Church building / Kirchengebäude in Thembalethu

... God has chosen the weak things of the world to confound the things which are mighty; And base things of the world, and things which are despised, has God chosen ... (1Cor 1:27.28) p>p>p>

Donnerstag, 8. Juli 2010

Das Verbrechen. Die Wende.

Hatte eine längere Schreibpause, da ich ziemlich beschäftigt war und keine Zeit zum Schreiben fand. 

George, 5 Tage vor dem Halbfinale Deutschland - Spanien

Während vielerorts die bevorstehenden WM-Halbfinals im Mittelpunkt standen, hatten am vergangenen Sonntag morgen die Attacken in meinem Umfeld einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Es ist ja so, dass hier in den Townships und in den squatter camps ein sehr rauhes Klima herrscht. Kindesmissbrauch ist eines der Dinge, von denen ich weiß, dass sie alltäglich sind und nur selten zur Anzeige gebracht werden. Viele dieser Taten geschehen im familiären Umfeld und die Opfer wissen nicht, wohin mit ihrem Leid. 

Sonntag:
Als ich Alicia und 5 weitere Kinder, zwischen 6 und 11 Jahre alt, zum Gottesdienst abholen wollte, eröffnete sie mir unter ungewollter Entleerung der Blase, dass sie tags zuvor vergewaltigt worden sei. Der Täter hatte sich mit Kerze und Messer ihrer Schlafstatt genähert...

Jeanné mit einigen der Kinder nach dem Gottesdienst am Tatort

Das Mädchen Alicia ist 15 Jahre alt, raucht nicht und hatte noch nie einen Partner, was eine sehr große Ausnahme in diesem Umfeld ist.
Ich hatte ihr just zuvor gesagt, dass sie als einzige hier die Kraft hat, den Teufelskreis von Alkohol, Drogen, Gewalt und früher Mutterschaft zu durchbrechen, wenn sie nah bei Jesus bleibt. Und nun das.

Der Mann, dem sie die Tat zuschreibt, ist ein alt wirkender Mann mit dem Spitznamen "Smokey". Er wohnt zeitweilig im Haus und ist bereits aufgrund seiner gesamten äußeren Erscheinung bzw. seines Pflegezustandes eine Höchststrafe für jede Frau. Von anderen hörte ich, er hätte angekündigt, Alicia "ein Kind zu machen".

Ich kenne"Smokey" von der Müllkippe als freundlich-distanzierten Empfänger von Brot und Obst.
Erst vorletzten Sonntag half er mir, den Nissan aus dem Matsch heraus wieder flott zu bekommen, als ich die kleine Herde zum Gottesdienst fuhr.

Am Sonntag früh jedenfalls, dem Tag nach der Tat, saß er doch dreist vor dem Haus, als ich kam und Alicia mir erzählte, was geschehen war. Ich weiß nicht, ob er erwartete, dass ich seinem Leben auf der Stelle ein Ende bereite, oder er sich sicher fühlte?

Es ist kein Kampf gegen Fleisch und Blut und so nahm ich mich zusammen und würdigte seine Anwesenheit nicht.

Nachdem ich nach einem Gebet für Alicia die 5 kleinen Schäfchen zum Gottesdienst fuhr und der Obhut der lieben Damen von der "Kinderkirche" der Ekklesia-Gemeinde überlassen hatte, verbrachte ich den Beginn des Gottesdienstes nur sehr angeschlagen. Ich wusste nicht, wohin mit mir.

Vor zwei Monaten, am 8. Mai 2010, nach den Ereignissen auf der Müllkippe, schrieb ich:

"Auch über die Müllkippensituation mit den Gangstern dachte ich noch länger nach. War ja unberechenbar. Ich glaube, ich hätte mein Leben für Alicia und Sami gegeben, wenn es hätte sein müssen. Es musste nicht sein, aber das dazu passende Gefühl war und ist vorhanden. Ich verstehe jetzt wieder ein bisschen mehr, wie es ist, wenn es heißt, dass Jesus sich für uns hingegeben hat." 

 Da war das sehr tiefe Gefühl wieder: 

"Mein liebes Kindlein!!!"

Ich zweifle nicht mehr an der Güte und Liebe Gottes und ich habe gespürt, dass ich Jesu Tränen und nicht meine eigenen für das Mädchen weinte. Wer das nicht erlebt hat, kann es nicht verstehen, es ist keine emotionale Erschütterung, wir man es z.B. bei einem Trauerfall erlebt, es fühlt sich völlig anders an.

Jedes unsere Unglücke und die Tragödien des Lebens beweint Jesus selbst. Er weint um uns und mit uns. Auch in Getsehmane. Er weint um seine Kinder in dieser gefallenen Welt und leidet mit ihnen!

Ich habe, obwohl bewusst in der letzten Reihe, am Ausgang sitzend, viel Gebet in der Gemeinde empfangen, weil mein Verhalten nicht verborgen blieb. Mein Friede kam zurück und ich wusste, dass Jesus sie heilen wird und das mehrfach erstattet, was Satan ihr genommen hat.

Ich habe einige Lebensberichte von Frauen gelesen oder angehört, die Extremes erlebten und durch die Kraft des Heiligen Geistes geheilt wurden. Die KZ-Inhaftierte Corrie ten Boom ist ein bekanntes Beispiel. Hier ein beeindruckender Bericht von Janice McBride in englisch. Die Dame überlebte 3 Abtreibungsversuche, wurde ihre ganze Jugend über von der Mutter krankenhausreif geschlagen, von verschiedenen Männern permanent vergewaltigt und emotional misshandelt. Sie bereist heute die Welt und erzählt anderen Frauen von der überwindenden Liebe Gottes.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag morgen, fuhr ich mit Jeanné und ihrem Gatten Hein zu Alicia, beteten für sie und riefen die Polizei.  Die Tante und zugleich "Pflege"-mutter Vicky war ziemlich berauscht und nicht zu gebrauchen. Sie sagte, Smokey sei nicht mehr da und doch: Der mutmaßliche Täter wurde wenige Minuten später im Haus festgenommen.

 Smokeys Abtransport vom Tatort


 Hein von der Ekklesia-Gemeinde zum Gebet am Tatort


Anschließend begleiteten Jeanné und ich das Mädchen zur Vernehmung bei der Polizei, zur Opferbetreuung, ins Krankenhaus zur medizinischen Beweisuntersuchung sowie zur medikamentösen AIDS-Vorsorge. Ein ganztägiges Mammutprogramm für das Mädchen, das zwischen Tränen, gefühlter Entwürdigung und Einschlafen vor Übermüdung hin- und hergependelt ist.

Im George Hospital


Es kostete einiges an Zureden, dass sie sich das überhaupt traute, denn sie hatte verständlicherweise große Angst vor diesem Schritt. Ich zog zum ersten und einzigen Mal meine Trumpfkarte und erinnerte sie daran, dass Jesus ihr selbst sagte, sie könne mir vertrauen und solle "das machen, was ich sage". Also bat ich sie, mir zu vertrauen und den Schritt zu wagen. Auch dass ich den ganzen Weg mit ihr gehen würde.
Immerhin würde der Täter sie nie mehr in Ruhe lassen und zudem seien noch ein paar ebenso gefährdete kleine Mädchen im Haus.

Wir waren dann an diesem Mammutsonntag am Abend wieder mal im Kentucky, denn keiner hatte was an diesem Tag gegessen. Die junge Opferbetreuerin Lucrisia, selbst Missbrauchsopfer und Christin, gleich mit.

Die staatliche Beratungsstelle von Lucrisia hat die Parole "Aus Opfern Überlebende machen". Das klingt sympathisch, reicht aber, wie ich finde, nicht für die Opfer. Sich an einem seidenen Faden durchs Leben zu hangeln und irgendwie zu "überleben" ist nicht Gottes Plan für uns. Jesus verspricht uns in Joh 10,10 "Leben im Überfluss - die Fülle" und sagt in Röm 8, dass wir durch ihn weit überwinden. Im englischen: "We are more than conquerors". Wir sind mehr, als Überwinder, Eroberer, Bezwinger!". Ich finde, Gott gibt uns generell geniale Verheißungen - und Er sagt uns zu, dass wir durch ihn unserem Schmerz aus der Vergangenheit überwinden.

"Aus Opfern Überlebende machen"

In alledem hat sich Jeanné am Sonntag wie eine Mutter gekümmert und Alicia mit nach Hause zur Notübernachtung genommen, wo sie ihr erstes Schaum-Bad im Leben nahm. Jeanné hat sie eigenhändig gebadet und sie einer Pediküre / Maniküre unterzogen.
Das, was die Frau, die ansonsten arg im Stress ist, macht, ist gelebte Jesusnachfolge. Wenn das Leid am Größten ist, zeigt sich wohl auch die Liebe am stärksten. Ich selbst hatte keine Möglichkeit, eine Unterkunft für das Mädchen zu stellen und so war ich Jeanné wirklich unendlich dankbar, dass sie in Alicia ihren "Nächsten" gesehen hat..

"Wer ist mein Nächster", fragte der Schriftgelehrte in Lukas 10. Ich würde ihm antworten:

"Der deinen Weg kreuzt. Den du sehen, anfassen, spüren kannst. Der, dessen Bedrückung und Schmerz du wahrnimmst. Den du leiden siehst. Der verletzlich und schwach ist - Der, der nirgendwo einen Helfer sieht. Außer in dir!"

"Sparky's" Kripoabteilung in George-Blanco

Während des stundenlangen Krankenhausaufenthaltes am Sonntag, als die Opferbetreuerin Lucrisia und der Kriminalbeamte "Sparky" Sparks von "K 11", der einige Beweisstücke im Haus sicherstellen wollte, zum Tatort fuhren, baten sie mich mitzukommen und so begleitete ich sie und lies mir gleich die spärlichen Habseligkeiten Alicias aushändigen.

Was mich betrifft, so bin ich entschlossen, das mir Mögliche zu tun, um Alicia aus ihrem destruktiven Umfeld herauszubringen. Aber das liegt auch an ihr, sie muss es wollen.
Sie möchte eigentlich gerne Lehrerin werden. Das erscheint aber illusorisch angesichts von nur 3 Jahren Schulausbildung und dem Überschreiten der Altersgrenze für einen weiteren Schulbesuch.

Es wird aber der Tag kommen, da wird sie Menschen nicht über Biologie und Geschichte, sondern über die Dinge Gottes lehren. Allemal wünsche ich ihr das.

Montag:
Am Montag früh hatte ich Alicia um 7.15 Uhr für einen weiteren Krankenhausbesuch bei Jeanné abgeholt. Anschließend ging es mit Detective Inspector "Sparky" Sparks zur Staatsanwaltschaft zur Anhörung. Danach zu Sparks' Büro. Schließlich noch zur fotografischen Beweissicherung an den Tatort. Oh, Jammer! Was für eine Prozedur für das Mädchen. Rechtlich erforderlich, aber sehr belastend für sie, die von Amt zu Amt und von Frage zu Frage geschubst wird. Das gab wieder viele Tränen bei ihr.

 Sparky und Alicia in seinem Büro

 Aushang an Sparkys Bürowand:

Dann ging es zu verschiedenen Stellen, um eine angemessene Bleibe für sie zu finden. In einem Land, das übervoll von AIDS-Waisen und Kindern aus zerrütteten Elternhäusern ist, gibt es nur wenige freie Plätze.

Noch schwerer ist es, ein christliches Umfeld zu finden, wie man es sich für seine eigene Tochter wünschte. Genau das ist aber mein Anspruch. Ich kenne unzählige Townshipkinder in Not, aber dieses Mädchen habe ich in besonderer Weise auf dem Herzen. Sie kommt nicht in irgendein Heim!

Dass ich so denke, ist übrigens erstaunlich, denn Alicia ist introvertiert. Redet kaum und lacht fast nie. Nicht das typische Sonnenscheinchen, das jedermann gleich vom Fleck weg adoptieren möchte.

Am Montag besuchte ich Papa Oli, der Alicia sehr lieb von Jesus erzählte und mit ihr betete.
Er stellte auch einige Kontakte für mich her, so dass ich daraufhin mit Organisationen und Pastoren telefonieren konnte.

 Papa Oli Raper, 87, in seinem Studierzimmer lässt Kontakte spielen


War bei Options -keine Plätze- und schließlich bei ACVV in George, ebenfalls einem christlichen Hilfswerk.

"ACVV-Sentrum" in George

Von dort gab es die Zusage einer vorläufigen Möglichkeit der Unterbringung bei einer Familie Meyer. Dort zog sie also ein, nachdem Alicia und ich in der Stadt noch einige Kleider usw. für sie gekauft hatten.

 Nell, die Sozialarbeiterin von ACVV rechts im Bild
sowie Frau Meyer, die Mutter des Hauses

Ich muss oft völlig unmotiviert für das Mädchen weinen und beten. Manchmal heißt es in der Bibel. "Und die Kinder Israels schrieen zum Herrn". Nun kann ich aus erster Hand sagen, wie das ist, wenn man "zum Herrn schreit". Das ist wörtlich zu nehmen und nicht bildlich oder lyrisch zu verstehen!
Ich weiß auch warum: weil Jesus höchstselbst mir das Kind aufs Herz gegeben hat. Ich habe es mir nicht ausgesucht. Ich bin kein guter Kerl, ER ist es! Und das kann ich mir nur so erklären, dass er etwas mit ihr vorhat. Aber genau weiß ich es auch nicht, wie es zusammenhängt.

Dienstag:
Am Dienstag besuchte ich sie mittags und traf auch auf den Sohn des Hauses, einen etwa 35 Jahre alten Pastor einer kleinen Pfingstgemeinde in Pacaltsdorp, der gerade aus Kapstadt kam, wo er in dem Riesentownship "Mitchells Plain", 1-2 Millionen Bewohner, die gute Nachricht predigte.

Alicia hatte gut geschlafen und fühlte sich wohl im Haus bei Familie Meyer. Sie bat mich um eine neue Hose, da ihre alte Trainingshose, ihre einziges langes Beinkleid, in Fetzen hing. Also schlug ich vor, sie zum Hosenkauf mit in die Stadt zu nehmen. Ich hatte meine "Autorität", die mir von den Behörden, mit denen ich zu tun hatte, zugestanden wurde, bereits offiziell an die Mutter des Hauses abgegeben und diese erbat, dass das Mädchen zuhause bleibt und isst. Das war völlig in Ordnung so. Ich nahm das widerspruchslos an und bestärkte die Mama in beider Beisein. Aber Alicia hat sich an mich geklammert und die Tränen liefen. Oje, welch Herzeleid. Ich weiß nicht, für wen diese Situationen bewegender sind. Für sie oder mich. Aber die Hausmutter hat recht und Alicia wird lernen, was sie mangels Erziehung nie lernen durfte.

Ehepaar Meyer vor ihrem Haus in Pacaltsdorp


Am Dienstag Abend im Revival (Erweckungs) -Gottesdienst, zu dem ich auch die Hausmutter, Frau Meyer, mitnahm, wurde Alicia stark vom Heiligen Geist berührt. Sie erzählte mir später, dass ihr ganzes Inneres ganz warm wurde, als sie auf dem Boden lag.

Mittwoch:
Am Mittwoch Morgen dann, in einem weiteren Revival-Gottesdienst, klatschte sie ein paar Mal enthusiastisch, während der Predigt in afrikaans über das Thema "Siegreiches Christenleben" oder spang auf! Wow, wow!
Als Gebet für innere Heilung angeboten wurde, fragte ich sie, ob sie nach vorne gehen möchte.
Sie antwortete, dass sie es nicht braucht.

Während wir anschließend in der Stadt waren, - unter anderem bei meinem Freund Isaak in der Moslemgaststätte essen - und Zeit gemeinsam verbrachten, lachte sie ein paar mal, Pfiff, und machte hie und da einen Hopser beim Gehen. Das hatte ich noch nie bei ihr gesehen.

All dieses Verhalten ist ungewöhnlich für sie.

Oft bestehen negative Seelenbindungen im geistlichen Raum zwischen Opfern und Tätern oder zu den Menschen, die einen sehr schlecht behandeln oder behandelt haben. Das ist ein wesentlicher Grund, warum es Frauen, die misshandelt werden, zur Verwunderung aller anderen, immer wieder zurück zieht, an den Ort des Schreckens.

Alicia habe ich gefragt, sie hat kein Heimweh!

 Alicia in einem Kleidergeschäft

Ich hatte mich mit ihr auch über meine Rolle in ihrem Leben unterhalten. Jesus hat sie mir aufs Herz gegeben, vielleicht, um ihr durch mich ein Teil der geraubten Kindheit zurückzugeben, nachdem sie verstoßen war, auf der Müllkippe lebte, oder sonst in schrecklichen Familienverhältnissen hauste. Jesus ist der Autor der Liebe, die sie jetzt gerade durch unterschiedliche Menschen erfährt. Er ist auch der Autor ihrer inneren Heilung. Ich meine, Alicia wird tatsächlich nicht jahrelang durch ungezählte Seelsorgesitzungen gehen müssen.

Am Freitag möchte sie mit mir zur Müllkippe zum Essen ausgeben sowie am Freitag Abend zum Jugendgottesdienst in die Ekklesia-Gemeinde. Sie erinnerte mich außerdem daran, die Kleinen für den Kindergottesdienst am Sonntag nicht zu vergessen. Oh, wie schön.

Was mich betrifft, so bin ich weiterhin begeistert von Jesus. Die meistunterschätzte Person im Universum.

Von Nichtchristen und Christen.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Live von der Erweckung: Der bekehrte Polizist und das Aschenputtel mit der Nummer 28

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Gestern und heute früh war ich wieder mit einigen Kindern und Jugendlichen von der George Community Church unterwegs, um Leuten das Evangelium zu bringen.



(Kinder legen im Township "Borchards" einer alten Frau die Hände auf und beten für sie)

In einem Falle hatten sich ein paar kleine Kinder bekehrt (siehe nachstehendes Foto). Jetzt könnte man ja bezweifeln, ob Kinder im Grundschulalter dazu von ihrer Reife schon fähig sind, aber mir fallen spontan einige Männer Gottes ein, die sich als Zweitklässler bekehrt haben. Der nordirische Baptistenprediger David Legge und der amerikanische Bibellehrer Andrew Wommack, wandten sich zum Beispiel beide mit 8 Jahren bewusst Jesus zu. Der Sohn von Bruder Yun, Isaak Liu, hielt mit 11 seine erste Predigt in China. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon zuvor lange begonnen, täglich ein Kapitel der Bibel (nicht einen Vers!) auswendig zu lernen. Seinen Lebensbericht in deutsch vom 11.4.2008 kann man auf deutsch hier anhören. (Höre ab Minute 9, über seine erste Predigt und dass er bereits das Johannesevangelium auswendig konnte).

(Neue Jesusjünger - gleich darauf auf dem Weg zum Gottesdienst)
 .
Wenn man die Kleinen live erlebt, wie die sich verhalten, dann sind alle Zweifel beseitigt. Heute beim Gebetstreffen hatte eine Mutter rechts und links je eine Tochter sitzend im Arm und die Töchter beteten mit erhobenen Händen in Sprachen und weinten über ihre Stadt. Die Mutter stützte die Arme zeitweise, wie beim alten Mose im Kampf gegen die Amalekiter in 2.Mo 17:

"Und es geschah, solange Mose seine Hand aufhob, hatte Israel die Oberhand; wenn er aber seine Hand sinken ließ, hatte Amalek die Oberhand. Aber die Hände Moses wurden schwer... 
Aaron aber und Hur stützten seine Hände, auf jeder Seite einer. So blieben seine Hände fest, bis die Sonne unterging. Und Josua überwältigte Amalek und sein Volk ..."

Im Township Borchards sah ich noch eine Gruppe von nicht zur Aktion gehörenden Frauen, die afrikaanse Lobpreislieder sangen bzw. im Kreis stehend, endlos lange, lautstarke Gebete vorbrachten. Ganz großes Tennis!


(Gebetskriegerinnen mit Tambourin und Bibeln in Borchards)

Gestern Abend war Israel, der Bruder von Sheila, aus Port Elizabeth eigens für den Besuch des Erweckungs-Gottesdienstes angereist. Er war die 330 km nach George hin und wieder zurück getrampt! Das nenne ich Leidenschaft. Sein Auto ist leider nicht übers "TÜV" gekommen, weil er die 35 Euro Schmiergeld nicht bezahlte: "Das geht nicht, ich bin ein Sohn Gottes!".

Ich kenne Israel, ein klasse Typ, der seit seiner Bekehrung im September letzten Jahres in "meiner" Ekklesia-Gemeinde von George, nur noch Jesus im Kopp hat. Bereits übernatürlich viel Wissen und Leidenschaft. Geht allein in Port Elizabeth in Krankenhäuser und betet mit Erfolg für die Leute. Er zieht mit Frau und Kind bald nach George und wir freuen uns beide auf gemeinsames Wirken. Dann habe ich endlich mal einen Mann und nicht immer nur Frauen um mich herum, die brennen. :-)

(Israel im Gottesdienst mit seinem Anhalterschild)

Auch heute hatte ich wieder spannende Begegnungen. Z.B. die mit dem Xhosa Jeffrey, einem Schutzmann im Dienst, der Jesus angenommen hat, oder mit einer Gruppe von etwa 7 Jugendlichen in Lawaaikamp, zu der ich sprach.
Zwar hat "nur" der 17 Jahre alte Loyiso sein Herz aufgemacht, aber der war dermaßen ernsthaft. Eine echte Freude. Es ist also keineswegs so, dass jeder "HIER!" ruft.
Aber dennoch, wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Man darf nicht das Evangelium im vorhinein für einen anderen ablehnen. Nach dem Motto "Von denen bekehrt sich ja eh' keiner".

(Schutzmann Jeffrey bekehrt sich im Dienst :-) )


Als ich am Nachmittag  auf dem Heimweg war, sah ich einen Mann barfuß laufen. Seit einigen Wochen habe ich ein paar fast neue Schuhe, die mir zum Weitergeben überlassen wurden, im Kofferraum. Allerdings habe ich nie einen passenden Abnehmer gefunden. Als ich den äußerlich sehr schmutzig wirkenden Herrn sah, fielen mir sofort die Schuhe ein.
Wegen des Straßenverkehrs konnte ich ihn erst nach einiger Suche in einem Gewerbegebiet antreffen.

"Brauchst du Schuhe?" JA!, 
"Welche Größe?" "ACHT!".  
"Passt, hab' ich".

Was für ein Zufall.

Mein fast zahnlosesAschenputtel heißt Michael, wir haben recht lange und sehr nett geredet, uns in den Arm genommen und gebetet. Was war besonders an Michael? Rischdisch! Einer von der Numernbande 28.

Was für ein Zufall!

(Michael, das Aschenputtel mit Schuhgröße 44)

Was noch?

Die täglichen Gottesdienste in der George Community Church begannen vor 3 Wochen als "Fire Conference". Aber diese Feuerkonferenz hat sich durch die Ausgießung des Heiligen Geistes verselbständigt.
Mein Gefühl von Erweckung vor ein paar Wochen hat also offenbar nicht getrügt. Heute Abend war es hier die 26., jeweils etwa 4 Stunden dauerndeVeranstaltung.

Manchmal gibt es auch 2 Gottesdienste am Tag. Dazu kommen Straßeneinsätze und kraftvolle Gebetstreffen.
Geplant sind bald 24/7 - Gebete, also rund um die Uhr.

Im heutigen Gottesdienst wurde mit plusminus 500 Mann ziemlich lange für die verlorenen Kinder der vielen Townships, die im Teufelskreis von Abhängigeit und Gewalt stecken, gebetet. Aber wie. Da gab es viele Tränen und Schluchzer. Einige haben in dieser Sache das Herz und die Leidenschaft Jesu für diese Generation erhalten und es auf Knien ausgedrückt.

(Damit fing es im Juni in der George Community Church an. 
3 Wochen nach "meinen" Pfingsterlebnissen in Silvertown am 23. Mai 2010)

Ich bin jedenfalls jetzt beruhigt, dass es hier noch täglich Hunderte andere gibt, die kein Fußball sehen wollen und lieber "in die Kirche" gehen. Beinahe hätte ich an mir gezweifelt. :-)

Ab Morgen werden täglich 3 Großbusse gechartert, um Menschen aus den umliegenden Townships, die ja nur selten Geld oder eine eigene Fahrgelegenheit haben, die Möglichkeit zu bieten, an den Gottesdiensten teilzunehmen.

Seit gestern werden auch von den 4 Stunden Gottesdienst 2 Stunden abendlich - außer samstags- live im Radio übertragen. Von 20.00 Uhr - 22.00 Uhr  - auch auf dem Livestream der Station Eden FM anzuhören. Sonntags beginnen die Veranstaltungen um 17.00 Uhr aber ich kann nicht sagen, wann das übertragen wird. Weiß ebenfalls nicht, ob man einen passenden Eindruck erhalten kann. Die erste Stunde Lobpreiszeit fehlt halt und die powervollste Stunde ist die nach 22.00 Uhr. Es sind sehr unterschiedliche Männer und Frauen Gottes zugange. Schwarze, Weiße und Farbige.

Ich wage die Prognose, dass man in dieser Sache von George, Südafrika noch hören wird .


Eine persönliche Nachbemerkung:

Keine Ahnung, was andere erleben, die irgendwo allein "im Busch" die Gute Nachricht verkündigen, aber fest steht, dass wo Licht und Finsternis so aufeinandertreffen, wie hier, dies auch bei mir ankommt.
Genauso, wie die "Erfolge", sind auch die Attacken aus der geistlichen Welt bemerkenswert stark und erfordern höchste Wachsamkeit.  
Betet ohne Unterlass (1.Thess 5,17) sowie betet, damit ihr nicht in Anfechtung geratet (Lk 22,46), hat eine enorme Bedeutung für mich gewonnen! Ohne Lobpreis, Gebet, täglich powervolle 4 Stunden Gottesdienst und Seine Gnade, hieße es vielleicht schon längst "Land unter!" bei mir. Und das, obwohl (oder weil?) ich hier nix anderes im Sinn habe, als Ihn.

Noch 'ne Nachbemerkung, um falschem Eindruck entgegenzuwirken:
Weder bekehrt sich jeder, den ich anspreche, noch führt jedes Gebet zur Spontanheilung. Warum das so ist? Keine Ahnung :-)

Dienstag, 29. Juni 2010

Wenn wir das Evangelium verkündigen, geschieht es!

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Seit vorgestern Abend, einschließlich der Nacht und über den ganzen gestrigen Tag, hatte ich massive geistliche Angriffe gegen mich zu bekämpfen. Ich kann nicht ins Detail gehen, aber es war etwas völlig Unerwartetes aus einer für mich unbekannten Ecke. Leider hatte ich die Attacke nicht gleich als solche wahrgenommen und mich nicht einwandfrei verhalten.
Man kann ja fast ein Prinzip daraus machen und die Uhr danach stellen. Vor oder nach geistlichen Durchbrüchen ist die Anfechtung da.

Aber auch diese Attacken überwinden wir weit durch den, der uns zuerst geliebt hat, wenn wir wachsam bleiben.

Mir hat u.a. das Gebet aus Judas 24f sehr geholfen, weil ich weiß, wer mich vor dem Fallen bewahrt:

"Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich, mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem allein weisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft jetzt und in alle Ewigkeit! Amen."

Nun zum angefochtenen Durchbruch:


Derzeit finden täglich 3 bis 4-stündige Erweckungs-Gottesdienste in George statt, die ich zusätzlich besuche, soweit möglich. Manchmal morgens und abends.

 (Seit 2 Wochen abendlich etwa 500 Gottesdienstbesucher)


In jeder Veranstaltung geben sehr viele Menschen ihr Leben Jesus. Heute Abend waren es grob überschlagen 150. Siehe etwa die Hälfte der Gruppe auf dem Foto oben. Der Heilige Geist leitete die Menschen zur Buße, denn zahlreiche Personen wurden von den Tränen übermannt und sie gingen nach vorn. Es gab heute nicht mal eine (evangelistische) Predigt.

Etwa die gleiche Anzahl Menschen folgte etwas später dem Aufruf, sich mit dem Heiligen Geist füllen zu lassen. Darunter auch ein Schutzmann in Uniform. Sehr cool. Die Gruppe der frisch im Geist getauften Menschen, darunter einige Kinder im Grundschulalter, betete hinterher in neuen Sprachen und ich bekomme eine Ahnung, wie es an Pfingsten vor 2000 Jahren ausgesehen haben muss.

Ein Grund dürfte sein, dass im Gottesdienst so viele Heilungen geschehen. Ich schätze es gab heute 20 Zeugnisse, oft unter Tränen, wie Gott auch krasse und chronische Krankheiten geheilt hat. Die Power Gottes live zu erleben, lässt wenig Raum für Zweifel.

Heute früh sandte die federführende Gemeinde, die George Community Church, wie immer Kleingruppen von 3-4 Personen aus, um den Menschen die gute Nachricht auf den Straßen vom Reich Gottes zu bringen. Der Geo mittenmang.

(Vor dem Einsatz haben wir mit den knapp 30 Christen für das Unterfangen gebetet. Übrigens sehr süß, wenn Kinder in Sprachen beten :-) - Der Mann im Pullunder ist der Pastor der Gemeinde, Gevin)

 (Da Werktag, nahmen außer mir mehrheitlich Hausfrauen, Kinder und Teenager teil)


Das 16 Jahre alte Mädchen Michaela (links auf dem Foto), hat binnen 2,5 Stunden mit den 3 Damen fünfundvierzig Menschen für Jesus gewonnen. Unter Tränen erzählte sie unter anderem, wie eine stumme Person nach ihrem Gebet fließend ein eigenes Gebet zu Jesus sprechen konnte! Insgesamt hat Jesus in dieser kurzen Zeit 147 namentlich erfasste Seelen gerettet.
Wobei es überhaupt nicht um Zahlenprahlerei geht, sondern darum, sich die Größenordnung vorstellen zu können.

Ein kleiner Bub, vielleicht 9 Jahre alt - leider habe ich kein Foto -  erzählte, dass er auf der Straße für Süchtige gebetet hat und Schnaps und Zigaretten waren passé. 

So ging also auch ich heute früh erstmals mit den beiden Teenagern, Robin und Josh durch die Straßen. Ich möchte nur ein paar Begegnungen zur Ehre Gottes anreißen.

Zunächst trafen wir auf George. Als ich ihm die Hand gab, sagte er "bitte Vorsicht, mein Finger schmerzt, weil ich mir mit einem Hammer draufgehauen habe". Der Finger war dick geschwollen und ich fragte, ob ich für ihn beten darf. Lange Geschichte kurz: Jesus hat ihn auf der Stelle geheilt, George blickte ungläubig auf seinen Finger, drehte die Hand hin und her und freute sich.

Er nahm Jesus an Ort und Stelle an. Sein Kumpel Jonathan, der ihn begleitete, ebenfalls. Ich habe George daraufhin gebeten, den vorbeigehenden Passanten zu bezeugen, was Jesus für ihn getan hat. Das tat er, und ich konnte diesen Menschen von Jesus erzählen. Krass, weil die Leute gesehen haben, dass Jesus real ist. Kein religiöses Geplänkel und keine Pseudofragen über "Jungfrauengeburt" und "wie kann Gott das Leid der Welt zulassen?".

Nur ein junger Mann ist, wie von der Tarantel gestochen und wie am Spieß schreiend -vermutlich besessen- weggerannt, als ich den Namen Jesus Christus nannte - das gehört halt auch dazu.

(v.l.n.r.: Robin und Josh von der "George Commutity Church", sowie 2 neue Kinder Gottes, Jonathan und George. Letzterer ist der mit dem geheilten Finger)

Seit gestern Abend hatte ich meine muslimischen Freunde von Isaaks Gaststätte für diese Aktion auf dem Herzen. In gewisser Weise hatte ich Bammel vor der geballten Ladung Moslems, aber ich sehe Gott am Werk und also gingen wir zu einer Gruppe vor Isaaks Wirtschaft, in der wir eher abgeblitzt sind. Keiner wollte geheilt werden :-)

Draußen, am kleinen Lebensmittelgeschäft, trafen wir aber auf etwa 7 jüngere Somalis, im Schnitt so um die 30.


Ich erzählte innerlich etwas aufgeregt, aber wie meine beiden jungen Freunde hinterher sagten, mit großer Freimütigkeit vom Gott der Liebe und der Heilung. Ich bot ein Heilungsgebet an. Sofort kam die Gegenfrage "Koran oder Bibel ?". Darauf lies ich mich aber nicht ein.

Wow. Am Ende hatte ich einem mir nicht bekannten "Ali" die Hände aufgelegt und im Namen Jesu gegen sein Magengeschwür, das sich nach dem Essen und in der Nacht bemerkbar macht, gebetet. Ich bin gespannt, was Ali später zu seinen Kumpels sagen wird. Robin und Josh bemerkten hinterher, sie hätten den Frieden und die Freude in der Gruppe deutlich gespürt.

Als ich später, als das Feuer noch so schön brannte, einen Anhalter, Jan, nach Nu Dawn Park mitnahm, fragte ich ihn auch gleich wegen Jesus - und wir beteten schließlich zusammen. Noch ein Kind Gottes. Willkommen daheim!

(Jan aus Nu Dawn Park)

Wie immer gilt: Es ist nicht das Werk von Menschen, das ich beschreibe! Es ist das Werk des lebendigen Gottes, der Seelen rettet und heilt.
Es geht nie um mich oder um andere Christen, sondern um den Christus Jesus, der bis zu deinem letztem Atemzug um dich wirbt.
Auch, wenn du Moslem oder Atheist oder sonstwas bist. 

Wer sich aber rühmen will, der rühme sich des Herrn!  (2. Kor. 10,16)



Gott wirkt durch kleinste Kinder und er hat viel Humor! Nachdem der Evangelist J.P. Bekker sich in seiner gestrigen Predigt über die Kraft des Blutes Jesu verausgabt hatte, übernahm sein kleiner Bub (Foto oben) die Initiative und wedelte zahlreiche Gottesdienstbesucher mit dem weißen Schweißtuch seines Vaters durch die Kraft des Heiligen Geistes zu Boden.

Preist den Herrn!

Samstag, 26. Juni 2010

Das Feuerzeug von Sharif. Jugendgefängnis Mosselbaai. Wann glaube ich mir selbst nicht mehr?

Irgendwann kommt ja der Punkt, an dem ich mir selbst nicht mehr glaube. Ich erlebe viele krasse Sachen.

Die Geschichte mit dem Feuerzeug gehört dazu:

Gestern war ich ein paar Stunden bei Papa Oli und habe mir eine Portion christlicher Lebensweisheit bei Tee und Keksen abgeholt.
Er erzählte, wie er nach 20 Jahren als hauptamtlicher Pastor die Erfolgsleiter der südafrikanischen Pfingstbewegung in den 1960ern erklommen, in allen entscheidenden Gremien vertreten war und weltweit gepredigt hatte. Nach außen war er zwar allseits anerkannt, in seinem Herzen hatte sich aber zuletzt Dürre und Leere breitgemacht und die Ehe war gefährdet.
Als er sich an Gott wandte, zeigte ihm dieser ein Bild einer Schlangengrube, in die einzelne Schlangen hineingefallen waren, die nicht mehr herauskommen konnten. Jede Schlange stand für ein einen Umstand, den er selbst zu verantworten hatte. Richten von Mitgliedern seiner Gemeindeleitung. Rechthaberei. Stolz. Lieblosigkeiten. usw.
Die Schlangengrube war das Abbild seines Herzens. Nur durch Aufgabe des eigenen Ego, das "Sterben" und die Übergabe des Steuers an Jesus, wurde das Ruder herumgerissen und sein Leben wieder in die richtige Bahn gelenkt.  Was haben die beiden heute für eine Ehe. 65 Jahre verheiratet.

Als ich irgendwann ging, fuhr ich nach Lawaaikamp, um Angela und Sheila zum Gottesdienst abzuholen. Da ich zu früh da war, wollte ich noch eine 1/2 Stunde die spannende Geschichte von 2.Chronik 20 lesen.

So spricht der Herr zu euch: Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor diesem großen Haufen; denn nicht eure, sondern Gottes Sache ist der Kampf!

Ich kam aber beim Lesen nicht weit, den Ishmail einer der somalischen Buben, die ich dort kenne, störte mich und wollte reden. Als Ishmail mich verließ, hatte ich keine Bibel in der Hand und es geschah etwas Erstaunliches:

Ein junger Mann, ein abgewrackt wirkender Rastatyp mit Jamaika-Outfit, den ich noch nie zuvor sah, stand plötzlich an der Fahrertür und zeigte mir durch die geschlossene Scheibe ein goldenes Feuerzeug. Ich kurbelte das Fenster ein wenig herunter und er sagte mir unaufgefordert:

Ich komme aus Kapstadt. Das Feuerzeug habe ich in einem Hotel gestohlen. Ich möchte ehrlich sein und dich nicht anlügen.

Absolut ungewöhnlicher Beginn einer Konversation. Zumal in einem mit Kriminalität hochbelasteten Gebiet wie einem Township! Was soll das denn? - aber mein Interesse war geweckt.

Also bin ich ausgestiegen und habe ihm erklärt, dass er sein Leben weniger mit mir, als viel mehr mit Gott bereinigen müsse.

Er wollte zu mir ins Auto einsteigen und sagte, dass er etwas in dem Auto gesehen habe und er spüre, dass ich ihn annehme er nehme jetzt den Frieden wahr, usw. !?!

Er erzählte mir er sei Moslem mit Namen Sharif. 28 Jahre alt. Käme aus dem Pollsmore-Prison in Kapstadt. Mitglied der Nummernbande 26.

Wieder, wie bei Pieter in der Stadt vor ein paar Tagen, die ganze Geschichte. Die Leute der Nummernbanden (es gibt 26, 27 und 28er) kommen einfach so zu mir und schütten mir ihr Herz aus. Das kann doch kein Mensch "machen", sowas. Immerhin ist ja auch nicht jeder, der hier rumläuft, ein Knastologe von den "Nummern". So viele gibt es ja nun davon auch wieder nicht.

Kurzer Ausschnitt aus englischer Wikipedia:

The various gangs are called "The Numbers" (there are the 26s, the 27s and the 28s gangs), and are so powerful that they lock their members into the gang. Few members achieve the means to leave the gang.  They tattoo their ranks on their bodies, even their faces so that even outside prison their status is clear. Some members are so tied in to the gang culture that life outside is unthinkable, and would rather confess to a crime they didn't commit than be free men walking the streets.
The majority of prisoners are from depressed communities where there is large-scale unemployment, a lack of educational and other facilities, homelessness and gangsterism. 

Jedenfalls war Sharif, der aus Delville Park, Pacaltsdorp kommt, in Lawaaikamp zu "Besuch", um beim Großhändler Rauschgift, "TIK" zu kaufen. Er erzählte mir Insiderwissen über die Preisstruktur und den Handel. So was gibt man doch nicht so einfach preis in seiner Situation!?
Hatte mich schon öfters gewundert,warum der ältere Herr gegenüber einen neuen Mercedes fahren kann. Jetzt weiß ich das auch.

TIK ist übrigens eine aggressionssteigernde Droge mit extremem Suchtpotenzial. Man mischt Batteriesäure, Rattengift, Bad- und WC-Reiniger, Ameisengift, Scheuermilch und zerriebenen Toilettenduftstein, erhitzt die Masse und sammelt die kristalline Substanz in einer zerbrochenen Glühbirne. Dann werden die Dämpfe durch einen Strohhalm inhaliert. Das Ausmaß der Lungen- und Gehirnschäden ist verheerend. 

Sharif erzählte mir einiges unangenehme Zeugs, auch Frauengeschichten. Vielleicht, um anzugeben oder, um mich zu testen - und naja, ich lehnte auch sein Angebot ab, Damen für einen gemeinsamen Abend zu organisieren.

Ich ging nicht näher darauf ein und unterhielt mich weiter. Nach einer halben Stunde sagte er mir, er habe noch nie länger als 5 Minuten mit einem Menschen geredet. Er könne das gar nicht!

Schließlich sagte ich ihm, nachdem ich ihm vom einzigen wirklichen Retter erzählte, sinngemaß:

"Bleib' sitzen, wir fahren jetzt zum Gottesdienst, danach bringe ich dich heim. Du wirst heute frei werden."

Er war unruhig, kämpfte mit sich und wand sich manches Mal auf dem Beifahrersitz.

Aber schließlich blieb er ohne den leisesten Widerspruch sitzen und kam mit.

Im Auto habe ich vielfältige Lobpreismusik. Motto: "Dem Juden ein Jude, dem Griechen ein Grieche und dem Rasta ein Rasta!" Immer wieder wollte er das folgende Lied über die Schönheit Gottes hören :-)

Sharifs neues Lieblingslied beginnt: 

"Im Leben jedes Mannes, kommt ein Moment, in dem er durch Amors Pfeil von der Liebe Gottes oder der Schönheit einer Frau getroffen wird. Und manchmal bringt diese Liebe einen Donner in dein Leben - und dieser bringt den Sturm. Sing' darüber! ... 

Liebe ist mehr als nur ein Kuss! Werden wir es zum nächsten Schritt bringen? ...
Und wirst du den Donner in mein Leben bringen - und das Feuer in meine Augen? 
Denn dann wird es Tage der Freude geben, wenn alles Weite so nah sein wird.
Ich habe noch niemals Blitz und Donner so gefühlt, wie jetzt.
Ich war noch nie von einem Wunder getroffen - wie diesem."  -
Treffer. 



Vergangenen Freitag war ich von Pastor Johan eingeladen worden, über meine Erlebnisse zu berichten und so sprach ich heute längere Zeit über den Glauben, die Liebe Gottes - und über das Erfordernis, ganz für Jesus bereit zu sein.

Später, während des Lobpreises, als ich ohne sein Wissen für Sharif betete, war ich versucht, jemanden aus der Gemeinde anzusprechen, um mit und für Sharif zu beten. Ich überwand mich, es zu unterlassen.
Da ich wusste, dass der Heilige Geist diesen jungen Mann bis hierher gebracht hatte, wollte ich bewusst darauf vertrauen, dass er in dieser Gemeinde auch selbst die richtige Person findet, die das tut.

So war es dann auch. Irgendwann kamen 2 und beteten und prophezeiten in sein Leben hinein. Sharif fing an in sich zusammenzusinken und begann hemmungslos zu weinen. Gott hatte ihn berührt.

Hinterher sagte er, dass er das Angenommensein, die Authentizität und die Liebe im Gottesdienst gespürt hat. Er will unbedingt wiederkommen ...

Im gleichen Gottesdienst hatte Angela mich unvermittelt herbeigewunken und gesagt: "Umarme den Bruder hinter mir". Da ich weiß, dass sie das nicht nur aus Spaß an der Freud' so sagt, habe ich das gemacht und dem Unbekannten minutenlang von der Annahme und der Liebe Gottes erzählt und dass alles in den "Augen Jesu" zu finden ist, die ich ihm beschrieb. Es ist einfach so geflossen.
Der weiße junge Mann, etwa 25, kam aus einer Kneipe gegenüber, roch nach Alkohol und Zigarettenrauch, aber auch er hat hemmungslos geweint. Die ganze Zeit, bis nach Ende des Gottesdienstes, als wir aufbrachen. Aha. Weiße Menschen haben also auch Not - und Jesus sieht sie!


Dankt dem Herrn, denn seine Gnade währt ewiglich! (2.Chr 20,21)


Heute, Samstag, fuhr ich mit einigen Jugendlichen von der Müllkippe auf deren Wunsch zum Jugendknast nach Mossel Bay, gut 50 km südlich von George gelegen.

Alicias Cousin hat in Silvertown vor 2 Monaten jemanden mit einigen Messerstichen getötet und Mandys Bruder Rion sitzt wegen Rauschgifthandels ein.
Beide sind etwa 17 Jahre alt. Die Jungs sehen schmächtig und unscheinbar aus.

Die beiden Mädchen Mandy (21) und Alicia (15), haben sehr geweint, als sie die Verwandtschaft hinter der Glasscheibe des Besucherbereiches sahen.

(Mandy, Justin, Alicia, Wesley)
 
Alicias Cousin wusste zwar bereits von einem neu einsitzenden Mithäftling, dass seine Mutter letzte Woche verstorben war. Justin erneuerte das Wissen aber nochmals mit den wenig einfühlsamen Worten und scharfer Tonlage: "Deine Mutter ist tot". Und siehe da: Kein Anzeichen von Trauer oder sonst eine besondere Reaktion bei Empfänger oder Überbringer der Nachricht.

Mir wird wieder bewusst, wie rauh das Leben und wie zerüttet das Familienleben in den Townships zumeist ist.

 (Eingangsbereich des Jugendgefängnisses von Mosselbaai)


Wir waren etwa eine Stunde dort und Jeanné und Alicia haben für und mit den Jungs gebetet. Rion, dessen Eltern ich recht gut kenne, war sehr offen, Alicias Cousin hingegen wirkte abwesend und rutschte auf dem Stuhl hin und her. In ihm hat es gekämpft und er konnte wohl am heutigen Tag nichts annehmen.

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Dienstag, 22. Juni 2010

Die Geschichte einer King-James-Bibel und von Pieter, der Jesus sucht und findet.

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Ich lese hier die ganze Zeit eine englische NIV-Bibel (New International Version). Sie liest sich recht angenehm, gerade für mich als Nicht-Muttersprachler.

Doch seit ungefähr 10 Tagen habe ich ein unerklärlich brennendes Interesse, auf die King-James-Version umzusteigen. King James Bibeln sind im englischsprachigen Raum vergleichbar mit unserer alten Elberfelder oder Schlachter. (Karli, du weißt ja - Textus Receptus :-) )

Aber mir ging es überhaupt gar nicht um eine Textus-Receptus-Doktrin oder diesen amerikanischen "KJV-Only!"-Fanatismus dahinter. Es hat mich gezogen! Ich glaube, es hängt mit der Schönheit der altenglischen Sprache zusammen und damit, dass in "meinen Kreisen" meistens aus der KJV zitiert wird.

"Thou art my beloved Son; in Thee I am well pleased" (Lukas 3,22)

Ich war letzte Woche in drei Läden, aber ich hatte die richtige Bibel nirgends gefunden. Keine der Ausgaben hat sich richtig "angefühlt". Irgendwas hatte ich immer auszusetzen. Ich habe gemerkt, dass es nicht am fehlenden Geld (20 €) liegt, sondern daran, dass ich die Bibel, die mir vorschwebte, nirgendwo bekommen konnte. Es gibt tatsächlich Dinge, die kann man für Geld nicht kaufen!

Ich war schon drauf und dran, Papa Oli zu fragen, ob er mir eine seiner ausrangierten Stücke der letzten mehr als 7 Jahrzehnte Christ-Seins, die er mir in seinem Studierzimmer mal zeigte, überlässt.

Gestern nun, als ich den altersschwachen NISSAN wieder mal in die Werkstatt bringen musste - Auspuff undicht, Bremszylinder muss ersetzt werden und das Differenzialgetriebe knirscht, lief ich in die Stadt, um mit Angela in einem Park zu beten.

Zu Fuß allein auf dem Weg in die Stadt, habe ich unter anderem für eine Bibel gebetet, wie ich sie mir vorstelle. Ich habe sie Gott ziemlich genau beschrieben. Dieses Teil war mir wirklich stark auf dem Herzen! Nicht als Sammlerstück, sondern weil ich sie lesen will. 

Als ich in der Stadt auf die junge Dame Angela wartete, kam mir plötzlich ein Impuls, zu einem bestimmten Laden zu laufen, was ich sofort tat. Lange Rede, kurzer Sinn. Dort stand sie. Ausgepackt, probegelesen und das Hammerteil für umgerechnet 21 € gekauft.
Reinsetzen und wohlfühlen. Alles passt. Geniales Teil (exakt die Bibel auf dem Foto oben). 

Später im Park und den ganzen Tag habe ich diese Bibel bewundert. Nur ein Buch und doch nicht. Ich habe ergreifende Geschichten gelesen von Christen in kommunistischen oder muslimischen Ländern, in denen es keine Bibeln gab oder gibt. Welchen Wert die für einen selbst haben können.

Mir ist unklar, wieso ich über eine Bibel so ins Schwärmen geraten kann, aber ich tu es.

Vielleicht aber auch deshalb, weil ich gerade durch die Schule gehe zu lernen, in "alltäglichen Dingen" auf Gott zu sehen und ich weiß, dass diese Bibel von ihm kommt. Ich hatte gebetet, und weniger als 1 Stunde später, hatte ich sie in der Hand! Danke Jesus für die Bibel und für die Lehrstunde.

Jetzt nimmt die Geschichte aber Fahrt auf!

Ich kehre also zurück zum verabredeten Treffpunkt in der Stadt - Angela war immer noch nicht da. Also sitze ich auf einer Bank in der Stadtmitte und lese diese flexible Bibel mit braunem Ledereinband, Goldschnitt und extraschwarzen Großdruckbuchstaben. Erstmals benötige ich keine Brille. Supi!

Ich sehe einen jungen Mann eine Weile in meiner Nähe stehen, der mich beobachtet. Angela kommt, die ich herzlich begrüße und ich erzähle ihr von der Bibel. Nun tritt irgendwann der junge Mann herzu und sagt zu mir auf Afrikaans:


"Mein Herr, das Wort! Ich brauche das Wort! Können Sie mir bitte das Wort geben?"


Wie bitte? Was ist denn das für ein wunderliches Begehren? Ich bitte ihn Platz zu nehmen und frage zunächst kurz nach dem Woher und Wohin dieses jungen Mannes.

Pieter, 24 Jahre alt, wurde gerade aus dem Knast entlassen. 10 Jahre gesessen wegen Mord mit 14. War Angehöriger der 27er Nummernbande. Familie und Freunde ließen ihn fallen und besuchten ihn nicht. Mädchen, Drogen, Bandengewalt. Ein nicht untypischer Lebenslauf der unterpriviligierten Jugendlichen halt. Er zeigte uns einige der typischen Knasttätowierungen der "Numbers". HIV positiv. Tabletten gezeigt. Kommt nicht aus George, sondern Oudtshoorn. Kein Schlafplatz. Kann nicht lesen. etc.
Hatte im Gefängnis durch einen "Priester" von Gott und Jesus gehört.

Es war nicht die typische Tränendrüsengeschichte des "Haben-Sie-was-gegen-entlassene-Strafgefangene?"-Typen an der Haustür, die er erzählte.

Der junge Mann wollte erkennbar sein Leben mit Gott in Ordnung bringen!

 (Pieter und Angela vor der Standard-Bank in George)

Ich gab ihm "das Wort" aus Lukas 4, in dem Jesus über seinen Dienst (der der Dienst jedes Christen ist!), spricht:

"Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, 
den Armen frohe Botschaft zu verkünden; 
er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, 
Gefangenen Befreiung zu verkünden 
und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, 
Zerschlagene in Freiheit zu setzen."

Angela las ihm die Geschichte der Ehebrecherin aus Joh 8 vor, die durch Jesus nicht verdammt wurde. Wir erklärten ihm die Gute Nachricht, versicherten ihm Gottes Liebe für ihn und beteten mit Pieter.

Ich hatte den Pieter natürlich im Arm (wobei mir gerade auffällt, dass ich noch nie las, dass Jesus ständig wildfremde Leute im Arm hatte?!), habe ihm in englisch vorgebetet und er hat es, wie ich ihm vorschlug, in seine Muttersprache Afrikaans übertragen. Er betete ernstlich zu Gott. Ich hab's verstanden, was er betete und ich hab's gespürt. Der Mann war authentisch und außerdem sehr, sehr liebenswert! 

Mir ist es zunehmend schleierhaft, wie einer sagen kann, er will mit diesem genialen Jesus nix zu tun haben oder wie jemand als Christ nicht ganze Sache mit ihm machen will.  Es ist ja vielleicht nicht immer böser Wille, aber mindestens ist es wohl Ignoranz. 
(Ignoranz ist laut Wikipedia: "Unwissenheit, Beschränktheit"; und "zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person etwas – möglicherweise absichtlich – nicht kennt, nicht wissen will oder nicht beachtet").

Schade.

Als ich mir wieder mal Gedanken über das "Lebensübergabegebet" machte, das ich eigentlich nicht mag - irgendwie aber doch, kam ich auf den bekannten Vers aus Röm 10,10.   

"Mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden, und mit dem Mund bekennt man, um gerettet zu werden."

Beides gehört zusammen. Das Vertrauen in Jesus Christus von Herzen UND das Bekennen durch das gesprochene, nicht bloß das gedachte Wort.

Nichts hinkt so sehr, wie ein Vergleich, doch wenn man heiratet, kann man sich beim Pfarrer oder Standesbeamten sein "JA" zum Partner auch nicht bloß denken. Ein Bekenntnis hat verbindlichen Rechtscharakter. Und alle Anwesenden in der Kirche wollen es hören!

Zurück zu Pieter: Er war spürbar ergriffen und sagte, er wurde auch deshalb angezogen mich anzusprechen, weil er sah, wie wir als schwarze und weiße Person miteinander umgehen. Wörtlich: "Das ist gut".

Ich werde Pieter wiedersehen. Verabredung steht.



(Hübscher Stadtpark in George, in dem Angela und ich beteten)

Angela hingegen, eine sehr clevere junge Frau von 28 Jahren, kehrt jetzt in den nächsten Monaten, nach dann 2 Jahren, in ihr Heimatland Zimbabwe zurück.
Gott hat ihr ein großes Herz für die Witwen und Waisen in Indien gegeben und ruft sie als Missionarin nach dort.

Sie hat die Vision, dort eines Tages Waisenhäuser zu bauen. So eines, wie das, was ihre Mutter in Zimbabwe schon betreut.

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Montag, 21. Juni 2010

Ma nabad baa? Impressionen der somalischen Esskultur

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Gestern, nach dem Morgengottesdienst, fuhr ich mit Angela, Sheila, Jeanné und Großmutter Gogo nach Silvertown um mit den Menschen und für die Menschen im Rahmen eines größeren Gebetstreffens zu beten.

Dass der winzige Hund auf dem Foto vom Tisch fiel, war eine etwas unschöne Begebenheit.

Aber es gab wieder gute Tränen und schöne Szenen. Ein paar Entäuschungen gab's auch, aber das gehört zum Geschäft dazu.

Mir ist etwas aufgefallen. Obwohl wir in gehobener Lautstärke verkündigten und beteten  -und eine Dame namens Anni sogar während wir für sie beteten durch die Kraft der Heiligen Geistes zu Boden ging, und sie lautstark Gott lobte -   blieben manche Menschen, die um uns herum waren, sichtlich ungerührt. Sie ließen sich nicht von ihrem gewohnten Tagesablauf abbringen.


Ich weiß, dass das schon immer so war und auch überall so ist. Dennoch verblüfft es mich immer wieder neu, dass manche auf Gott reagieren und andere gar nicht.

Wie auch immer - nach unseren Gebeten, führte ich die genannten Damen, außer Gogo,  in meine Stammkneipe nach Lawaaikamp.

Vorab: Als ich mit meiner Hauswirtin Smava mal dort war und wir irgendwann gingen, sagte sie nur "What a place!"- doch seht selbst:

Die Kneipe hat keinen Namen, keine Speisekarte und ist nur über einen versteckten Eingang über einen verwinkelten Hinterhof oder alternativ durch ein kleines Lebensmittelgeschäft zu betreten.

 (Hinten an der Blechhütte rechts abbiegen ...)


 ( ... und dann zweite Tür links)


Also hereinspaziert und "Ma nabad baa?"

Ma nabad baa?, bedeutet "Hallo", wörtlich: "Herrscht Friede?" auf somalisch.

In diesem "Restaurant" verkehren ausschließlich Somalis. Und ich. Jedenfalls habe ich noch nie eine andere Nationalität dort gesehen.

(Leilah bei der Speisenzubereitung)

In dieser muslimischen Hinterhofgaststätte ohne Namen oder Hinweisschild, kann ich ein klein wenig von der Atmosphäre und Kultur der 300 somalischen Familien schnuppern, die hier in den Townships leben.


Die Somalis stehen im Ruf, sehr geschäftstüchtig zu sein und unterhalten kleine Lebensmittelgeschäfte, sog. Spaza-Shops in den Schlichtwohngebieten oder betätigen sich als Straßenhändler.

In der Kneipe, die Isaak und Leilah betreiben, wird nicht geraucht. Zu trinken gibt es nur Tee sowie einen entfernten Verwandten dessen, was man gemeinhin als Kaffee bezeichnt. Und Saft; eine Art Tri-Top in gelb.

 (Nicht rauch!)

Das Speiseangebot ist begrenzt. Vorherrschend gibt es Suppeneintopf mit Schafsfleisch, Spaghetti mit Schafsfleisch bzw. Reis mit Schafsfleisch. Dazu werden in allen Fällen flache Pfannenbrote gereicht.  "Chiabatta" - schreibt sich vielleicht ganz anders, spricht sich aber in etwa so, wie das italienische Brot. Dann gibt es noch eine wohlschmeckende Art Frühlingsrolle wie beim Chinesen.

Gemüse gibt es hier weder in der Gaststätte, noch es zuhause bei den Familien. Das Essen schmeckt mir ganz gut und es ist günstig.

(Vor dem Essen wäscht man sich die Hände mit etwas grünem "Spüli", oder Waschpulver. Handtuch gibt's nicht.)

Das Spannendste ist nicht, dass mit den Fingern gegessen wird, das kenne ich von den Leuten aus Zimbabwe, sondern dass auch Spaghetti mit den Fingern gegessen werden. Man pickt dazu mit Daumen und Zeigefinger einer Hand ein paar Nudeln und bewegt die Hand derart, dass die Nudeln am Ende im Handteller zu liegen kommen. Von dort lässt man sie in den Mund gleiten. Ein schwer zu beschreibendes Verfahren und vor allen Dingen fühlt sich das sehr ungewohnt an!  Einem Kind wäre die deutsche Mutter geneigt eine zu knallen, wenn es so bei Tisch essen würde :-)


Nach dem Mahl begibt man sich zur Küchentheke und reinigt dort zunächst seine Hände mit WC-Papier. Dann gibt man einen Sprühstoß aus dem Parfum-Vaporisateur auf die Hände und freut sich über einen angenehmen Frühlingsduft an den Fingern - die nunmehr wohlriechend, den obligatorischen Zahnstocher ergreifen und zum Mund führen. 


 
 (Gaststättenbesuch ist reine Männersache!)

Habe schon nette Leute dort getroffen. Muhammad zum Beispiel. Muhammad, geschätzte 30 Jahre alt, heißt mit Vornamen Muhammad und mit Nachnamen ebenso. Genau wie sein Sohn. Mit ihm habe ich mich über den "Propheten Isa" aus dem Koran unterhalten. Aber nur gaaaanz locker. Ohne Druck.

 
(Muhammad Muhammad)

Die Betreiber der Gaststätte, Isaak und Leilah, sind sehr liebenswerte, zurückhaltende Leute. Ich sagte Leilah, dass ihr Name auf hebräisch "Nacht" bedeutet.

 (Gäste und somalisches Essen)

Dass Isaak "Isaak" heißt und nicht wie die anderen Moslems nach dessen Bruder Ishmail benannt ist, hat mich verblüfft. Das habe ich ihm auch gesagt und er hat gegrinst. Irgendwann erzähle ich ihm  - wenn sich's ergibt - von dem Vater der beiden, Abraham,  und den Verheißungen ...

(Isaak, der Wirt, in der blauen Trainingsjacke)

Aber das ist vielleicht ein wenig unpassend und verfrüht. Immerhim habe ich gestern erlebt, dass 3 Geistliche hereinkamen, der Fernsehapparat wird sofort ausgeschaltet, alles schweigt und die Männer fangen eindringlich an zu predigen.
Wir vier Nichtsomalis haben dann in der Zeit leise in Sprachen gebetet und uns gefreut :-)

 (Ein muslimischer Geistlicher verlässt den Raum)

Sehr spannend und herrlich unaufgeregt, das alles. Mal sehen, was sich noch so ergibt.

Isaak nehme ich jedenfalls auch schon in den Arm und er nennt mich "Bruder".

Ja, die Moslems hab' ich auch lieb ... :-)





 
(Koranschule für Kinder ganz in der Nähe der Gaststätte)

Samstag, 19. Juni 2010

Schöne Erlebnisse auf der Müllkippe. Sami hat Arbeit. Meine Kindlein.

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Gestern, am Freitag auf der Müllkippe, begegnete mir zuerst Jappie, ehemals von der Nummernbande, mit dem wir an Pfingsten beteten.
Damals, an diesem legendären 23. Mai 2010, war er tieftraurig und im Inneren erschüttert, bevor er sein Leben Jesus gab.
Seit dem war er in Kapstadt, so dass ich ihn bei meinen späteren Besuchen in Silvertown nie antreffen konnte.

Heute sah ich ihn erstmals wieder. Der Mann hat gestrahlt. Ich fragte ihn und er erzählte, dass seit diesem Pfingstsonntag alles anders sei. Er habe Freude im Herzen ... Jesus ... alles sei anders. Sein Leben sei neu!

Oh, was kann ich sagen, ich wollte den Jappie gar nicht mehr aus meiner Umklammerung lassen, vor lauter Freude für ihn. Einer meiner drei durch Jesus reingewaschenen Lieblingsmörder, neben Johannes 1 und Johannes 2!

Er berichtete mir enthusiastisch von seiner Idee, wie man alle Menschen auf der Müllkippe in eine legale Arbeit hineinbringen könnte. Jappie war früher mal der "3. Mann" in einem Sägewerk und so hängt seine Idee mit Holzverarbeitung direkt auf der Müllkippe zusammen. Wir setzen uns demnächst zusammen, ich höre mir an, was das für ein Vorschlag ist und wir beten darüber.

Irgendwann wollten wir vor dem Essen beten. Sämtliche Anwesenden, etwa 10-12 Menschen, stellten sich im Kreis auf, nahmen die Mützen ab und fassten sich ausnahmslos alle bei den Händen. Keiner hat sie dazu aufgefordert. Sami hat ein Gebet gesprochen und nachdem er fertig war, bat ein anderer, gemeinsam das Vaterunser zu sprechen.

Also haben wir auf der Müllkippe im Kreis stehend, das Vaterunser gebetet. Was sehe ich bei mehreren Männern in diesem ganz besonderen Moment? Feuchte Augen!

Ich habe den Jungs daraufhin gesagt, dass diese Tränen kein Zeichen 'männlicher' Schwäche sind, sondern, dass der Heilige Geist in ihnen als Söhnen Gottes wirkt. Es seien keine Emotionen, sondern der Geist Gottes.

Dann ist was passiert, ich kann es einmal mehr kaum wiedergeben - mir beschlägt fast die Brille beim Schreiben. :-) Ich hatte angefangen, wie gewohnt, vom Kofferaumdeckel, aus 2 Kartons je 1 Birne und 1 Mandarine sowie Brot auszugeben.

Da tritt unversehens und ungefragt der eingangs erwähnte Jappie hinzu, greift selbstständig in die Obstkisten, unterstützt mich und gibt mit einer demütigen Körperhaltung und Gestik, aber doch in großer Bestimmtheit und Würde, Obst an die Bedürftigen aus.

Für jeden einzelnen hatte er einen eigenen Zu-Spruch parat. "Der Herr sieht dich" - "Hallelujah" - "Danke, Jesus" - "Gott liebt dich" - "Preist den Herrn - usw.
Diese Verse können viele sagen und es bleiben vielleicht leere Worte. Wenn Jappie das sagt, nimmt man es ihm ab, weil jeder weiß, wo er herkommt.

Als ich das sah, überließ ich ihm spontan auch das Brot und bat ihn, allein für die Ausgabe verantwortlich zu zeichnen.
Ich ging ein paar Schritte zurück, habe die Szenerie beobachtet und mich soooo sehr gefreut. Wer kann das beschreiben!?

Aaach ja, seufz!

Luther übersetzt die Anrede des "Apostels der Liebe", Johannes, für seine Schäfchen in dessen kurzen 1.Brief sieben Mal mit dem altertümlichen Wort "Kindlein", bzw. "Meine Kindlein".

Haargenau dieses Wort empfinde ich für diese Menschen. Etwa so, als wären es "Meine Kindlein". Das klingt so schön, so fürsorgend, so besonders, wie Johannes (bzw. Jesus!) sie anredet. Und so überaus treffend!

Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.  (1.Joh 3,1)

Wie ich überhaupt die Bibel jetzt fast wie einen Roman lese und nicht an jedem zweiten Vers hängenbleibe, weil ich etwas nicht verstehe.
Ich hatte es vielleicht schon mal geschrieben, aber das, was Paulus, Petrus, Johannes und Judas in ihren Briefen mit Blick auf die Beziehung zu Menschen und zu Gott hin ausdrücken, das glaube ich jetzt zu verstehen bzw. ich kann es oft klar nachfühlen.


Zurück zur Müllkippe: Sami hat berichtet, dass er nun eine feste Arbeitsstelle hat! Das ist eine Sensation, denn Sami ist mit 62 Jahren nach hiesigen Maßstäben ein alter Mann - noch dazu im Rentenalter. Kann nicht schreiben, hat kein Ausbildungszertifikat und besitzt nicht mal 'nen Ausweis.

Aber er betete vor ein paar Tagen unter Tränen mit uns (siehe Eintrag vom 10. Juni) und der Gott, dem kein Ding zu schwer ist, dessen Arm nie zu kurz ist zum Retten und dem möglich ist, was kein Mensch vermag, hat Sami gehört. Gehalt für Sami: R 150 pro Tag. Für ungelernte Kräfte sind 70 - 100 Rand üblich.


Diese Begebenheit mit Samis Arbeitsstelle habe ich zum Anlass genommen, meinen Freunden zu verkündigen, dass wer den Sohn hat, das Leben hat und wer den Sohn Gottes nicht hat, auch das Leben nicht hat. (1. Joh, 5,12). Ebenfalls am Beispiel von Sami die Tatsache, dass wer zuerst nach dem Reich Gottes trachtet, ihm alle Dinge, die er benötigt, zufallen. (Mt 6,33). Das war erstaunlicherweise genau die Botschaft, die ich mal auf dem Gebetsberg am 26. April  -siehe Eintrag dort-  für die Kindlein der Müllkippe hatte.

Ich glaube, sie haben verstanden, dass es ein Unterschied ist, ob ich zuerst nach dem Reich Gottes trachte, oder ob ich Gott an 2. oder 3. Stelle oder gar unter ferner Liefen als Sahnehäubchen rangieren lasse. Gottes Bedingungen können wir nicht verändern. Sami jedenfalls hat Jesus an erster Stelle stehen! Bedingung erfüllt.

Da meine Freunde sahen, dass Gott bereits einige aus ihrem Umfeld verändert hat, waren sie sehr aufmerksam zu hören, was ich in meinem gebrochenen Afrikaans zusammenstolperte.

Zum Abschluss betonte ich meine Liebe für sie und einige sagten, dass sie mich auch lieb haben. Das war ein sehr schöner Moment, zumal man bedenken muss, dass die Menschen aufgrund ihrer Vergangenheit kaum in der Lage sind, Gefühle zu äußern oder zu zeigen.

Schließlich habe ich noch mal Werbung gemacht für kommenden Sonntag. Es sollen alle in Silvertown zusammengetrommelt werden, die beten können. Ich möchte für Erweckung, für die Ehen und Familien,  gegen die Süchte und auch für einen Menschen beten, der meine lieben Kindlein geistlich weiter betreut, wenn ich nicht mehr da bin.

Das kleine Township wird sich verändern. Nichts wird mehr sein, wie es war. Da bin ich gewiss! (Eigentlich ist bereits jetzt nichts mehr, wie es war).

Wenn ich drüber nachdenke, wie es sich anfühlte, als ich vor ein paar Monaten das erste Mal auf der Müllkippe und in Silvertown auftauchte und wie es jetzt ist. Unfassbar, welch eine Veränderung sich eingestellt hat.
 
(Jappie, Sami, Wesley)

Wer meinen Blog liest, hat vielleicht den Eindruck, ich sei fanatisch, weil ich kein TV sehe, keine Zeitung lese, an politischen, wirtschaflichen und gesellschaftlichen Diskussionen nicht teilnehme und mich persönlich die WM 2010 "im eigenen Land" nicht die Bohne interessiert.

Stimmt, er hat recht!

Nichts von dem, was ich wissen muss, empfange ich aus den genannten Quellen.
Nichts, was ich zu geben oder zu sagen habe, befindet sich außerhalb dessen, was Jesus zu einem Thema zu sagen hat oder tun möchte.

Diskutieren und Fußball verändert in Silvertown und auf der Müllkippe keinen einzigen Menschen.

Die Liebe Gottes schon.