Church building / Kirchengebäude in Thembalethu

... God has chosen the weak things of the world to confound the things which are mighty; And base things of the world, and things which are despised, has God chosen ... (1Cor 1:27.28) p>p>p>

Sonntag, 11. April 2010

"Spoony von der Müllkippe" gibt ihr Leben Jesus. Ahnenkult.

Pünktlich um 8.50 Uhr, war ich in Silvertown, um Sami und Wes für den Gottesdienst abzuholen. Als ich in der Nähe des Autos auf Sami wartete, war ich von vielen Betrunkenen umgeben (nicht mal 9.00 Uhr morgens). Ein Mann hat seiner Frau -beide betrunken- derart schallend eine geknallt, dass sie zu Boden ging. Kein Schrei der Frau. Sie hat es hingenommen und hatte ein paar Sekunden später ihr Kleinkind auf dem Arm.

Wes war nicht aufzufinden, also fuhr ich allein mit Sami nach Gwaing, nahe der Müllkippe gelegen, um Spoony wie verabredet aufzunehmen.

(Silvertown)

Dort angekommen, war sie noch nicht fertig angezogen. Aus den drei abbruchreifen Häuschen der Mini-Ansiedlung kamen auf einmal einige Männer (fünf, glaube ich), die teilweise zugedröhnt waren, zu meinem Auto. Am ganzen Körper tätowiert, z.T. massive Zahnprobleme und insgesamt sehr wenig vertrauenserweckend, um das Geringste zu sagen. Ich versuchte daher, mein Handy unauffällig in Sicherheit zu bringen und ließ es unter den Autositz gleiten.

Der erste (ich kannte keinen der Männer), sprach mich mit "Pastor" an. Es stimmte also, was Sami unlängst erzählt hatte. 
Egal, Pastor oder nicht, ich habe den Anwesenden von Jesus erzählt. Nicht nur kurz. Halb englisch, halb afrikaans. Sami stimmte mit ein und gab die gleichlautende Botschaft an die Männer weiter.
Sagt doch anschließend der Wortführer Steven, ein Sotho, sehr ernsthaft zu mir, "wir wollen auch mit dir kommen, aber nicht heute".
Das hat mir etwas gezeigt. Spoony muss ihnen etwas erzählt haben. Die kannten mich, bevor ich sie kennenlernte. Sie waren aus Neugier zu mir gekommen, um den Freak live zu sehen. Erstaunlich!

Spoony (sie ist 16, nicht 14) kam mit ihrer 9 Jahre alten Schwester Totoresia zum Auto und so fuhren wir 4 in den Gottesdienst. Sie erzählte, dass sie eigentlich heute früh nicht mitkommen wollte. Aber nachdem sie das Haus in der Frühe rechtzeitig saubergemacht hätte, sei sie nun doch bereit. 

Sami ist dermaßen happy, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kein Vergleich zwischen unserer ersten Begegnung und heute. Er hat gelacht, geklatscht (immer gegen den Takt :-) ). Sagenhaft. Da stehen wir also Arm in Arm im Gottesdienst und freuen uns.

Spoony und ihre kleine Schwester konnte ich nicht einschätzen. Die Predigt ging über das Vertrauen in Gott und war, wie ich fand, eine Botschaft für "Fortgeschrittene". Feste Speise und keine Milch.
Zwischendurch klatschten immer mal ein paar Leute bei einer biblischen Wahrheit. In einer Situation hat es mir aber die Sprache verschlagen. Als der Pastor sagte "His Grace is sufficient" - Allein Seine Gnade genügt, da klatscht das kleine Mädchen plötzlich enthusiastisch los. Wie bitte? Eine Kernbotschaft der Bibel, mit dem ein Großteil der Christenmenschen hadert und lieber auf sich selbst vertrauen möchte, wird derart von einem "Slumkind" kommentiert?
 
Diesmal gingen Sheila aus Zimbabwe und eine andere Dame direkt neben den beiden Kindern durch die Wirkung des Heiligen Geistes (als einzige im Raum) zu Boden. Ich halte da immer die Luft an und frage mich, was die wohl denken, wo sie hier hingeraten sind. Diesen Gedanken lasse ich aber gleich wieder los, weil das Gottes Verantwortung ist, nicht meine. Jedenfalls war es für die Kinder keine Erwähnung wert.

Später, nachdem der Pastor gegen Ende des Gottesdienstes das Evangelium erklärte und einen Aufruf machte, ist Spoony nach vorne gegangen, und hat ihr Leben Jesus gegeben. Hallelujah.
Ich hatte das ja im Geiste vorgestern auf dem Rad schon gesehen, aber ich wusste keine Zeit. Wesley, der heute nicht mit dabei war, wird es auch tun. Früher oder später.

Nach dem Gottesdienst fuhren wir zum Kentucky, hatten Hähnchen, Pommes, Cola und Eis für die Kinder.

(v.l.n.r.: Angela und Sheila aus Zimbabwe, Spooney, Totoresia, Sami)


Nachdem wir Sami und die Kinder nach Hause fuhren, nahm ich die Damen aus Zimbabwe zu Smava mit nach Hause zum Kaffeetrinken. Ich hatte gestern einen Kuchen besorgt und so redeten wir. Gerade kam Smava aus dem Gottesdienst aus ihrer röm.-kath.-Kirche mit ihrer Gebetsuniform.


Man könnte ja theologisch diskutieren, aber die beiden Frauen aus Zimbabwe haben Größe gezeigt und keine Silbe über Katholizismus und Gebetsuniform verloren. Keinerlei Besserwisserei. Das ist genau das, was ich (glaube ich) auch gelernt habe. Gott machen lassen! Sie waren einfach sehr herzlich und lieb zu ihr. Smava hat die beiden ebenfalls in ihr Herz geschlossen.

Apopros Gott machen lassen. Ich hatte unlängst das Thema Ahnenkult bei Smava, sie aber nicht unter Druck gesetzt. Ich dachte mir, dass Gott einen Weg finden wird, Smava das Problem nahezubringen. Aber so schnell?
Denn heute gaben Angela und Sheila jeweils ein Zeugnis über das Wirken Gottes in ihrem Leben ab. Bedauerlich, dass da keine Videokamera mitlief. Granatenmäßg!
Beide Schwarzafrikanerinnen kommen aus Familien mit massiven okkulten Bindungen. Sheilas Mutter ist eine Sangoma . Eine Medizinfrau, im Ahnenkult verhaftet, die auch mit Flüchen und anderen okkulten Praktiken arbeitet. Angelas Schwiegereltern sind ebenfalls in Hexerei und Ahnenkulten aktiv. Mit dramatischen Auswirkungen. Die beiden haben über 3 Stunden erzählt. In alledem: atemberaubendes Wirken  Gottes (unabhängig voneinander) in diesen beiden jungen Leben.

Das war gegenüber Smava sehr viel mehr wert, als meine westlichen Ermahnungen mit Fingerzeig auf die Bibelstellen. Und wow, was brennen diese beiden aus Zimbabwe für Jesus. Ein bedingungsloses Vertrauen auf Gott. Bedingunglos! Ich Weichei!

Smavas Nichte Ava (16) und Neffe Wami (11),  haben Teile der Zeugnisse mitbekommen und wollen nächste Woche mit in den Gottesdienst.


Angela, Sheila und ich waren dann in Thembalethu spazieren (wieder mit guten Begegnungen) und sind anschließend mit Smava in den 19.00 Uhr Gottesdienst gefahren. Dann noch schnell etwas in den Blog geschrieben und ein langer, gesegneter Tag geht zu Ende.

Eins ist sicher (nein Nobby, nicht die Rente)!

Sicher ist: mit dem lebendigen Gott auf du und du unterwegs zu sein, ist das Spannendste, was man erleben kann. Ich habe manches gesehen, aber nichts kommt dem annähernd gleich.

"Und Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes." (Offb 1, 17.18)

Samstag, 10. April 2010

Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen - Bitte!

Heute war ich mit dem Rad unterwegs. War mit Mark, der materiell "alles hatte - und alles verlor", verabredet. Er war mit seinem Sohn Joshua wieder wegen einer relativen Kleinigkeit die 6,5 Stunden nach George gelaufen. Wir haben uns über die Frage unterhalten, warum einerseits Christen leiden und andererseits so wenig Unterstützung aus den "eigenen Reihen" kommt. Wir hatten eine gute gemeinsame Zeit.

Später fuhr ich zum äußersten Südost-Zipfel von Tembalethu in Meeresnähe (etwa 5 km von mir entfernt), um eine berühmte Xhosa-Gemeinde, die in einem großen Zelt von Freitag bis Sonntag Gottesdienst feiert, in Augenschein zu nehmen. Kirche war gerade nicht, aber ich hatte wieder ein paar sehr positive Begegnungen und ich wünsche mir sehr, dass ich die Sprache sehr viel besser sprechen könnte und über das woher und wohin hinauskomme oder auf die Englischkenntnisse meines Gegenübers angewiesen zu sein. Aber von nix kommt nix!
Mein Lehrbuch, in das ich viel zu wenig hineinschaue, lehrt offensichtlich die Hochsprache. Smava sagte, als sie die Dialoge in dem Buch anschaute, dass hier keiner so reden würde. Sie kennt die Dialoge nicht mal von ihrer Heimat, dem Ostkap. Na prima. Und jetzt?
Auf den Schreck möchte in den Teppich nicht kaufen - Bitte!



Ich hatte dann wieder das Video "GO" von Jackie Pullinger beeindruckt angesehen und eine Mail von Bill aus Australien gelesen. Bill versendet regelmäßig e-Mails seiner meist gewinnbringenden Gedanken über das Christsein und stellt auch manch Hergebrachtes in Frage. Man kann sich bei Interesse auf seine Mailverteilerliste setzen lassen. Mailadresse: bill1949@iinet.net.au

Plötzlich hatte ich, als ich seine aktuelle Mail las, den Eindruck, dass ich die Menschen bei Allbrick besuchen sollte. Bei Allbrick handelt es sich um ein Ziegelsteinwerk am Ende der Straße, in der ich wohne.


Diese Straße, die sowohl Allbrick, als auch mich beheimatet, ist offensichtlich besonders gesegnet, denn über der Hinweistafel findet sich die zutreffende, aber doch überraschende Aufschrift "JESUS IST KÖNIG".


Bei Allbrick hängen am Wochenende immer Leute ab, grölen und saufen. Wem das nicht abstoßend genug ist, der fühlt sich spätestens durch die 3 sich aggressiv gebärdenden, kniehohen Hunde abgehalten, Kontakt zu suchen.
Mittags hatten mich die Hunde schon auf dem Rad gejagt, als ich nur in die Nähe kam, jetzt ging ich also freiwillig zu Fuß hin.

Exkurs: Ich habe hier eine alte Lebensweisheit schon ein paar Mal bestätigt gefunden: "Angriff ist die beste Verteidigung". 
Genauso, wie ich manchmal in Thembalethu die Straßenseite wechsele und zu den Pulks vor den taverns hingehe und die Leute begrüße, statt davon ängstlich wegzugehen. So ist es mir diese Woche schon passiert, als ich zu einem Pulk mit lauter Unbekannten hinging, dass mich prompt einer fragte, ob ich ihm 2 Rand (20Cent) leihen könnte. Ich gab mit einem gut eingeübten und daher sicher angewandten: "Uxolo bhuti, andina mali" freundlich zu verstehen, dass ich leider kein Geld bei mir habe. Damit war ich bei den Jungs der Held :-), wir haben alle herzlich gelacht und keiner wollte nur einen Cent von mir. Exkurs Ende.

Ich wurde bei AllBricks herbei gewinkt und sehr freundlich begrüßt (die Hunde waren jetzt zahm) und mir wurde der beste Sitzplatz auf einer zerbrochenen Plastik-Obstkiste angeboten. Anwesend waren 2 uralte afrikaanssprachige Frauen, 3 afrikaanssprachige Männer, 1 Xhosa-Mann und ein etwa 2 Jahre alter Junge. Man war allenthalben mittelstark vom Alkoholkonsum gezeichnet. Alles eine Familie. Jetzt saß ich da mittendrin.

Plötzlich traute ich meinen Augen nicht. Die uralte Frau ohne Oberkieferzähne, gab dem 2-jährigen Bub die Brust. Das heißt ja wohl, sie kann kalendarisch nicht so uralt sein?!?

Der Xhosa-Mann hieß Moses und redete ziemlich redselig in isiXhosa auf mich ein. Er verstand aber afrikaans, denn die "alte" Coloured-Frau war seine Gattin und Mutter seiner 4 Kinder. Irgendwann habe ich dann auf afrikaans erzählt, dass Moses ein "guter Mann war, der im Namen Gottes die Gefangenen befreit hat". Als der Mann mich unterbrechen wollte, rief ihm seine "alte" Frau zu: "Luister!", d.h. "hör zu!" und ich konnte meine sehr kurze Geschichte über seinen berühmten Namensvetter fertig erzählen.

(Foto oben zeigt das Heim der 6-köpfigen Familie von Moses nebst Hunden)

Einzig Samuel war über meine Anwesenheit zunächst nicht begeistert."Was macht der Weiße hier?". Nach sehr kurzer Zeit war es aber o.k., besonders, als er herausfand, dass wir einen gemeinsamen Bekannten in Pacaltsdorp haben, und dass er sogar -wie ich- Spoony von der Müllkippe kennt (!!!). 

Quentin, der ca. 28 Jahre alte Sohn vom dicken Henry, lud mich ein, ihr Häuschen zu besichtigen. Er führte mir seine Stereoanlage mit riesigen Boxen vor. Ein naiv wirkender, superfreundlicher,  liebenswerter junger Mann. So ein nettes Wesen hatte der! Mit dem ist irgendwas, das mich sehr anzieht. Der hat mich behandelt, wie einen alten Freund.
Er sprach darüber, dass der letzte Woche von Schwarzen ermordete weiße Rechtsextremist Eugène Terre’Blanche gestern beerdigt worden sei, und dass Morden nicht gut wäre.
Als ich sah, dass ein "Schlafzimmergebet" an der Wand angebracht ist, exakt das gleiche, das auch in Smavas Haus hängt, hatte ich einen schönen Anknüpfungspunkt, mit dem ich seinen Gedanken erwidern konnte. Satz 1 handelt nämlich von der Liebe Gottes. Wieder ein sehr kurzer Input meinerseits und ich verabschiedete mich von allen. Allenthalben Freundlichkeit.
Die Hunde blieben übrigens friedlich-freundlich.

Weisungsgemäß  knapp vor Einbruch der Dunkelheit zuhause angekommen (Smava ist immer um meine Sicherheit besorgt), begegnete mir Lwazi. Er ist unter der Woche ziemlich still, reserviert und lacht wenig/nicht. Am Wochenende, wenn er getrunken hat, wird er gutgelaunt und offen. So hat er mich heute wieder, als er mich sah, lange umarmt, mir gesagt, dass ich zur Familie gehöre und ungefragt angekündigt, dass er sich ändern wird. Erstaunlich, denn ich habe ihn nie unter Druck gesetzt. Übrigens auch keine Vorwürfe gemacht oder ihn ob seiner Sucht verächtlich behandelt. Habe ihm Hilfe angeboten und erwidert, dass er allein von der Sucht nicht loskommt (er empfindet sich als nicht süchtig).

Was ist meine heutige Botschaft für mich selbst? Es scheint so zu sein, dass Gott mir ein Herz für diese Menschen gibt oder schon gegeben hat. Ich denke keine Sekunde daran, dass sie unter meiner Würde oder  unter meinem Niveau wären.  
Würde ist für alle Menschen gleich. Gott sieht die Person nicht an; ihm sind sie alle gleich wertvoll.
Niveau ist etwas, was ich erlerne und das sehr eng mit meinen Lebensumständen, meiner Sozialisation in Zusammenhang steht. Dazu kann ich nur bedingt selbst beitragen. Somit kann es keinen Raum für Überheblichkeit geben.
So frage ich mich, wie es mir ergangen wäre, hätte ich in Thembalethu oder einem vergleichbaren Ort die Dunkelheit der Welt erblickt.

Außerdem denke ich an die christlichen Aktivitäten, die "Outreaches" und "Crusades", die Gemeinden auch hie und da an einem offenen Platz am Eingang von Thembalethu mit Lautsprecheranlage und feurigem Aufruf organisieren. Ich sage nicht, dass das schlecht ist, keineswegs.
Aber bestimmte Menschen lassen sich damit nicht erreichen, vermute ich. Sie werden dort nicht zu finden sein. Die muss man wahrscheinlich dort abholen, wo sie sind.

Freitag, 9. April 2010

Schönwetterfußballer

Früher beim Kicken gab es unter anderem den Typus des stets adrett gekleideten und ge-gelten Spielers, bevorzugt selbsternannter Träger der Rückennummer 10, nicht besonders einsatzfreudig, ballverliebt und bei  - wie auch immer geartetem - Schlechtwetter, grundsätzlich abwesend. Schönwetterfußballer, eben.

Heute stand ich vor der Schwierigkeit, dass der Nissan wegen technischer Mängel zu schonen ist, es draußen aber eklig stürmte und genauso eklig nieselte. Also hatte ich die Wahl, das Fahrrad für die 45-minütige Fahrt zur Müllkippe zu nutzen, oder ...?

Die Tageslosung aus Psalm 104, 27.28 für heute, Freitag, 9. April 2010, lautete:

"Sie alle warten auf dich, dass du ihnen ihre Speise gibst zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt".

Das ist doch nicht zu fassen. Das kann man nicht erfinden, so was.

Also machte ich mich mit Wurstbroten und Obst auf die Reise.

Da ich ja mit dem Rad die Autobahn nicht benutzen kann und Hauptstraßen meiden wollte, musste ich nach einer alternativen Route Ausschau halten. Prompt verfing ich mich in unbeschilderten Sackgassen des Gewerbegebietes von Pacaltsdorp und war zwischen Eisenbahngleisen und Autobahn eingesperrt. Kehrt, Marsch!

Foto stammt vom Rückweg vor der Durchfahrt der einzigen Autobahnunterführung weit und breit. 


Kaum war diese Hürde (mittlerweile war ich ohnedies pitschnass) genommen, lauerte nicht mal 5 Minuten später, die nächste auf mich.
Unser Schönwetterkicker wäre wohl in Tränen ausgebrochen und hätte die Geltube in die Ecke geschmissen. Aber jetzt war mir (fast) alles egal und es gab kein Zurück mehr.


Als ich auf dem Hinweg zur Müllkippe das Rad wegen des Windes mal schieben musste, die Autos an mir vorbeibrausten und kein Stückchen Stoff mehr an mir trocken war, da dachte ich mir, dass das ja alles sein Gutes hat. Dass nämlich die Leute von der Müllkippe merken, dass ich heute kein Schönwetterkicker bin und es ernst mit ihnen meine bzw. es Jesus ernst mit ihnen meint. Wie man es auch sehen will. Ich habe die Fahrt dann nicht negativ erlebt, obwohl sie objektiv unschön war.

Sei's drum. Auf der Müllkippe war wegen des Windes und des Regens wenig los. Sami war richtig glücklich und hat (aus-)gestrahlt. Sein erstes Wort auf meine Frage, wie es ihm gehe, war Hallelujah - Praise Jesus! Das allein war die Regenfahrt schon wert.
Wir hatten uns wieder im Arm, und jetzt: Ich tat ihm leid, wie ich da total durchnässt auf der Müllkippe mit meinem Rädchen stand. Das ist doch süß! Verkehrte Welt?!

Von den relativ wenigen Leuten waren aber immerhin die Hauptpersonen des heutigen Tages, die Jugendlichen Spoony und Wesley anwesend. Beide waren mir gegenüber wieder sehr offen. Beide hatte ich ja schon mal vor 14 Tagen wegen eines gemeinsamen Gottesdienstbesuches in der Ekklesia-Gemeinde angesprochen. Gleiches tat auch Sami. Heute haben beide für den kommenden Sonntag zugesagt.
Ich rechne damit, dass die beiden merken, dass sie willkommen sind, wie sie sind. Auch ohne neue Klamotten. Mindestens bei mir, bei Sheila und Angela aus Zimbabwe und sicher bei sehr vielen anderen in der Gemeinde ebenfalls.
Nicht zuletzt weiß ich, dass sie bei Gott willkommen sind und so rechne ich damit, dass Er sie berühren wird.

Besonders weiß ich es, seit ich auf dem Heimweg heute für ein paar Sekunden im Gebet für die Beiden den Eindruck hatte, mit Jesu' Herz komplett in Einklang zu sein. Jesus liebt die Menschen so sehr, ich konnte schon wieder für ein paar Momente nicht laut weiterbeten. Die klare Stimme hat mir versagt und ich habe Geschrien für dieses Mädchen und den drogensüchtigen Jungen. Das fühlt sich irgendwo zwischen Schmerz Gottes und Liebe Gottes an.
Da es kein emotionales Ereignis ist, sondern ein geistliches, fehlen auch die Vergleichsmöglichkeiten aus der "normalen" Erlebniswelt. Wie gesagt, etwa Schmerz und Liebe zugleich.

Das hatte ich letztes Jahr schon zweimal, zum einen im Zusammenhang mit Leuten aus meiner Gemeinde in Deutschland und  dann noch mal mit einer jungen Frau aus offensichtlich bildungsfernem Haushalt, wie es heutzutage politisch korrekt  heißt.

Spoony und Wesley (Wes)

Spoony lacht, aber sie hat geschlottert, denn sie war durchnässt und es war windig und kalt. Sie trug eine Art FlipFlops und verschiedenfarbige Socken dazu.

Mittlerweile ist alles egal, ich bin für meine Freunde, die Jesus nicht kennen, garantiert schon seit einigen Blogeinträgen ein durchgeknallter Spinner. Also kann ich auch noch sagen, dass ich dieses Foto von Wes und Spoony nicht mit trocken Augen betrachten kann! Ich habe im Geist schon gesehen, dass Jesus sie retten wird.

Auf dem Fahrrad war ich auf dem Lobpreis-Nachhauseweg wieder in allerbester, regelrecht beflügelter Stimmung. Ich dachte an das Psalmwort aus der Tageslosung, an meine Sandwiches und an Jesus, der ja die wahre Speise, das wahre Brot des Lebens ist.


Auch hat mich auf der Rückfahrt das etwas rockige Lied "The Word is Alive" von den Casting Crowns bewegt.

Bei folgender Textpassage fällt mir wieder mal auf, wie schade es ist, dass nicht alle die Augen weit aufmachen, und sich von Gott wahres Leben einhauchen lassen.

Mit weit geöffneten Augen würden alle sehen
With eyes wide open, all would see
Das Wort lebt
The Word is alive  
Und es schneidet wie ein Schwert durch die Dunkelheit
And it cuts like a sword through the darkness  
Mit einer Botschaft des Lebens für die Hoffnungslosen und Verängstigten
With a message of life to the hopeless and afraid 
All denen Leben einhauchend, die glauben
Breathing life into all who believe 
Das Wort lebt
The Word is alive  
Und die Welt mit ihren Herrlichkeiten wird verschwinden
And the world and its glories will fade
Aber Seine Wahrheit, sie wird nicht vergehen
But His truth, it will not pass away 
Sie bleibt gestern und in Ewigkeit die Gleiche
It remains yesterday and forever the same 


Nun, wer das liest, lebt, und hat daher noch Entscheidungsraum.
Sowohl der, der gar nicht glaubt, als auch derjenige, der schon Christ ist, aber Jesus noch nicht kennengelernt hat.


Daher gilt: Augen auf  im Straßenverkehr (des Lebens).

Das riet uns schon Egon Hoegen im 7.Sinn! :-)




Als ich dann mit dem Rad (mittlerweile halbwegs durch den Fahrtwind getrocknet), nach Thembalethu, Zone 9, kam, hatte ich noch Brote und Birnen übrig, die ich an Kinder verteilte. Ich wundere mich immer aufs Neue, wo diese vielen, vielen kleinen Kinder herkommen.
Außerdem hatte ich gute Begegnungen mit zwei erwachsenen Männern.

Dort, ebenfalls in Zone 9, begegneten mir auf einem Müllplatz einige der gestern von Hunden verscheuchten Ferkel.
Darf man diese Burschen heutzutage eigentlich guten Gewissens Dreckschweine nennen, oder was sieht die political correctness hier vor? "Landwirtschaftliche Nutztiere in nicht artgerechtem, unhygienischem Lebensraum", vielleicht?


Ich jedenfalls war kein solches Ferkel und habe mich sogleich artgerecht geduscht. (Brrr!)

Ende. Vorläufig.





Donnerstag, 8. April 2010

Auf dem Weg. Religion, nein danke.

Heute war ich allein unterwegs in Zone 9, einem für mich unbekannten Gebiet in Thembalethu. Ich treffe 100 Menschen, lächele sie aktiv an und grüße sie. Höchstens 2-3 davon behalten ein grimmiges Gesicht bei.
Hie und da lasse ich mit Jugendlichen auch mal das Bällchen auf der Straße laufen. 

Meine Vermieterin glaubt das ja kaum, ist stets um meine Sicherheit besorgt, und so habe ich heute den Vorschlag unterbreitet, dass sie mal mit mir gehen soll, aber 20 Meter hinter mir. Dann sieht sie es selbst.  

In einem Fall habe ich mich mit einer Gruppe von ca. 10 mir unbekannten Kindern (3-12 Jahre alt) "unterhalten". Irgendwann kam unvermittelt die Frage eines älteren Mädchens auf englisch "What are you doing for the church?". Kinder fragen so anders. Ich habe "Ndithanda uYesu" gesagt, "ich liebe Jesus". Ich wusste keine andere Antwort. Nach ein bisschen hin und her, ich outete mich als Deutscher, baten sie mich, ein Lied zu singen. Ich sang von Peter Strauch eine Strophe aus "Jesus, wir sehen auf dich".  (Ja, ich bin wohl erschreckend eindimensional! :-)). Die fanden das aber gut. Dann habe ich die Strophe übersetzt und bin bald darauf weitergezogen. Keine Theologie verkauft, kein Bibelzitat platziert. Kein Übergabegebet auf der Straße abgerungen. Nichts war, außer einer guten gemeinsamen Zeit (wie andernorts heute ebenfalls).
 
Abgesehen von der praktischen Seite, stelle mich ja dabei durchaus selbst in Frage. Wie ich so als Freak durch den geistlichen Orbit schwebe. Möglicherweise an allerlei Dingen vorbei, die in evangelikalen Kreisen allgemein "anerkannt" sind.

Wir Menschen (ich auch!) neigen zu schematischen, organisierten, religiösen Aktivitäten, bei denen wir die Kontrolle über das Geschehen behalten. Das gilt auch für so manche bekennende"Religion, nein danke"-Gemeinde in der protestantischen Glaubenslandschaft.  Wie sagte Steve Gray von der WRC Kansas City in einer Predigt zutreffend:

"Religion klebt an uns wie Honig. Es ist sehr schwer, sie loszuwerden."

Sich bewusst zu sein, dass dieses eklig-klebrige Zeugs an uns haftet und immer wieder neu anhaften will, ist  eine wichtige Erkenntnis. Ich bin versucht zu sagen: Alles, was nichts mit der Gemeinschaft, mit der Beziehung zu Gott zu tun hat, ist unnütz, weil aus dem Fleisch geborene Religion. Jesus sagt aber, dass Gott Geist ist und daher die Anbeter ihn ebenfalls im Geist und in der Wahrheit anbeten müssen (Joh 4,24). Nur dort, in Seiner Nähe, ist wirkliche Liebe, Friede, Freude, Annahme und innere Heilung zu erleben.

Daher bin ich sehr froh für eine Handvoll enger Gefährten, die an unterschiedlichen Orten auf dem gleichen spannenden Weg mit Jesus sind. Weitgehend ohne religiöse Ambitionen, suchen auch sie das Herz Gottes und sind daher eine immense Bestätigung. Sie (und ich) möchten mehr und mehr Gott kennen lernen, denn Gott ist Gott, und nicht das, was Religion aus ihm machen möchte.

In die gleiche Richtung geht der Artikel auf einer Homepage die mir diese Freunde zukommen ließen, von der ich den nachstehenden Text und das Bild unverändert übernommen habe.
Der Autor, Lobpreisleiter bei der Jesus! Gemeinde Rinteln, spricht mir 1:1 aus dem Herzen! Das Geschriebene könnte also den Gedanken nach von mir sein. Deshalb findet sich der Artikel auf meinem Blog:

Vom Autor des Textes stammt eines der besten deutschsprachigen Lieder (finden einige Freunde und ich). Es ist hier kostenlos downzuloaden!  Zu "Löwe & Lamm", nach unten scrollen.



‚Wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt
und wenige sind es, die ihn finden.’
Jesus Christus
 
Wie viele sind auch wir lange Jahre auf der breiten Straße der religiösen Geschäftigkeit unterwegs gewesen ( Matthäus 7, 13-23 ) statt den schmalen Pfad der ganz persönlichen Pilgerreise zu beschreiten, der uns in eine echte Beziehung mit Gott selber führt. Trotz aller Aktivitäten im Namen des Herrn wurden unsere Herzen erschöpft, verwundet, trotzig und verzagt und doch voll Sehnsucht nach einer heilsamen Erfüllung, die nur Gott selber geben kann und nach einem Ort, wo ER mit uns zu Hause ist - mitten im Herz.

Auf der Suche nach echtem Leben sind wir zuvor in verschiedenen geistlichen Ländern gewesen:

Die ersten Jahre unseres christlichen Weges verbrachten wir in Landes-kirchistan und wurden von ‚Tradition, Theologie & Taufurkunde’ geprägt, auf der Suche nach mehr von Gott wanderten wir weiter nach Evangelikalien, wo wir ‚Bekehren, Beten & Bekennen’ kennen lernten. Dann begeisterte uns die Erlebniswelt von Charismerika mit ‚Prediger!Power!Positionen!’ ;o)

Jedes dieser Länder hat seine eigene Kultur, Gesetze und prägenden Gewohnheiten, an die man sich anpassen muss, um dazu zu gehören.

Für eine Zeitlang war es gut dort zu sein. Wir durften vieles lernen, probieren und erleben. Gott berührte uns auch in diesen Ländern der Religion. Doch dann schauten wir in die Abgründe unserer Seele und mussten feststellen, dass wir von Menschen, Menschenfurcht und ,guten Absichten’ bestimmt wurden und nur selten von Gott.

Religion macht künstlich

Tief im Herzen erleben auch andere Christen ihre Freude als aufgesetzt und angeschminkt. Das geistliche Leben ist künstlich geworden und nicht mehr echt. Wir folgen mit Sehnsucht nach Anerkennung dem religiösen Erfolg statt Jesus zu folgen. Nachdem wir von Konferenz-Highlight zum Event-Power-Gottesdienst geeilt waren, von Kraft zu Kraft, von Sieg zu Sieg, begegnete uns Gott . . . in der Niederlage. Als wir uns entkräftet niederlegten, zeigte Er uns, dass seine Kraft erst in den Schwachen mächtig wird. Durch diese oft demütigenden Prozesse weist Gott uns an die echte Quelle seiner Gnade, die wir erst im Zerbruch unserer eigenen Stärke erkennen können.

Echt werden

Wir sind auf krummen Wegen erschöpft worden, aber ohne diese Wege hätten wir auch manche wertvolle Ent-Täuschung verpasst, die der Vater seinen Kindern zumutet, damit sie die Wahrheit auf dem Weg des Lebens von der Täuschung unterscheiden lernen. Er führt uns durch Bedrängnisse und in Entwicklungsprozesse, die den Charakter unserer Seele in Gottes Vorbild verändern können. So werden unsere krummen Wege aus einer himmlischen Sicht am Ende doch gerade - weil Er uns liebt.

Wir dürfen mit Gott auf dem ganz persönlichen originellen LebensWeg sein. Unser Leben ist kein Zufall, sondern einzigartig. In der Bibel finden wir viele Beispiele von anderen Gottsuchern und ihren ‚komischen-krummen’ Karrieren, Menschen mit denen Gott Geschichte(n) schrieb.

Der JesusWeg

Weil Jesus als der befreiende Retter selber der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, welches zum Himmlischen Vater führt, kam es zur Auferstehung des göttlichen Lebens und zur Freisetzung der größten Macht des Universums - nicht in Tempeln und Gotteshäusern, sondern in den Herzen von kleinen Männern & Frauen: Gott ist Liebe! Diese wahre Liebe Gottes ist der Grund des neuen Weges, der uns in eine befreite Beziehung mit unserem himmlischen Vater und untereinander führt.
( Korinther 12.31 / 13 )

Auch unsere kleinen Geschichten sind große Geschichten für unseren Papa im Himmel. Stell dir vor du könntest einen Blick in sein Fotoalbum mit den göttlichen Momente deines Lebens werfen. Was uns in der Welt groß und wichtig erscheint, ist in Gottes Augen nichts wert. Wir selber sind seine Schätze und Er möchte unser Schatz sein.

Wenn Du erschöpft von religiösen Werken bist oder auf der Suche nach echtem Leben bist,kannst Du Dein Herz vor Gott ausschütten und Ihn suchen. Die Bibel gibt uns mit dem Heiligen Geist inspirierende Weg-Weisungen :

‚Bist Du müde, erschöpft und ausgebrannt von Religion ?
Komm da weg mit mir und Du wirst dein Leben entdecken.
Ich werde Dir zeigen, wie man Ruhe findet.
Wandere mit mir und arbeite mit mir. Beobachte wie ich es tue.
Lerne den ungezwungenen Rhythmus meiner Gnade kennen.
Ich werde Dir nichts Schweres und Schlechtpassendes auferlegen.
Habe Gemeinschaft mit mir, und Du wirst lernen
befreit und erleichtert zu leben.’


(Jesus in Matt. 11.28-30 nach der Message-Übersetzung von Eugene Peterson) 

Quelle: http://visionc.squarespace.com/journal/2006/3/6/auf-dem-weg.html

Mittwoch, 7. April 2010

Indlu yethemba kaYesu - Jesus' House of Hope (?)

Vorgeschichte:
Ich hatte ja mehrere Wohnoptionen in Thembalethu, als ich hier ankam. Jede auf eigene Weise "eigentlich gut", aber keines, außer meiner jetzigen Wohnstatt, fühlte sich nicht richtig an. Ich kann es nicht besser beschreiben. Es fühlte sich nicht gut an und ich hatte keinen Frieden über den jeweiligen Objekten.

Gestern Abend nun fragte mich Smava unvermittelt, ob wir nicht donnerstags, an ihrem freien Tag, von 14 - 15 Uhr, also nach der Suppenküche, mit Kindern über das Christ-Sein reden wollen. Dieser Gedanke war für mich wie ein Paukenschlag. Wo kam das den her? Auch für sie ist der neu, obwohl sie schon mal vor 3  Wochen bei unserem Besuch in der Methodistengemeinde (als Jean Neil aus England dort zu Gast war), weinen musste, nachdem sie auf einem Flyer den Aufruf zum Gebet für Kinder und Jugendliche sah. Damals verstand ich es so, dass sie ihre Söhne meinte. Es waren aber gar nicht ihre eigenen Kinder, sondern die hiesigen, gemeint, die z.B. drogenabhängig sind.


Dass sie jetzt damit zu mir kommt?!? Wir hatten nie über etwas derartiges geredet. Das hatte ich auch selbst nicht mal im Sinn!
Sie schlug als Veranstaltungsort die Gemeinschaftshalle für unsere Zone 8 vor. Das ist mangels Alternativen auch erstmal o.k., aber das ist eine sehr hässliche grau-schmutzige Industriehalle. Ungemütliche Umgebung, zumal für Kinder. Dann lieber eine kleine, gemütliche Holzhütte.
Ich hatte bei dem Gedanken an die Halle genauso wenig Frieden, wie damals bei meiner Unterkunftssuche.

Nun zu heute:
Es wird kühl in Thembalethu, der Winter kommt. Habe 4cm starke Isolierwatte an der Decke meines Raumes angebracht, damit die Tageswärme nicht so schnell aus dem Zimmer entweicht. Hatte jetzt schon ein paar mal einen stinkenden uralt-Parafinheizer (ähnliche Verfassung wie der Gartengrill) in Gebrauch, aber das ist nicht angenehm.

Als ich heute die Bettdecke (die im Zimmer abends gerne klamm wird), an die Luft hängte, bewunderte ich erst 3 Esel, die des Wegs trotteten (Ich weiß. Ich kann zählen. :-) Es sind nur 2 auf dem Bild).


Bald danach hatten die vorbeiziehenden Säue nebst putzigen, verschiedenfarbigen Ferkeln meine volle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und ich bin ihnen gefolgt.
Die Schweine haben hier in der Nachbarschaft einen recht schweren Stand, denn wo immer sie sind, werden sie von den unzähligen Hunden verjagt. Weiter zieht der Bär.




Als ich so mit der Bettdecke beschäftigt war, kam mir plötzlich der Gedanke, ob man wohl ein kleines Township-Häuschen als offene Begegnungsstätte für Kinder erwerben und so die unangenehme Community Hall umgehen könnte?
Der Gedanke war aber sehr abstrus und so hinterfragte ich ihn, er kam aber wieder und ich legte Gott meine vielfältigen Bedenken, Wäscheklammern in der Hand, hin. Was soll ich mit den Kindern anfangen? Die sprechen nur isiXhosa. Was soll ich sagen? Wer will da kommen? Wer mitarbeiten? Wo kommt das Häuschen her? usw. usw.

Dann kam mir auch noch der Gedanke eines Namens, den meine Frau unlängst auf dem Herzen hatte "House of Hope", auf isiXhosa: "Indlu yethemba".
Wie gesagt, das ganze Paket fühlte sich trotz der vielen Fragezeichen besser an, als die riesige, triste Halle.
Der Geist hat, an der Wäscheleine stehend, stark bezeugt, was immer das heißt. Dann erreichte mich die E-Mail einer Organisation, die sich um 2000 unterprivilegierte Kinder kümmert, wegen der Rezession vor dem finanziellen Aus steht und nun Hände ringend Spender sucht. Das wäre nun gar nicht meine Welt!
Habe mich mal bei einem Bekannten, Jongile, mit dem ich heute in Thembalethu spazieren war, dennoch mal unverbindlich nach den rechtlichen Modalitäten eines Kaufs erkundigt.
Außerdem habe ich bei erwähntem Spaziergang einen gebrauchten Tisch auf einem Grundstück entdeckt und für umgerechnet 5 € erstanden. Der steht jetzt in meinem Zimmer.

Am Abend war ich erstmals an einem Mittwoch, 19.00 Uhr, in der Ekklesia-Gemeinde im Gottesdienst. Während der Lobpreiszeit, als ich Jesus vorschwärmte, wie klasse Er ist, kam ein Mann zu mir, den ich nie zuvor gesehen hatte.
Er sagte mir, dass der Heilige Geist ihm ein Wort für mich gegeben hat. 2.Kor 9,8-10:

"Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluss zu spenden, so dass ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk,  wie geschrieben steht: »Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit«."

Passt wie Faust auf Auge!

Die Predigt ging prompt über den Glauben, ohne den es unmöglich ist, Gott zu gefallen. (Hebr. 11,6).
Wobei "Glaube" nach Hebr. 11,1 "eine feste Zuversicht auf das ist, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht."  
"Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen." (Jak 1,22), war ein weiterer, sehr passender Schlüsselvers der Predigt. Es ging im Kern darum, im Vertrauen auf Sein Wort hin beherzt loszulaufen und nicht endlos rumzuzaudern.
Glaube wächst besonders durch die eigene Tat, stelle ich derzeit selbst fest.

Es ist ja das Aufregende am Christsein, dass es nicht so sehr um meinen abwägenden, bedenkenträgerischen Menschenverstand geht, sondern um Gottes Ratschluss und Weisheit. Falls Er möchte, dass etwas entsteht, dann schafft Er auch, dass das Unterfangen gelingt und menschliche Unzulänglichkeiten ausgeglichen werden.
Das ist ausgesprochen spannend und ich bleibe wachsam, was sich auftut oder auch nicht.

Bei Allem ist wichtig, dass Er der Autor und Regisseur bleibt und ich nicht einer eigenen gut gemeinten Spinnerei aufsitze. Das müsste schief gehen.

In diesem Sinne, eine gute Nacht aus einem bereits gefühlt wärmeren Zimmer!


Nachtrag:


:-)

Dienstag, 6. April 2010

Ostermontag: Fortsetzung mit Smava. Das Wunder geht weiter

1. Gott lebt und ist treu.
Gestern berichtete mir Smava, dass sie mit ihrer Schwester und mit einem Bekannten in Kapstadt telefoniert habe. Sie hätte erzählt, sie sei jetzt eine "richtige Christin".  
"Wieso das?", fragte ich erstaunt (sie war es vorher auch schon), "Nein, jetzt habe ich Jesus richtig im Herzen".

"Erzähl mir mehr", bat ich. Nach und nach kam sie mit folgenden Beschreibungen (Ausschnitte, ich möchte nicht alles darstellen): 

"Ich habe keine Schlaftablette mehr genommen und wunderbar geschlafen."

"Ich habe einen wunderschönen Traum gehabt, in dem ich viel gelacht habe. Vom Lachen bin ich sogar aufgewacht".

"Ich werde keine Schlaftabletten mehr brauchen!"

"Ich habe Ostern immer sehr gemocht. Aber das war das schönste Ostern meines Lebens!"

"Ich weiß seit gestern im Herzen, dass mir meine Sünden vergeben sind! Kein Zweifel mehr. Ich weiß, dass ich von neuem geboren bin."


Am Abend der Taufe im Heiligen Geist hatte ich ihr geraten, Papier und Bleistift zur Hand zu nehmen und mit Jesus zu reden, sobald sie allein ist. 
Gestern Abend erzählte sie "Ich hab's gemacht, wie du mir geraten hast". 
"Gott hat mir gesagt, dass ich der Frau, die für meine ungerechtfertigte Entlassung von meiner Arbeitsstelle verantwortlich war, vergeben soll. Das wollte ich früher nicht, aber das habe ich heute gemacht. Außerdem habe ich beschlossen, dass ich das anstehende Arbeitsgerichtsverfahren, egal, wie es ausgeht, nicht anfechten werde."

Also habe ich geraten, sich die Stimme Gottes zu merken. Die angenehme Stimme, durch die der Heilige Geist Dinge offenlegt, die angegangen werden sollen. Die Stimme, die ganz anders klingt, als unsere Selbstanklagen und das stets antreibende Rufen des "Verklägers unserer Brüder" (Offb 12,10).

Das ist so schön zu sehen, wie Gott wirkt. Wie sein Wort die Wahrheit ist. Was mich betrifft, habe ich noch keinen "Fehler" in der Bibel entdeckt. Im Gegenteil. Je mehr ich mich damit befasse und entdecke, umso verständlicher wird mir das Wesen Gottes. 
Alles, was ich erlebe, findet sich in der Bibel und umgekehrt, das, was ich lese, ist erlebbar.


2. Ahnenkult
Als ich in meinem Zimmer gestern  Mittag versuchte, das Dach von innen mit Silikon abzudichten, hörte ich plötzlich ein PATSCH, PATSCH, PATSCH. Ich schaute hin und sah, dass Smava einen kleinen Frosch mit dem Wischmop schlug. Stop, Stop, schrie ich. Aber der Frosch bekam noch 2 satte Schläge auf die Mütze.

Erst dann konnte ich Smava bändigen und mich des Tieres annehmen. Es war arg in Mitleidenschaft gezogen und ich weiß nicht, ob es überleben wird. Habe den isele außerhalb des Grundstücks ins Gras befördert.
Dann die Frage nach dem "warum" der harschen Behandlung. "Das ist unser Aberglaube". Frosch im Zimmer bringt Unglück, genau wie Ameisen. Im Gegensatz zu Bienen - die bringen Glück. Sie hat mir einige okkulte Praktiken in dem Zusammenhang als "our tradition" erläutert, aber ich wollte sie jetzt nicht belehren und ließ alles dabei bewenden.
Mir ist jetzt auch klar, warum die kleine Nela so erbarmungslos mit dem kleinen Frosch im  Wassereimer umgegangen war.

Am Abend kam dann wieder ein ähnliches Thema, diesmal in Form des Ahnenkultes auf. "Our tradition" sieht vor, dass wir vermeiden müssen, die Ahnen eifersüchtig zu machen. Auch hier kamen wieder einige Beschreibungen, was genau zu tun und was zu lassen ist.
Ahnenkult ist ja ein großes Problem bei den Schwarzafrikanern. "Das ist auch, weshalb ich in die Römisch Katholische Kirche gehe, die erlauben das. Die anderen nicht. Wie ist das denn mit deiner Kirche, erlaubt die das?"
Darauf bin ich nicht eingegangen, sondern habe sie in isiXhosa 5.Mo 8, 8-14 selbst lesen lassen:

"Wenn du in das Land kommst, das der HERR, dein Gott, dir gibt, so sollst du nicht lernen, nach den Gräueln jener Heidenvölker zu handeln.  Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, oder einer, der Wahrsagerei betreibt oder Zeichendeuterei oder ein Beschwörer oder ein Zauberer, oder einer, der Geister bannt, oder ein Geisterbefrager, oder ein Hellseher oder jemand, der sich an die Toten wendet.  Denn wer so etwas tut, ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, sie vor dir aus ihrem Besitz.  Du aber sollst dich ganz an den HERRN, deinen Gott, halten;  denn diese Heidenvölker, die du aus ihrem Besitz vertreiben sollst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber erlaubt der HERR, dein Gott, so etwas nicht."

Einige Sätze vorher sagte mir Smava, dass die Bibel Gottes Wort sei und zu beachten wäre und nun liest sie diese Passage mit erkennbarem Erstaunen. "Das wusste ich gar nicht, dass das da steht."

Ich habe ihr lediglich ergänzend gesagt, dass wir im Westen ähnliche Sachen haben. Esoterik zum Beispiel. Die Herkunft der Kraftwirkung, die Quelle ist entscheidend, die wirkt. Gott ist ein eifersüchtiger Gott und Er möchte keine Nebenbuhler. Er ist sehr wohl in der Lage, für die Vorfahren und die Ameisen und die Frösche nach Seiner Maßgabe zu sorgen.
Ich habe da nicht viel mehr gesagt, habe sie auch nicht unter Druck gesetzt und bin gespannt, wie sie mit dem Gelesenen umgeht. Sie denkt auf jeden Fall darüber nach. Ich bin sehr gelassen in diesen Dingen geworden. Sehe meine Aufgabe im Hinweisen, nicht im Manipulieren. Der Geist leitet in alle Wahrheit, nicht ich. Das wird Er auch tun, denn ich glaube, Smava hat ein sehr aufrichtiges Herz.

3. Körperliche Reaktionen
Smava fragte dann noch, was es gestern mit den körperlichen Manifestationen der beiden Gottesdienstbesucherinnen auf sich hatte.
Es ist sehr angenehm, wie Smava fragt. So unschuldig und vertrauend und ohne den Hintergedanken, einen in die Pfanne hauen zu wollen. Da möchte ich es auch wirklich ganz schön und behutsam erklären, dass sie weder verletzt noch übertölpelt wird, sondern es versteht. Habe den Zusammenhang von Geist, Seele und Leib (1Thess 5,23) skizziert, dargestellt, wer der Heilige Geist ist und ich bin immer selbst ganz verblüfft, dass sie das versteht, was ich meine. Am Ende war sie mit der Antwort jedenfalls zufrieden.

Montag, 5. April 2010

Ostersonntag. Fortsetzung mit Sami und Smava. Taufe im Heiligen Geist.

Am Sonntag haben Smava und ich um 09.00 Uhr Sami in Silvertown zum gemeinsamen Gottesdienstbesuch abgeholt.
Er hat erzählt, dass es auf der Müllkippe allseits hieß, "der Pastor hat dich gesucht". Ich habe nachgefragt, aber tatsächlich bin ich offensichtlich bei den Leuten von der Müllkippe "der Pastor". Habe deutlich erklärt, dass ich kein Pastor bin und es auch nicht sein will, aber das wird nix nützen, sagt er. Nicht so wichtig, aber irgendwie amüsant, wie Menschen manchmal völlig unerwartet reagieren.

Wir 3 saßen also im Gottesdienst im "schwarzen Block" und wurden freundlich begrüßt.

Bei allen 3 von uns sind im Lobpreisteil Tränen geflossen. Bei Smava zum Beispiel bei  Jesus, Be the Centre




Samuel, die Frauen vor und neben mir, und mich selbst hat es bei folgendem Stück, das ich bis dahin nicht kannte, bei der Passage gerissen:

For Love was crucified (Denn Liebe wurde gekreuzigt)
Oh how many times have I broken your heart (Oh, wie oft habe ich dein Herz gebrochen)
But still you forgive (Doch du vergibst immer wieder)
If I only ask (Wenn ich dich nur darum bitte)

Im Gottesdienst war das Lied stärker, als die Version von Hillsong:



Hie und da gab es körperliche Manifestationen des Heiligen Geistes und zwei Damen, die weit voneinander standen, gingen ohne menschliches Zutun zu Boden. Das hat Smava für mich überraschender Weise kein bisschen beunruhigt. Und auch Samuel nicht, der von einem Hintergrund der NGK (Holländisch Reformierten Kirche) kommt (ähnlich unserer Lutheraner). Beide haben es einfach zur Kenntnis genommen.  
Smavas Hände gingen beim Lobpreis zu Misty Edwards und anderen nach oben, aber beim Abendmahl hat sie gepasst. Meine katholische Schwester darf Brot und Wein außerhalb der Römisch Katholischen Kirche nicht einnehmen. "I am not allowed to take bread and wine". Da bin ich völlig entspannt geblieben und habe es nicht mal kommentiert. Habe gesagt, dass es o.k. ist.
Viel später hub sie noch mal zu einer Art Entschuldigung an, aber ich habe wieder gesagt, sie brauche sich nicht zu rechtfertigen, es sei o.k. Der Heilige Geist wird das zu seiner Zeit tun, was nötig ist.

Sheila, eine Schwester aus Zimbabwe hat mir am Ende des Gottesdienstes verdeckt 20 Rand, umgerechnet 2 € Benzingeld in die Hand gedrückt. Das wollte ich natürlich nicht annehmen, weil es für sie viel Geld ist, aber sie sagte, Gott hätte es ihr gesagt. Was will ich da machen? Ich habe später getankt.

Smava und Samuel waren vom Gottesdienst begeistert. Wir haben noch auf dem Parkplatz gestanden und die Menschen beobachtet. Die beiden wollen unbedingt wiederkommen.

Anschließend waren wir beim Ocean Basket Fisch essen. Die beiden waren die einzigen Nichtweißen Gäste im total ausgelasteten Restaurant.

Da ich Smava bereits unlängst die Taufe im Heiligen Geist erklärt hatte, wollte ich gerne heute für sie beten. Das hatten wir so besprochen und sie wollte es gerne. Andererseits mochte ich auch unbedingt Samuel mit ins Boot nehmen und ihn nicht ausschließen, aber ich komme sprachlich an Grenzen. Daher bin ich kurzentschlossen mit den beiden zu Oli Raper gefahren, der perfekt afrikaans und englisch spricht. Der alte Mann hat die Thematik nochmals zweisprachig auf wunderbar liebevolle Weise erklärt, wie die Taufe im Heiligen Geist die Kraft zum Zeugnis gibt, mit Geistesgaben ausrüstet und zum Dienst befähigt. Oli sprach auch über Apg 1,4.5:

"Und als er (Jesus) mit ihnen (den Jüngern) zusammen war, gebot er ihnen, nicht von Jerusalem zu weichen, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, die ihr – so sprach er – von mir vernommen habt, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Jesus fordert auch uns auf, als Jünger mit dem Heiligen Geist getauft zu werden, bevor wir zu anderen Menschen loslaufen. Es ist ja auch eine für einige von uns Christen eine nicht unbekannte Erfahrung, dass unser Zeugnis sonst kraftlos und manchmal ein Krampf oder belehrend und besserwisserisch bleibt. (Leider sehen manche Christen im Heiligen Geist eher einen Feind, als einen Freund und Gott selbst und zucken bereits bei dem Namen zusammen. Bloß nicht!)

Egal, wir vier zuckten nicht zusammen und standen im Kreis in Olis Studierzimmer zusammen, hatten uns alle im Arm (ich die beiden Männer) und wir haben gebetet. In isiXosa, afrikaans, englisch (und in Sprachen). Ein unvergleichliches Erlebnis.  
Sami, hat minutenlang lange in meinem Arm geweint, wie ein Baby. Es gab keine sichtbaren körperlichen Manifestationen (braucht es auch nicht), aber der Heilige Geist war spürbar. Jesus ist treu.

Dann habe ich Kuchen besorgt und wir 3 haben  in Thembalethu Kaffee getrunken. 

(Smava und Sami nach dem Kaffeetrinken)


Als wir drei so im Garten standen, schreitet unvermittelt ein etwa 55 Jahre alter Kollege des Nachbarn Omdi, bei selbigem zu Besuch, durch die Drahttür.
Er sei Alt-Apostolisch, seine Frau Neu-Apostolischen Glaubens, lässt er wissen. Er "predigte" auf englisch unter deutlichem Alkoholeinfluss über Rasseneinheit, Jesus, den Sohn Gottes und leere Ostereier (siehe Foto). Falsches, Richtiges und allemal Verwirrendes. Er hat ein paar Bibelstellen vorgebracht, aber alles unstrukturiert und ermüdend.
Dann sagte er, dass er ehrlicherweise zugeben müsse, dass er Alkohol getrunken habe. Ich habe ihm gesagt, dass Jesus nicht möchte, dass wir durch Süchte gebunden, sondern frei sind. Ich sehe sein Gesicht noch jetzt beim Schreiben vor mir. Er möchte frei werden und wünscht sich dass jemand mit ihm betet, sagt er. Für heute, Montag Nachmittag, sind wir, nüchtern, bei mir verabredet und ich bin gespannt, was wird. Ob er sich dann noch traut zu kommen und auch, ob er den Weg auf sich nimmt?

Als es dunkel wurde, haben wir Samuel heim gefahren. Er war absolut happy. Wie neu gemacht. Wieder im Vollbesitz seiner vorüber gehend verdeckten Würde. Smava sagte zu ihm: "So, Samuel, jetzt hast du also ein neues Heim, in Thembalethu, ne? Du kannst immer kommen, wenn du möchtest".
Sami und ich haben uns noch ein paar Mal mitten in der dreckigen Umgebung des squatter camps unter großen Augen der uns zahlreich umgebenden Menschen umarmt. Auch von Smava hat er sich allerliebst verabschiedet. Die hat gestrahlt, wie ich weiß nicht was. Gott ist soooo groß!

Als Smava und ich nach Hause fuhren, sagte sie viele schöne Sachen aus dem Herzen zu Jesus. Und zu mir: "Das war der schönste Tag, seit ich in George bin" (also seit exakt 10 Jahren).

Zwischenbemerkung für Christen: Es ist so unglaublich belohnend, was ich hier alles erleben darf, ich bin sprachlos. Gott lässt sich nichts schenken. Ich treffe Leute, die Gott mir über den Weg schickt und "es passiert was". Im Glauben gehe ich die Dinge an, von denen ich überzeugt bin, dass wir sie in der Autorität Christi angehen sollen.
Ich weiß, dass man mit der Bibel alles begründen und alles negieren und für seine Lieblingstheologie und seine Zwecke missbrauchen kann. Aber ich frage mich zunehmend, wie man Stellen wie die aus Markus 16 wegtheologisiert:

"Und er (Jesus) sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden." 

Es ist doch offenbar, dass wir mit unserer eigenen Kraft im Reich Gottes nirgendwo hinkommen.
"... nicht dass wir von uns selber aus tüchtig wären, so dass wir uns etwas anrechnen dürften, als käme es aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit kommt von Gott,  der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens , sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. (2. Kor 3, 5.6)


Und im gleichen Kapitel 14 des Johannesevangeliums, in dem auch die Jahreslosung für 2010 steht: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!", findet sich ein paar Verse weiter:  
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zu meinem Vater gehe. Und alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird in dem Sohn.  Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun."


Der große Vorteil theologisch unverdorbener einfacher Menschen in Afrika, Asien oder Südamerika ist offenbar der, dass sie das Wort Gottes einfach im Glauben annehmen wie es ist und nicht dran rumdoktern. Sie lesen, glauben, und wenden an. Schnörkellos. (Wenn man sie lässt!)

Immerhin ist Jesus in einer Missio Dei, einer göttlichen Mission angetreten, um etwas zu bewirken:   
»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen.« (Lukas 4,18)

Wer es für anmaßend hält, das für die Kinder Gottes in Anspruch zu nehmen und englisch versteht, der kann sich vor dem eigentlichen Lied mal den Talk zwischen Minuten 1:15 und 5:00 anhören. So sieht es nämlich aus :-)

 

Zufällig las ich in diesem Zusammenhang diesen Blogeintrag.

Ende der Zwischenbemerkung. Zurück zum Tagesgeschehen: Vor dem Haus saßen wir dann noch länger im Auto und ich habe Smava ein paar sehr persönliche Wahrheiten in ihr Leben gesprochen, von denen ich glaube, dass sie von Gott für sie waren. Da hat sie auch wieder geweint und sich bedankt.

Nun haben wir (eigentlich war ich schon sehr müde), angesichts ihrer beiden Söhne das Zeugnis des Neuseeländers Ian McCormick und dann das der Australierin Michelle Hamilton angesehen. Nochmal fast 2 Stunden. Beide Zeugnisse hängen jeweils eng mit betenden Müttern zusammen.

Ich habe mich mit Smava darüber ausgetauscht, dass wahres Christ-Sein 100% Vertrauen in Gott bedeutet. Wenn ich anfange, ihm mehr zuzutrauen, als mir und anderen, geht es los.
Dass wir erst nach Seinem Reich trachten sollen, dann wird uns das, was wir brauchen, zufallen. Dass wir von ehrlichem Herzen zu ihm rufen: "Dein Wille geschehe, nicht meiner". Dann dürfen wir mit seiner unbedingten Treue rechnen.
Daran ändert auch nichts, dass er durchaus auch zuweilen unsere egoistischen Wünsche in Seiner Güte und Großzügigkeit erfüllt und segnet. Aus der erstgenannten Variante dürfen wir ein Prinzip ableiten, aus der zweiten nicht.

Nach ein wenig Lobpreis zum Abschluss und nachdem ich für ihre Söhne gebetet hatte, sagte sie "Gott ist wirklich dabei, mein Leben zu verändern. Ich spüre das." 

Das ist doch ein so starkes Zeugnis! Und ich habe das unverdiente Privileg, dabei sein zu dürfen, wie Gott Leben unmittelbar vor meinen Augen verändert. Danke, Jesus und danke für jedes einzelne eurer Gebete!

Nachtrag: Freiburg - Bochum  1:1

Sonntag, 4. April 2010

Seesterne, Samuel und Smava. Des Samis neue Kleider.

Vor ein paar Jahren schnappte ich eine Geschichte auf, an die ich immer mal wieder denken muss, und die geht ungefähr so:

Ein Junge steht an einem mit gestrandeten Seesternen übersäten Meeresufer und wirft einzelne Seesterne zurück ins Wasser. 
Des Weges kommt ein Spaziergänger, der ihn beobachtet, den Kopf schüttelt und schließlich anspricht. "Was machst du denn da?". 
"Ich rette rette Seesterne", antwortet der Junge. Der Mann schüttelt verständnislos den Kopf und sagt: "Lass das sein, das ist doch töricht. Hier liegen unzählige gestrandete Seesternen am Ufer, du kannst unmöglich alle retten!"

"Das stimmt", entgegnete der Junge, nimmt einen Seestern, wirft ihn zurück ins Meer und erklärt: "Aber diesen hier habe ich gerettet".

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Gestern, am Samstag also, war ich mit Samuel (Sami) um 11.00 Uhr an der Müllkippe verabredet. Wir verpassten uns wegen eines Missverständnisses und so ging ich erfolglos auf die Suche nach ihm. Die Leute von der Kippe sagten, dass er hier gewesen sei, aber nun wieder weg ist. Ich traf auf der Müllkippe meinen Xhosa-Kumpel Themba aus Lawaaikamp, der kannte den 14-jährigen Wesley, der wiederum wusste, wo Sami wohnt.
Daraufhin Wes ins Auto gepackt und auf nach Silvertown, etwa 10 km mit dem Auto entfernt. Wes geht nicht in die Schule, raucht aber irgend eine garstige Droge in Tablettenform. Silvertown ist eine kleinere Ansiedlung, der ersten äußeren Erscheinung nach heruntergekommener als Thembalethu, Lawaaikamp oder Parkdene. Es ist wohl eher ein squatter camp, eine Wohnsiedlung mit weniger Infrastruktur und höherem Slumcharakter. Silvertown heißt so, weil anfangs Hütten aus silberfarbenem Wellblech errichtet wurden.

Jetzt ist Sami zugestiegen und Wes wurde zurück zur Müllkippe gefahren. Dann mit Sami in die Stadt zum PEP-Store, einem Kleidergeschäft (nicht der auf dem Foto). Dort habe ich ihn einem Verkäufer anvertraut und diesen instruiert. Ich bin losgelaufen und habe Bürste, Seife und Handtuch erstanden.

Dann ging's nach Thembalethu zu meiner wunderbaren Kaltwasser-Außendusche.
Ich wollte Sami gerne mit meiner Nachbarin Reti (Mutter von Nela) und einigen ihrer Freunde bekannt machen, die vor ihrem Haus saßen, weil sie, wie Sami, afrikaanssprachig sind. Aber das war leider nix. Sami wurde bloß argwöhnisch beäugt, mit Ach und Krach begrüßt, und er fand erkennbar keine Annahme, obwohl er freundlich grüßte.

Da es so windig war und der Duschvorhang keinen ausreichenden Sichtschutz bot, wollte Sami nicht hier duschen. Also ging es auf seinen Vorschlag hin zum 10 km entfernten Fluss "Gwaing", wo er sich waschen wollte. Ich habe aus dem Film "A Man Called Norman" gelernt und so sagte ich Sami, er habe alle Zeit der Welt, um sich richtig sauber zu machen.

In dieser Zeit saß ich am Straßenrand und habe ein bisschen gebetet und gespannt gewartet, wie ein Bräutigam, der schließlich zum ersten Mal die Braut im Brautkleid sehen wird. Da hatte ich bei dem Gedanken schon feuchte Augen. Eine dreiviertel Stunde später kam er die Böschung herauf und ich war begeistert von ihm. Ich war total froh.
Als ich ihn fragte, wie es ihm geht, war er so überschwänglich, wie ein Kind.  Er setzte sich ins Auto und: Geruchsneutral!  Eben noch eine echte Herausforderung für die Nase - und jetzt? Absolut toll. Er (und ich mit ihm) hat immer gerufen: "Praise Jesus!, Hallelujah". Er war ehrlich dankbar.

Nun ging es zu Kentucky Fried Chicken in George zum Hähnchenteile-Menü essen und Cola trinken. Da haben wir zusammen gesessen haben und damit Weiße verblüfft. Diese haben sich zum Teil mit dem Ellenbogen auf uns aufmerksam gemacht, sagte Sami später.

Frisch gestärkt hieß die nächste Station mein Friseurfreund Delfin aus dem Kongo. Semis verfilzte Haare und Bart sollen ab. Im "Salon" (der ohne Waschbecken und Fön), saß auch Glorious, eine Bekannte von Delfin. Sie kennt Jesus und ist sehr abgestoßen von den Kirchengemeinden hier in Thembalethu, die im Verhältnis richtig viel Geld von den Gläubigen einfordern und über Patoren, die sich an den Gläubigen bereichern. Über diese Gemeinheit und andere Entgleisungen haben wir uns unterhalten. Sie erzählte, dass sie nun an Ostern "allein auf die Knie" geht.

Als Sami fertig frisiert war, strahlte er nochmals mehr!

Dann zum Kaffeetrinken und Supermarktkuchen-Essen zu Smava.
Da traf ich doch glatt nebenan wieder meine Nachbarin Reti. Sie fragte mich mit einem ganzen Sack voller Fragezeichen in Stimme und Augen: "Ist das der Mann, den du heute schon mal mitgebracht hattest????.

Mit Reti habe ich über die Gefahr gesprochen, Menschen nach Äußerlichkeiten zu beurteilen.
 
Kaum waren wir in Smavas Haus, kamen Reti und Omdi nach und staunten über diesen Sami. Ich meine, zu recht. Man sehe sich den Mann auf den Fotos unten mal an. Ein Gentleman. Der strahlt was aus, jetzt.

 (Lwazi, Smavas ältester Sohn und Sami)


Kleider machen Leute. Das ist wohl was dran,
wenn es um die Beurteilung von Mitmenschen geht.

(Nachbarin Reti rechts und Omdi ganz rechts im Bild)

Omdi, der Lkw-Fahrer kannte Samuel von Berufs wegen von der Müllkippe. Omdi  (obwohl angetrunken), hatte Tränen in den Augen und hat mir ein paar Mal die Hand geschüttelt. Später fragte mich Smava, ob ich es erkannt hätte, Omdi sei "sehr berührt" gewesen.
Sami hat den beiden volle Kanne Zeugnis gegeben. Über Jesus Christus, das Gebet, die Heilung seines Knies und über seine Beziehung zu mir. Er hat den beiden und Smava alles aus seiner Sicht erzählt. Smava, Reti und Omdi waren sehr, sehr beeindruckt, wie er sich gab und was er berichtete. Das sage ich zu Gottes Ehre. Als die beiden Nachbarn gegangen waren, haben Samuel und Smava allein über Jesus geredet. Ich saß mit verschränkten Armen da und hab' in mich hineingeschmunzelt. :-)

Am frühen Abend haben wir Sami nach Hause gefahren. Smava blieb in Silvertown im Auto sitzen (matschige Wege und wohl auch aus Sicherheitsgründen). Mir bot sich das gleiche Bild, wie in Thembalethu. Das Gleiche statt Xhosa halt jetzt Coloured. Und eher noch drastischer, weil die Hütten dicht an dicht zusammenstehen und alles noch konzentrierter ist. Leute sitzen in Gruppen vor den Häusern und sind so was von voll. Kinder ohne Schuhe absolut verdreckt, usw.
Habe ein paar Hände geschüttelt von denen, die mich von der Müllkippe her kannten und eine alte, dicke Mama hatte ich im Arm, die sich so über den "prächtigen" Sami gefreut hatte.  Diese sympathische Mama war dann auch am Auto bei Smava und die beiden waren sehr nett zueinander.

Eigentlich wollte ich noch von der tierärztlichen Sonderbehandlung berichten, wie man ein Huhn mit gebrochenem Bein mittels Klebeband schient, aber das tue ich nicht. Ich kann hier unmöglich alles dokumentieren. Ein Foto muss reichen.



Puh, das war ein sehr schöner Samstag (wie hat doch gleich Freiburg in Bochum gespielt? :-))

Der heutige Sonntag war noch besser. Davon mehr morgen.

Frohe Ostern!

Samstag, 3. April 2010

Ostersamstag in Thembalethu. Alkohol und Gebet.

Gestern war ein Freundin von Smava zu Besuch. Noxolo kenne ich persönlich, da sie auch ehemals in der Suppenküche mitwirkte.
Wir haben zusammen gegessen und sind dann im Township spazieren gewesen. Ich hatte einige angenehme Begegnungen. Man könnte meinen, es gäbe derzeit nur 2 Sorten Menschen hier. Die Sturzbetrunkenen und die, die von und zu kirchlichen Veranstaltungen gehen. Hier trägt man gerne seine Bibel sichtbar am be-anzugten Mann mit Schlips oder hat als Frau eine Gebetsuniform in der Farbe seiner jeweiligen Denomination angezogen. Ein starker Kontrast.

  (Noxolo und Smava)

Noxolo hat mir beim Essen erzählt, dass ihr langjähriger Lebensgefährte sie kommentarlos ohne Angabe von Gründen verlassen hat. Sie leidet unter der Frage des "Warum", denn es gibt keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ihr Selbstbewusstsein ist infolge dessen ziemlich angeschlagen. Da ich ja weiß wo ich als Mann (ohne Jesus) herkomme, habe ich ihr ein paar Einblicke in die / meine männliche Gedankenwelt gegeben und ihr klargemacht, dass es nichts mit ihr zu tun haben muss. Mein Freund U.K. hat mir vor einem Jahr mal gesagt, dass wir aufgerufen sind, Worte des Lebens zu sprechen und das hat sich bis heute zunehmend bei mir festgesetzt. Auch gegenüber Noxolo. Ich hatte außerdem gerade die Passage in 1.Joh 1 entdeckt, dass ja Jesus selbst das "Wort des Lebens" ist. Klar, Er ist das Wort und auch das Leben, also ist Er ebenfalls die Kombination von beiden. Eine interessante Entdeckung. 

Neben Rebecca Malope mag Smava Kirk Franklin, einen jungen US-Gospelsänger. Bei ihrem Lieblingslied "My Life is in Your Hands" hat sie jede Zeile laut Noxolo nochmal zur Bestätigung vorgesagt. Das war cool. Heute hat sie das Lied nochmal gehört und ihr sind die Tränen gekommen. "That makes me cry!". Dito bei seinem Lied"My Live, My Love, My All".


Bei den Nachbarn zur linken (die Frau mit AIDS, deren Kind in einer Waschschüssel ertrunken ist), hat heute ein Feuer die gesamte Einrichtung vernichtet. Die betrunkene Schar im Haus kam nicht zu schaden.

Auf der anderen Seite zur rechten ebenfalls High-Life im vollbesetzten Haus. Ostern bedeutet für viele hier schlicht ein verlängertes Sauf-Wochenende. Da braucht man keine Ostereier, sondern nur mehr Stoff. Als ich heute zu Samuel fuhr, hatte ich mich noch gewundert, warum soviel am Liquor-Store los war. Menschenauflauf wie am Kassenhäuschen eines Kreisklassenvereins, wenn der FC Bayern zu Gast ist. Ach stimmt ja, sonntags und an Feiertagen darf kein Alkohol verkauft werden.

Ich sehe hier bereits bei meinem Frühstück die 2 Zentner Frau von gegenüber rabenvoll (wieder mal) hinpurzeln (immerhin hat sie ausnahmsweise heute mehr an als Rock und BH) und wieder andere Nachbarn, die es trotz Totalsuff irgendwie in konzertierter Aktion schaffen, einen offensichtlich vollen Kasten Bier von A nach B zu schleifen.


Gerade als ich am Abend mit Smava "Faith Like Potatoes" auf dem Netbook angesehen hatte, begehrte Omdi, der Nachbar zur rechten dringend seine Schwester im benachbarten Township Lawaaikamp zu sehen. Angeblich eine Art Notfall. Ich fuhr also mit ihm und seiner Tochter Nela die 10 Minuten dort hin. Da ich hatte keinen Lust hatte, mich mit ihm ob seines offensichtlichen Alkoholkonsums zu unterhalten, sang ich für Nela "unser Lied". Von Anfang an an hatte die Kleine die Melodie nebst hebräischem Text drauf!  Baruch Haba B'Shem Adonai, Halelujah. Ich habe Omdi gesagt, um was es geht. Dann hat Nela alleine weiter gesungen. Das war schön.


In Lawaaikamp angekommen, gleiches Szenario. Etwa 8 Erwachsene plus junge Kinder im Raum. Zugedröhnt. War offensichtlich kein Notfall. Schwester und Sohn von Omdi nach Thembalethu gebracht. Die Schwester hat mich gefragt, ob ich heute in der Kirche gewesen wäre. Von wegen guter Christ und so. Nein, war ich nicht, habe ihr gesagt, und auch dass die Kirchgeherei für sich genommen gar nix nutzt. Hab ihr kurz gesagt, auf was es ankommt und gut.

Gestern Abend, nach dem Gottesdienst, war ich ebenfalls in Lawaaikamp, als ich wieder 2 Damen aus Zimbabwe nach Hause gefahren habe. Tolle Damen die ein starkes Zeugnis für Jesus haben. Auf der Hauptstaße jedenfalls fühlte ich mich stark an einen Film von 1981 erinnert. Ich musste im Schritttempo Leute und Gegenstände umschiffen und wunderte mich ein wenig, dass die beiden Frauen hier aussteigen müssen.


Dann am Abend vermisste Smava Geld und Uhr. Ihr Sohn Lwazi stand im Verdacht. Also wieder rein in die Klamotten und um 23.00 Uhr hin zur Nathan-Tavern. Das Bild ist klar. Außerdem liefen vor der tavern einige Damen in Gebetsuniform. Ich nehme an, sie haben wie unsere Marienschwestern gebetet. Lwazi also unter leichtem Protest eingepackt und nach Hause. Musste mich zuhause noch als Schlichter in Familienangelegenheiten betätigen. Habe Lwazi in den Arm genommen. Er sucht mich immer als Beistand. Schaut mich Hilfe suchend an und sagt "Geeeo". Aber seiner Mutter bricht es ja auch das Herz, wenn sie ihren Sohn mit 30 derart gebunden an den Alkohol ist.

Rückblick: Hatte gerade heute früh ein Gespräch mit ihm und ihn gefragt, ob er vom Suff loskommen will, oder ob das Leben o.k. ist für ihn. Für den erstgenannten Fall habe ich Hilfe zugesagt. Er hatte darüber noch nicht nachgedacht und ich habe es in seine Entscheidung gelegt.

Hier wird mir bewusst, wie viel dämonische Belastung an Orten wie diesen vorherrscht. Im Gottesdienst letzte Woche, war der Heilige Geist sehr spürbar. Auch für eine eigentlich hübsche junge Coloured-Frau, die wie eine Schlange auf dem Rücken liegend rumgeschlängelt ist. Augen verdreht, Gesicht verzerrt und Zunge übermäßig verlängert, bis an die Kinnspitze. Die Frau wurde frei. Das Licht Jesu ist immer stärker, als die Finsternis.

"Unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen". (Eph 6,12)

Das muss man immer im Auge behalten. Der Kampf ist geistlich und richtet sich nie gegen Menschen! Das wollte ich nur erwähnt haben, nicht überbetonen.

Dann war noch viel Spannendes mit Samuel. Darüber schreibe ich morgen.