der Kerl ist furchtlos-offen und liebenswert direkt.

Die Szenerie im Dunkeln ist schon etwas sehr spezielles: Überall stehen oder sitzen  dunkel gekleidete Menschen vor ihren Hütten an verdellerten Blecheimern mit Löchern und wärmen sich an Feuern. Das ist wirklich ein Filmmotiv!

Strom gab es also keinen, so fiel die Lobpreiszeit aus und meine mitgebrachte CD blieb im Rucksack. Wir standen im unangenehmen Nieselregen vor einer Hütte und Ruben hat angefangen, die Gute Nachricht vom Reich Gottes in Freimütigkeit auf afrikaans zu predigen.
Daraufhin haben David und Manatschi ihr Leben Jesus gegeben.

Es kamen dann immer wieder neue Leute hinzu und so waren auch Melvin, Adam, Zulu, und ein paar andere Männer und Frauen, deren Namen ich nicht kenne, willens, ihr Leben Jesus anzuvertrauen.

Ich zitiere nachfolgend meinen eigenen Blogeintrag vom 9. April 2010:

"Mittlerweile ist alles egal, ich bin für meine Freunde, die Jesus nicht kennen, garantiert schon seit einigen Blogeinträgen ein durchgeknallter Spinner. Also kann ich auch noch sagen, dass ich dieses Foto von Wes und Spoony nicht mit trockenen Augen betrachten kann! Ich habe im Geist schon gesehen, dass Jesus sie retten wird."

Spoony heißt eigentlich Alicia und ist "schon" seit 6 Wochen Kind Gottes.
Heute habe ich den achtzehn Jahre alten Wes gefragt. "Ja!" hat auch er zu Jesus gesagt und mit Ruben gebetet.

Genau wie Steven, den ich auf dem Herzen hatte, der aber nicht anwesend war. Er ist stets devot freundlich zu mir, hat sich aber oft abgeduckt, wenn er mich sah. So, als wollte er sich vor der Entscheidung drücken. Aber ich dachte, dass er heute dran ist. Ich ließ ihn von einem freundlichen Townshipbewohner herbeiholen und auch er traf eine Entscheidung für Gott.

Ich hatte dann noch Sami und Manatschi für die Taufe im Heiligen Geist auf dem Herzen und sie begannen nach einer kurzen Erläuterung und unserem Gebet in Sprachen zu beten. Ach, mein Sami!
Die Mutter von Mandy wurde stark vom Heiligen Geist ergriffen und bekann ebenfalls sofort, in Sprachen zu beten.

Dann haben wir "auf Anfrage" des Vaters, das 3 Wochen alte Baby von Adam gesegnet und Gott geweiht. Ebenso Adams Ehe. Auch hier habe ich den Heiligen Geist stark wahrgenommen. Ich nehme an, dass das eine Bestätigung bedeutet. Jedenfalls ist auch dieses Gebet gewiss angekommen.

Nun haben wir eine ganze Zeitlang mit den alten und neuen Gotteskindern im Kreis um ein im Blecheimer entzündetes Feuer gestanden, geklatscht und gesungen. Mangels gemeinsamem Liedrepertoire und fehlender musikalischer Begleitung bestanden sowohl Refrain, als auch Strophe im wesentlichen aus "Jesus" :-)

Ich hatte auch die 4 neuen Brüder von der Nummerngang auf dem Herzen, aber die waren heute durchweg abwesend.

Wir haben beschlossen, am Samstag um 10.00 Uhr wieder zum Gottesdienst nach Silvertown zu kommen. Eigens für die ehemaligen Angehörigen der Nummerngang ...